Frage von Dr.Peters
Sehr geehrter Herr Schenk,
es ist eine wahre Freude, Ihre Internetpräsenz zu konsumieren. Schlussendlich habe ich mich aufgerafft, auch einmal mit einer Frage an Sie heran zu treten.
Ich fahre jetzt einen 15 x 5 m Monohull. Reizen würde mich ein gleich langer Katamaran. Mein Fahrgebiet ist Nordsee und perspektivisch Ostsee.
Leider erhalte ich grundverschiedene Einschätzung über die Tauglichkeit eines Katamarans für die Wellenbilder und den Seegang der Nordsee. Sie selbst haben bereits geäußert, dass ein Kat für die Ostsee eher nicht geeignet sei.
Die Aspekte zur Größe und Probleme in den Häfen habe ich verstanden. Dass ein Kat auf der Nordsee ab 5-6 Bft. aber nicht mehr vor die Inseln fahren kann/soll, habe ich erstmal in Frage gestellt. Sind Wellenhöhe und Wellenlänge hier das Problem?
Mögen Sie bitte ein paar Worte zur Eignung eines Kat auf der Nordsee und im Wattenmeer verlieren?
Vielen Dank für Ihre Replik vorab.
Grüße aus dem Wattenmeer.
Dr. Alexander Peters
Sehr geehrter Herr Dr.Peters,
damit sich da kein Irrtum einschleicht: Ich habe einen Katamaran für die Ostsee allein aus dem Grund für möglicherweise ungeeignet erklärt, weil das Liegeplatzproblem sehr schwer zu lösen ist: Nehmen Sie Ihre Schiffsgröße: Ein 50-Fuß-Katamaran hat eine Breite von mindestens sieben, wenn nicht gar acht Metern! Wenn Sie damit in einen durchschnittlichen Ostseehafen, in dem vor allem Yachten um die und unter 10 Metern Länge liegen, einlaufen, machen Sie sich von vorneherein nicht besonders beliebt.
Das hat aber mit den Segeleigenschaften oder dem Verhalten einer Yacht im Seegang nichts zu tun. Im Wattenmeer hätte ich nur bei einer Yacht mit großem Tiefgang Bedenken. Weil ihr Aktionsraum dann doch eingeschränkt ist.
Aber bei einem normal seetüchtigen Mehrrumpfboot neueren Datums aus einer Qualitätswerft würde ich nicht zögern, etwa auf der Ostsee, der Nordsee und auch auf dem Wattenmeer zu segeln. Bei letzterem sind sogar zwei Eigenschaften eines Katamarans von Vorteil: Der geringe Tiefgang und - in den meisten Fällen - die Fähigkeit problemlos trocken fallen zu können.
Die Befürchtung, dass bezüglich des Seeverhaltens hier Einschränkungen zu machen sind, ist grundlos. Der Katamaran wird ähnlich sicher sein wie ein Einrumpfboot, bis auf die Tatsache, dass er natürlich unter ganz extremen Bedinungen kentern kann. Aber solange diese Gefahr nicht besteht, ist er ebenso tüchtig auf den genannten Gewässern wie ein Einrumpfboot.
Es werden gerne den verschiedenen Gewässern bestimmte Eigenschaften des Seegangs und der Wellenform etc nachgesagt. Bei einer vor vielen Jahren sehr populären 10-Meter-Yacht, der Arpege aus Frankreich, ist oben in Norddeutschland das Gerücht umgegangen, dass sie mit der kurzen Ostseewelle nicht zurecht kommt. So eine Aussage überzeugt mich nicht, denn jedes Meer kann je nach Bedingungen verschiedene Wellenformen erzeugen. Es kommt halt darauf an, wieviel Fetsch dem variabel starken Wind zur Verfügung steht. Dass im Wattenmeer keine solchen Wellen wie im offenen Ozean, wo der Seegang sich über viele hundert Meilen ungestört durch Landmassen aufbauen kann, entstehen können ist schon klar, andererseits können unter bestimmten Bedinungen, zum Beispiel in Landnähe auch in den berüchtigten Gewässern um Feuerland herum, sich Seen wie in der Ostsee, wie in der Nordsee sowieso oder auch wie im Wattenmeer bilden.
Manchmal drängt sich mir der Verdacht auf, dass mit der Zuschreibung eines bestimmten Seegangs einem Meer eine höhere Gefährlichkeit verliehen werden soll. Wie sagte mir ein Spaziergänger auf der Pier, der uns nach absolvierter Weltumsegelung die Leinen annahm: “Wissen Sie, ich segle auf der Möhnetalsperre, wer dort segeln kann, kann überall segeln.”
Grüße aus Bayern! Bobby Schenk
