Wie wird man Blauwassersegler? Nicht durch das Sammeln von Scheinen, sondern durch Seemeilen, Seemannschaft und die richtige Ausbildung auf den richtigen Booten. Bobby Schenk, selbst Kap Hoornier, bringt es auf den Punkt: Dickschiffssegeln hat mit Jollensegeln so viel gemeinsam wie Tischtennis mit Rasentennis. Wer eine Weltumsegelung plant, sollte seine Zeit nicht mit Jollenscheinen verschwenden, sondern direkt auf hochseetauglichen Yachten lernen.

Der folgende Ausbildungsweg basiert auf Bobby Schenks Empfehlungen aus Jahrzehnten eigener Erfahrung und der Beobachtung Hunderter Blauwassersegler.


Der Ausbildungsweg im Überblick

flowchart TD A["Entscheidung\nWeltumsegelung als Lebensziel"] --> B B["Grundausbildung\nKielboot-Kurse an der HYS Glücksburg\nSportbootführerschein See\n2-4 Wochen"] --> C C["Seemeilen sammeln\nGemeinsame Törns mit der Crew\nKüste und Offshore\nVerschiedene Wetterbedingungen\n1-2 Jahre"] --> D D["Überführungstörn\nTransfer-Passage unter\nerfahrenem Skipper\n500+ Seemeilen"] --> E E{"Crew-Check\nFunktioniert die\nCrew unter Stress?"} E -- "Ja" --> F E -- "Nein" --> C2["Crew-Zusammensetzung\nüberdenken"] C2 --> C F["Skippertraining\nHafenmanöver-Intensivkurs\nAn- und Ablegen unter\nallen Bedingungen\n3 Tage"] --> G G["Spezialwissen\nFunkzeugnis erwerben\nSee-Überlebenskurs\nMotorkunde\nAstronomische Navigation"] --> H H["Blauwasser-Seminar\nBobby Schenks 2-Tage-Intensivkurs\nPraxis-Wissen von Weltumseglern\nLetzte Wissenslücken schließen"] --> I I["Schiff kennenlernen\nEigene Yacht ausrüsten\nSysteme verstehen\nShakedown-Törns fahren\n3-6 Monate"] --> J J["Leinen los!\nDie Weltumsegelung beginnt"] style A fill:#e8f4f8,stroke:#2980b9,stroke-width:2px,color:#000 style B fill:#d5f5e3,stroke:#27ae60,stroke-width:2px,color:#000 style C fill:#d5f5e3,stroke:#27ae60,stroke-width:2px,color:#000 style D fill:#d5f5e3,stroke:#27ae60,stroke-width:2px,color:#000 style E fill:#fdebd0,stroke:#e67e22,stroke-width:2px,color:#000 style C2 fill:#fadbd8,stroke:#e74c3c,stroke-width:2px,color:#000 style F fill:#d5f5e3,stroke:#27ae60,stroke-width:2px,color:#000 style G fill:#d5f5e3,stroke:#27ae60,stroke-width:2px,color:#000 style H fill:#d5f5e3,stroke:#27ae60,stroke-width:2px,color:#000 style I fill:#d5f5e3,stroke:#27ae60,stroke-width:2px,color:#000 style J fill:#e8f4f8,stroke:#2980b9,stroke-width:3px,color:#000

Die Stationen im Detail

1. Entscheidung

Alles beginnt mit der Grundsatzentscheidung. Bobby Schenk betont: Erst kommt der Entschluss, dann die Planung — nicht umgekehrt. Wer wartet, bis alles perfekt ist, segelt nie los.

2. Grundausbildung auf Kielbooten

Nicht auf Jollen, nicht am Computer — sondern auf hochseetauglichen Kielbooten. Bobby Schenk empfiehlt die Hanseatische Yachtschule Glücksburg (HYS) als Startpunkt: 300 ehrenamtliche Ausbilder, Kurse vom Anfänger bis zum Hochseeschein, Folkeboote und 19-Meter-Yachten.

3. Seemeilen sammeln — mit der Crew

Seemeilen sind die Währung der Vorbereitung. Nur wer genügend gemeinsame Seemeilen mit seiner Crew geloggt hat, kann realistisch einschätzen, ob der Traum trägt. Bobby Schenk warnt: Crew-Konflikte — nicht Wetter oder Technik — sind der häufigste Grund, warum Weltumsegelungen scheitern.

4. Überführungstörn unter erfahrenem Skipper

Ein Überführungstörn — das Überführen einer Yacht von A nach B über eine längere Strecke — ist Gold wert. Man ist intensiv in den Schiffsbetrieb eingebunden, segelt Tag und Nacht, und lernt unter realen Bedingungen. Mindestens ein Törn von 500+ Seemeilen sollte es sein.

5. Der Crew-Check

Nach den gemeinsamen Seemeilen steht die ehrliche Frage: Funktioniert diese Crew auch unter Stress, bei Müdigkeit, bei schlechtem Wetter? Wenn nicht, muss die Zusammensetzung überdacht werden — bevor man auf dem Atlantik feststellt, dass es nicht passt.

6. Skippertraining — Hafenmanöver

Bobby Schenks nachdrücklichste Empfehlung: Hafenmanöver sind die riskanteste und komplexeste Situation im Segelalltag — gefährlicher als jede Ozeanpassage. Und genau hier haben die meisten Segler die größten Lücken. Ein 3-tägiger Intensivkurs mit Drohnenaufnahmen, Simulation und Videoanalyse schließt diese Lücke.

  • Schule des (Segel-)Lebens — Der ausführliche Bericht über das Skippertraining: Inhalte, Methoden und warum es so wichtig ist.

7. Spezialwissen aufbauen

Parallel zur praktischen Erfahrung erwirbt man das nötige Spezialwissen:

  • Funkzeugnis — Pflicht für die Hochsee.
  • See-Überlebenskurs — Was tun, wenn alles schiefgeht.
  • Motorkunde — Der Diesel muss laufen, immer.
  • Astronavigation — Backup, wenn die Elektronik ausfällt.

Relevante Artikel:

8. Blauwasser-Seminar

Bobby Schenks 2-Tage-Intensivseminar mit Experten, die selbst auf den Weltmeeren unterwegs waren. Hier werden die letzten Wissenslücken geschlossen — von der Energieplanung bis zur Routenwahl.

9. Schiff kennenlernen

Die letzte Phase vor der Abfahrt: Das eigene Schiff in- und auswendig kennenlernen. Jedes System muss verstanden, jede Schwachstelle gefunden werden. Shakedown-Törns decken auf, was noch fehlt.

10. Leinen los!

Wer diesen Weg gegangen ist, ist vorbereitet. Nicht perfekt — das wird man nie sein. Aber bereit.


Zeitplan

PhaseDauerZeitpunkt
Entscheidung und erste Törnslaufend3-5 Jahre vor Abfahrt
Grundausbildung HYS2-4 Wochen2-3 Jahre vorher
Seemeilen sammeln mit Crew1-2 Jahrefortlaufend
Überführungstörn2-4 Wochen1-2 Jahre vorher
Skippertraining3 Tage1 Jahr vorher
Funkzeugnis, Spezialkurseje 1-2 Wochen1 Jahr vorher
Blauwasser-Seminar2 Tage6-12 Monate vorher
Schiff kennenlernen3-6 Monateunmittelbar vor Abfahrt

Alle verlinkten Artikel stammen von bobby-schenk.de. Der Ausbildungsweg basiert auf Bobby Schenks jahrzehntelanger Erfahrung als Weltumsegler und Ausbilder.