Die Wahl des richtigen Schiffes ist die weitreichendste Entscheidung vor einer Langfahrt oder Weltumsegelung. Sie bestimmt, wie viel Zeit man auf paradiesischen Ankerplätzen verbringt — und wie viel im Maschinenraum. Bobby Schenk hat auf drei verschiedenen Yachten die Welt besegelt, über 100 Weltumsegler interviewt und über Jahrzehnte seine Empfehlungen immer wieder an die Realität angepasst. Dieser Artikel fasst seine Erkenntnisse zusammen.


Die Grundsatzfrage: Monohull oder Katamaran?

Es ist die Frage, die jede Diskussion unter Langfahrtseglern beherrscht. Bobby Schenks Antwort, gestützt auf 8 Jahre Monohull und 10 Jahre Katamaran: Es gibt kein „besser" — es kommt auf den Einsatzzweck an.

Was für den Katamaran spricht

Eine Weltumsegelung bedeutet: Drei Viertel der Zeit liegt man vor Anker. Das Leben spielt sich im Cockpit und im Salon ab, nicht auf raumem Kurs. Und genau hier ist der Katamaran unschlagbar:

  • Platz: Zwei Rümpfe, breites Deck, riesiger Salon — kein Monohull gleicher Länge kann das bieten.
  • Stabilität vor Anker: Kein Schaukeln, kein Krängen. Man kann einen Tisch decken, ohne dass etwas rutscht.
  • Komfort für ältere Crews: Weniger Stufen, weniger Klettern zwischen Cockpit und Salon.
  • Geringer Tiefgang: Zugang zu Buchten und Lagunen, die für Kielboote tabu sind.

Was für den Monohull spricht

  • Schwerwetter-Verhalten: In den brüllenden Vierzigern und am Kap Horn fühlt man sich im Einrumpfer sicherer — das Gewicht des Kiels richtet das Boot immer wieder auf.
  • Kosten: Ein seetüchtiger Monohull ist deutlich günstiger als ein vergleichbarer Katamaran. Liegeplatzgebühren in Marinas sind halb so hoch.
  • Bauqualität: Monohulls werden seit Jahrzehnten in Großserie gebaut. Bei Katamaranen ist die Zahl erfahrener Werften kleiner — und ein Fehler wiegt schwerer.

Bobby Schenks persönliche Position

„Ein Katamaran unter 10 Metern ist kriminell." — Wolfgang Hausner, Rekordweltumsegler

Bobby Schenk stimmt zu: Wer sich einen Katamaran von mindestens 12-13 Metern leisten kann, sollte ihn wählen — das Leben an Bord ist einfach besser. Wer das Budget nicht hat, fährt mit einem bewährten Monohull besser und sicherer.

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Drei Yachten, drei Weltumsegelungen — Was Bobby Schenk gelernt hat

Kaum jemand kann auf Langfahrt-Erfahrung mit so unterschiedlichen Booten zurückblicken:

THALASSA I (1969-1974) — 34 Fuß, GFK-Monohull

Ein Fähnrich 34, eines der kleinsten Kunststoffboote seiner Zeit. Damit umsegelte Bobby Schenk als junger Mann die Welt. Navigation mit Sextant, kein GPS, keine Elektronik, Petroleumkocher. Bester Etmal: 169 Seemeilen. Erkenntnis: Es geht auch einfach — aber das Ballast-Verhältnis war zu niedrig, bei über 20 Knoten krängte das Boot beängstigend.

THALASSA II (1979-1983) — 48 Fuß, Stahl-Monohull

Ein Suncost 48, 15 Meter Stahl. Vier Jahre bis in die Südsee. Bester Etmal: 190 Seemeilen. Dieses Schiff bewältigte Kap Horn souverän. Bobby Schenks „Lieblingsschiff in jeder Hinsicht" — aber Stahl bedeutet permanente Wartung: Decksanstriche, Korrosionsschutz.

THALASSA III (1999-2010) — 46 Fuß, Katamaran

10 Jahre von Frankreich bis Thailand. Bester Etmal: 220 Seemeilen. Zwei Duschen, zwei Toiletten, 7 Meter Breite, Watermaker. Unerreicht beim Leben vor Anker — aber: Eine Kenterung wäre der Totalverlust.

Bobby Schenks Fazit: „Alles zu seiner Zeit. Auf keinem der drei Schiffe habe ich mich je unsicher gefühlt."


Die richtige Größe

Bobby Schenks Faustregel: Die Yachtlänge in Fuß sollte ungefähr dem Alter des Eigners entsprechen. Ein 40-Jähriger kommt mit 40 Fuß zurecht, ein 60-Jähriger braucht die Bequemlichkeit von 50 Fuß.

Pragmatischer ausgedrückt:

LängeEignung
unter 35 FußAtlantiküberquerung ja, Weltumsegelung spartanisch
35-45 FußSweet Spot für ein Paar auf Langfahrt
45-50 FußKomfortabel, noch von zwei Personen handhabbar
über 50 FußBezahlte Crew wird nötig — Freiheit geht verloren

14 Meter ist Bobby Schenks persönliche Obergrenze für Autarkie ohne bezahlte Crew. Größer bedeutet mehr Wartung, höhere Kosten, weniger Unabhängigkeit.

Dabei gilt: Nicht das Budget sollte die Bootsgröße bestimmen, sondern die Entscheidung zu segeln. Erst kommt der Entschluss zur Weltumsegelung, dann die Frage, welches Schiff man sich leisten kann.


Baumaterial: GFK, Stahl, Aluminium oder Holz?

GFK (Kunststoff) — Bobby Schenks erste Wahl

Kunststoff-Serienyachten sind das Rückgrat der Blauwasserflotte. Nach über 30 Jahren Erfahrung steht fest: GFK ist praktisch unzerstörbar, wartungsarm und bewährt. Große Serien bedeuten, dass die Werften aus Fehlern gelernt haben. Osmose ist bei modernen Werften kein Thema mehr.

Stahl — Sicher, aber pflegeintensiv

Stahl ist das sicherste Material bei Riff-Grundberührungen. Dafür kämpft man permanent gegen Rost. Bobby Schenk auf der THALASSA II: „Decksanstriche, Korrosionsschutz — man nimmt es hin." Für Eignerbauer ein gangbarer Weg, aber mit offenen Augen.

Aluminium — Exzellent, wenn die Werft es beherrscht

Leicht, korrosionsbeständig, gut schweißbar. Aber: Elektrolyse-Management ist kritisch, und nur wenige Werften haben die nötige Erfahrung. Aluminium ist die erste Wahl für Katamarane (Gewicht entscheidend), aber teuer.

Wovon Bobby Schenk abrät


Kiel, Rigg und Ruder

Kieltyp

  • Langkieler: Richtungsstabil, enorme Staukapazität in Kiel und Bilge. Bei Gebrauchtbooten nach wie vor attraktiv.
  • Moderater Kurzkieler: Bester Kompromiss für Neubauten — wendig genug für Häfen, stabil genug für den Ozean.
  • Schwenkkiele: Bobby Schenk rät ab — die Mechanik ist anfällig für Verkalkung und Versagen.

Tiefgang

2 Meter Tiefgang sind laut Bobby Schenk überall unproblematisch, wo er in Jahrzehnten gesegelt ist. Der verbreitete Wunsch nach minimalem Tiefgang ist bei Monohulls oft kontraproduktiv.

Rigg

  • Slup (ein Mast) mit Rollsystemen für Genua und Großsegel ist der Standard und hat sich bewährt.
  • Spinnaker: Zu komplex für ein Paar auf Langfahrt. Besser: Code 0 oder Parasailor.
  • Unverzichtbar: Bullenstander gegen unbeabsichtigte Halsen.

Ruder und Selbststeuerung

  • Windfahnensteuerung mit Hilfsruder ist Bobby Schenks wichtigste Empfehlung: Null Stromverbrauch und ein Reserveruder, falls das Hauptruder bricht — auf See eine Katastrophe.

  • Empfehlung: Windpilot Pacific Plus II (abnehmbar vor Anker).

  • Elektrische Autopiloten als Ergänzung, nicht als Ersatz.

  • Die ideale Fahrtenyacht 2020 — Konzept — Rigg, Selbststeuerung, Ankergeschirr, Deckslayout — alles im Detail.

  • Elektrische Anlage — Warum 12V besser ist als 24V und wie viel Batterie-Kapazität man wirklich braucht.


Neu oder gebraucht?

Gebraucht kaufen — Der Markt liegt auf der Seite des Käufers

Der Gebrauchtbootmarkt ist ein Käufermarkt: Das Angebot übersteigt die Nachfrage bei Monohulls deutlich. Mit 50.000-70.000 Euro bekommt man eine solide 34-37-Fuß-Yacht. Bobby Schenks Rat:

Worauf achten:

  • Deutsche oder französische Serienproduktion, nicht älter als 10-15 Jahre
  • Tadelloser Rumpf, keine Osmose-Anzeichen (oder zertifizierte Sanierung mit 5-Jahres-Garantie)
  • Kein Teakdeck (extreme Hitze in den Tropen, teuer, kurze Lebensdauer)
  • Bilge-Inspektion als „Wahrheitsserum" — eine saubere Bilge ist das beste Zeichen
  • MwSt.-Nachweis prüfen (20% Strafe bei Fehlen)

Wovon abraten:

  • „Eignergepflegte" Boote — oft kosmetisch aufgehübscht, darunter aufgeschobene Wartung
  • Frischer Anstrich als Warnsignal
  • Salzwasser-Kristalle in Schapps = chronische Feuchtigkeit

Die besten Deals:

  • Ausgemusterte Charteryachten — hart beansprucht, aber professionell gewartet
  • Atlantiküberquerer — bewiesene Seetüchtigkeit
  • Notverkäufe (Erben, Scheidung) — schnelle Abwicklung, gute Preise

Neu kaufen — Werften genau prüfen

  • Nur etablierte Werften mit mindestens 5 Jahren Erfahrung
  • Kundenreferenzen einholen und nachhaken
  • Serienstandard kaufen, keine Sonderwünsche
  • Fester Liefertermin im Vertrag (sonst wird geschoben)
  • 5% Einbehalt bis zur Endabnahme
  • Direktzahlung an die Werft, nicht an Zwischenhändler

Vertiefende Artikel:


Was Bobby Schenk nicht an Bord haben will

Über die Jahrzehnte hat sich eine klare Liste kristallisiert, was auf einer Langfahrtyacht nicht gebraucht wird:

Nicht an BordWarum
TeakdeckUnerträgliche Hitze in den Tropen (8°C mehr als Kunststoff), teuer, kurze Lebensdauer, ökologisch fragwürdig
GeneratorZweiter Motor = doppelte Wartung. Autarkie durch richtige Dimensionierung besser
KlimaanlagePassive Belüftung reicht in den Passatregionen
BugstrahlruderSeemannschaft ersetzt Technik
ElektrowinschenUnnötige Komplexität
Elektrischer HauptantriebBatterietechnologie noch nicht so weit

Was über 100 Weltumsegler zur Bootswahl sagen

Bobby Schenk hat über 25 Jahre lang mehr als 100 Weltumsegler-Crews mit denselben Fragen interviewt. Aus den Antworten lässt sich ablesen, welche Boote sich auf den Weltmeeren bewährt haben — und welche nicht.

Die statistische Auswertung zeigt: Die durchschnittliche Yacht der befragten Weltumsegler hat eine bestimmte Länge, einen bestimmten Rumpftyp und ein bestimmtes Alter. Wer sich an diesen Zahlen orientiert, macht wenig falsch.

  • Who’s Who der Weltumsegler — Alle 100+ Interviews: Jeder Weltumsegler wurde nach seiner Yacht, deren Stärken und Schwächen befragt.
  • Statistische Auswertung — Durchschnittliche Yachtlänge, beliebteste Typen, Kosten und Reisedauer — ausgewertet aus über 100 Weltumsegelungen.

Bobby Schenks Empfehlung auf einen Blick

KriteriumEmpfehlung
RumpftypKatamaran ab 12-13m, sonst Monohull
MaterialGFK (Serie) — bewährt, wartungsarm
Größe35-50 Fuß für ein Paar
Obergrenze14m ohne bezahlte Crew
KielModerater Kurzkieler (Neubau) oder Langkieler (Gebraucht)
Tiefgang2m unproblematisch
RiggSlup mit Rollsystemen
SelbststeuerungWindfahne mit Hilfsruder (Pflicht!)
Elektrik12V, 480+ Ah, Lithium wenn Budget reicht
MotorEinfacher Diesel, 50-70 PS, kein Turbo
Anker3 Anker, 70m Kette verzinkt (kein Edelstahl!)
BeibootFestes Dinghy (kein aufblasbares — UV zerstört es)
Budget gebrauchtAb 50.000-70.000 € (34-37 Fuß Monohull)

Alle verlinkten Artikel stammen von bobby-schenk.de und basieren auf Bobby Schenks jahrzehntelanger Erfahrung als Weltumsegler und Kap Hoornier sowie den Interviews mit über 100 Weltumsegler-Crews.