Frage von Ralf Preis:
Hallo Bobby, vielen Dank für Deine Antwort auf meine Neuseeland- und die 100TDM-Yacht-Frage. Bei Deinen Ausführungen zur “Sparyacht” hast Du das Petroleum etwas in Frage gestellt. In Deinem Buch “Blauwassersegeln”, welches erst vor ein paar Monaten erschienen ist, bewertest Du u.a. Petroleum als idealen Brennstoff für Kochen, Licht und auch zum Kühlen. Du sagt Petroleum sei billig und überall auf der Welt zu bekommen. Ich habe mir deshalb überlegt zumindest Kochen und Kühlen mit Petroleum durchzuführen, mangels elektrischer Energie auf einer “Sparyacht”. Nach Deinen Worten gehört ja sogar bei den Polynesiern der Kühlschrank neben dem Herd zur zweitwichtigsten Anschaffung. Was hat Dich also dazu bewegt, so kurz nach der Petroleumsempfehlung in Deinem Buch, diese Energiequelle als problematisch wegen Beschaffung und Kosten anzusehen?
Du bezeichnest Neuseeland als idealen Ausgangspunkt zum Segeln in das Schönste aller Reviere, die Südsee. Ebenfalls in Deinem Buch “Blauwassersegeln” nennst Du ein Beispiel wo eine Yachtüberführung von Fidschi nach USA nach dem 6ten Versuch scheiterte und dann der weitere Weg um Afrika genommen wurde. Ist es denn dann sinnvoll von Neuseeland Richtung Südsee, also gegen die vorherrschende Windrichtung zu segeln? Liebe Grüße und Danke Ralf
Frage von[Ralf Preis](mailto:Ralf Preis)
Hallo Ralf,
Du hast recht. Noch in der kürzlich erschienenen fünften Auflage des Buches Blauwassersegeln habe ich eine Lanze für Petroleum, sei es beim Kochen, sei es zur Beleuchtung, gebrochen.
Genau nach der Drucklegung aber bin ich mit nicht sehr ermutigenden Nachrichten konfrontiert worden. Die großen Mineralölgesellschaften (Shell u.a.) stellen die Produktion von solchem Petroleum, das von der Reinheit her sich auch zum Kochen eignet, allmählich ein, sodaß mit einer weltweiten Versorgung schon in Kürze nicht mehr zu rechnen ist. Oder, was für uns auf das Gleiche hinausläuft, es wird unvertretbar teuer. Bereits jetzt muß man für den Liter reinen Lampenpetroleums 8.- DM bezahlen. Tendenz steigend!
Theoretisch gibt es zu Petroleum beim Kochen eine Alternative: Diesel. Doch ist der Heizwert nicht gerade toll. So bleibt in der Praxis halt nur noch der Ausweg zu Gas. Man kann sich damit trösten: Die Sicherheit von Gas im Bordgebrauch ist in den letzten Jahren erheblich verbessert worden - fachmännischer Einbau mit Vorsichtsmaßnamen (Magnetventile, Gasdetektoren etc) vorausgesetzt. Die Zahl der tödlichen Unfälle oder Totalverluste ist in den letzten Jahren zurückgegangen.
Zu Deiner Frage zweiter Teil: Die angeführten Beispiele haben sich auf Reisen bezogen, bei denen nicht empfohlenen Kursen gefolgt wurde. Gegen den Passat zu segeln, ist noch niemanden gut bekommen. Sonst haut das schon hin mit einem Törn von von Neuseeland in die Südsee. Früher gab es ein populäres Race von Neuseeland nach Suva (Fijii), das von vielen hundet Yachten gesegelt wurde. Geht also.
Wegen der CE-Zertifizierung erkundigst Du Dich am besten bei einer Werft oder beim Germanischen Lloyd. Die haben den Gesetztestext. Du wirst staunen, wie hoffnungslos es (seit ein paar Monaten) ist, eine Yacht ohne Ce-Zeichen nach der EG zu bringen. Das ist ja auch der Sinn der Sache. Der Europäische Markt soll geschützt werden. Was keine Rolle spielt, wenn Du mit der in NZ gekauften Yacht nie(!) in die EG kommen willst. Wenn Du die Auflagen siehst, die den EG-Werften aufs Auge gedrückt worden sind, dann könnte es sein, daß die Kosten für eine (theoretisch mögliche) Nach-Zertifizierung den Wert einer Yacht übersteigen.
Smooth Sailing!
Bobby Schenk
