Frage von Tom
Guten Tag Herr Schenk
Ich habe auf Yacht.de soeben Ihren aktuellen Bericht zum Thema Hochseetauglichkeit einer Segelyacht gelesen und musste ein wenig schmunzeln. In der heutigen Zeit ist eine Contest 33 halt schon eher ein kleines Blauwasser-Schiff…
Ich durfte das zum Glück noch ganz anders erleben. In den Achtzigern war man mit 10 Metern ja noch voll bei den Leuten. Meine ersten Erfahrungen habe ich 1987 mit 23 Jahren auf einer Atlantiküberquerung gemacht. Zu zweit, mit meinem damals besten Kumpel, lebten wir 6 Monate auf unserer 35 Fuss GFK-Sloop.
Wir hatten Echolot, UKW-Funk, eine präzise Uhr und einen Sextanten. Mit dabei im Gepäck war natürlich auch “Astronavigation ohne Formeln-praxisnah” :-) Learning by doing habe ich dank Ihrem Werk den Umgang mit dem Sextanten erlernt. Das Buch habe ich übrigens heute noch. Es war von 2004 bis 2007 auch auf einer Weltreise mit meiner damaligen Lebenspartnerin an Bord unserer 32 Fuss Stahlsegelyacht vom Typ Vanguard 950 mit dabei….
Nachdem ich nun in meinem Leben bereits mehrere Male den Atlantik überquert habe und 2 Jahre im Pazifik gesegelt bin, wird es in den kommenden 2 bis 3 Jahren ein neues Weltreise-Projekt geben.Vor 2 Jahren habe ich auf ricardo.ch (das Schweizer Ebay) für sagenhafte CHF 2000 eine 26 Fuss (Lüa 29 Fuss) Stahlsegeyacht vom Typ Sneekermeer 800 “geschenkt” bekommen. Der Grundzustand des Schiffes war sehr gut, bloss wurde es jahrelang komplett vernachlässigt. Nach eineinhalb Jahren Refit und Ausgaben von ca. CHF 3000 für Material ging es diesen Sommer am schönen Lac de Neuchatel erneut ins Wasser - siehe Bild. Die Arbeiten habe ich, wie bereits damals bei der Vanguard, alle selber gemacht.
Und nun komme ich zur eigentlichen Anfrage:
Die meisten Segler wechseln in der Regel mit zunehmendem Alter und für neue Ozeanprojekte von kleineren auf grössere Schiffe. Ich spiele nun mit dem Gedanken genau das Gegenteil zu tun. Ich spiele sogar mit dem Gedanken mit meinem Schnäppchen loszusegeln. …Der Rumpf und das Deck bestehen aus 4 mm Stahl. Das Rigg aus Alu ist sehr gut dimensioniert. Die Motorisierung ist evtl. für die See suboptimal: Aussenborder im Schacht, Mariner 25 PS 2 Takter mit Fernschaltung und Elektrostart. Raum für einen Innenborder gäbe es problemlos. Andererseits ist der Stauraum ohne IB Diesel enorm! … Mir wäre die Meinung von einem so erprobten und geachteten Fahrtensegler wie Sie es sind einiges wert!
… Freundliche Grüsse aus der schönen “region des trois lacs”
Tom Baumann
Guten Tag, Tom!
Die Antwort auf Ihre Frage ist nicht schwer. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Ich hätte an Ihrer Stelle keine Bedenken. mit dieser schönen Yacht auf Weltreise zu gehen. Schließlich sind Sie mit Ihren etwas mehr als 50 Jahren (hab ich ausgerechnet) im besten Alter. Und, wie Sie schreiben, haben Sie auch das “Schnäppchen” gut auf Vordermann gebracht. Hinzu kommt, dass beim Vergleich der Baustoffe in puncto Sicherheit eine ausreichend dimensionierte Stahlyacht ohnehin an erster Stelle steht.

“Der Skipper macht das Schiff” habe ich oft genug betont. Erst neulich wurde berichtet, dass Segler mit einem offenen Sportkatamaran, der deutlich kürzer war als Ihre Yacht, erfolgreich um die Welt gesegelt sind. Oder schauen Sie sich die Fischer auf den Bildern an. Die Aufnahmen stammen aus der Straße von Malacca, wo zwar meist schönes Wetter herrscht, wo es aber auch mal kacheln kann. Damit müssen die Leute vor Ort bei Tag und Nacht(!) fertig werden, obwohl viele von uns Yachtsmännern bzw. „Yachtsleuten“ – um dem
Gender-Wahn gerecht zu werden - schon in der Ostsee mit diesen Bötchen heillos überfordert wären. Wenn man manchmal am Netz miterlebt, wie
“Segler” mit Riesenschiffen und aller erdenklichen (und sündteuren)

Ausrüstung bei zu erwartendem „normal“ schwerem Wetter überfordert sind, fragt man sich schon, was all der Schnickschnack denen bringt, der ihnen vom Verkäufer unter dem Aspekt “Sicherheit” aufgeschwätzt worden ist. Und wenn dann die Anschaffungen draußen in der rauhen See endlich zum Tragen kommen sollten, schmeissen sie die Nerven weg und lassen sich gelegentlich sogar vom Hubschrauber oder von Biggies abbergen.
Das Einzige, was mir an Ihrem Schiff unter Berücksichtigung von dessen Zukunft nicht gefällt, ist das Fehlen einer (Diesel-)Einbaumaschine. Stellen Sie sich vor, sie müssten Ihren Außenborder beim Gegenangehen gegen eine hackige See zu Hilfe nehmen, dann hören Sie den regelmäßig aufheulen, wenn die Schraube am Ende des (Lang-)Schafts wieder mal in der Luft hängt. Und dieses kreischende Geräusch ist nervenaufreibend. Aber ansonsten: Segeln Sie los! Noch haben Sie eine Menge guter Jahre vor sich. Freundliche Grüße! Bobby Schenk

Vor 2 Jahren habe ich auf ricardo.ch (das Schweizer Ebay) für sagenhafte CHF 2000 eine 26 Fuss (Lüa 29 Fuss) Stahlsegeyacht vom Typ Sneekermeer 800 “geschenkt” bekommen. Der Grundzustand des Schiffes war sehr gut, bloss wurde es jahrelang komplett vernachlässigt. Nach eineinhalb Jahren Refit und Ausgaben von ca. CHF 3000 für Material ging es diesen Sommer am schönen Lac de Neuchatel erneut ins Wasser - siehe Bild. Die Arbeiten habe ich, wie bereits damals bei der Vanguard, alle selber gemacht.