Ausrüstung für 1000-Meilen-Törn?
Lieber Bobby, Ausnahmsweise von mir mal eine Anfrage direkt an www.bobbyschenk.de gerichtet: Ich hab ja nun einen 1000 Meilen Törn vor der Nase und mache gerade meine Bestellungen fertig. Nun sinniere ich, was man(n) wirklich auf dem nächsten Schlag UNBEDINGT mitnehmen sollte. Der Törn geht von der Strasse von Bonifacio auf Sardinien mit dem Ziel Griechenland, Insel Kos. Wir möchten das in drei Wochen durchziehen, der Start soll so gewählt werden, dass wir zum Abklingen des Meltemi Anfang September in Griechenland sind. Mit fallen jetzt Dinge wie Headlamp oder Mörser zur Zubereitung leckerer Saucen ein. Die Headlamp würde vermutlich bei Dir noch durch gehen, doch der Mörser würde nur ein Kopfschütteln mit einem Lächeln auslösen. Meine Yacht ist eine schöne 48-Fuß-Wauquiez. Mein Sohn und ich werden alleine an Bord sein. Auf keinen Fall nehmen wir Frauen mit, das soll ja Unglück bringen. Wir beide können Kochen, deshalb die Erwähnung “Mörser”. Doch nun bin ich ganz Ohr und freue mich über jeden Input, den ich auf meiner Bestelliste bestimmt vergessen hatte! Handbreit -Pit
Was soll man für lange Schläge unbedingt mitnehmen und befolgen Lieber Pit,

ich kenne Dich ja als erfahrenen Fahrtensegler, der mit seinem Schiff gut umgehen kann. Deine Frage ist jedoch keineswegs unberechtigt, denn es ist schon ein großer Unterschied, ob man einen längeren Vergnügungstörn oder – wie in Deinem Fall – eine Art Überführungstörn plant.
Ich kann aus eigener Erfahrung einiges zu Deinem Törn beitragen, da ich a) das Mittelmeer ganz gut kenne und b) selbst schon einen ähnlichen Törn gesegelt bin – nämlich nonstop von Tunesien nach Marmaris sowie von Fethiye nach Nordafrika.
Selbstverständlich kann ich Dir nur schildern, wie ich einen solchen Überführungstörn angehen würde. Das Hauptproblem ist sicherlich die Länge: Rund 1050 Seemeilen, plus/minus, liegen vor Dir. Deine schöne, fast 15 Meter lange Yacht ist sicher ein gutes Segelschiff – doch das hilft Dir wenig, wenn es keinen Wind gibt. Und genau das kann im August durchaus ein Problem sein.
Früher, als es noch als unsportlich galt, die „Hilfsmaschine“ (wie man damals sagte) anzuschmeißen, dümpelten Karla und ich einmal sage und schreibe drei Tage lang im westlichen Mittelmeer dahin – ohne Fahrt.
So eine Torheit wirst Du Dir nicht leisten – Du musst ja vorankommen. Also wirst Du Deine 100-PS-Maschine anwerfen und die Meilen eben unter Motor zurücklegen.
Natürlich kannst Du auch Glück haben und zeitweise guten Segelwind erwischen – aber das ist im sommerlichen Mittelmeer eher die Ausnahme als die Regel. Auch kann es gelegentlich stürmisch werden, doch das kommt ebenfalls selten vor.
Um Deinen Törn halbwegs pünktlich zu schaffen, rate ich Dir, die gesamte Strecke in einem Rutsch durchzuziehen. Denn wie Praktiker wissen, verführt ein Törn mit Zwischenstopps schnell zum Verweilen in einem der vielen malerischen Mittelmeerhäfen – was unweigerlich den geplanten Törn stört oder gar verlängert.
Es ist ja nicht so, dass man nach einem Landfall einfach „locker“ weitermacht. Die anstrengendsten Tage auf See sind immer die ersten – der Körper muss sich erst wieder an den Seegang gewöhnen, und bis sich eine funktionierende Bordroutine einstellt, dauert es. Wer den Törn unterbricht, muss diese manchmal unangenehme Anpassungsphase erneut durchlaufen. Das ist anstrengend und verdirbt schnell die Lust aufs Segeln .
Daher meine Empfehlungen:
Ziehe den Törn in einem Stück durch. Alles andere verlängert nur die Gesamtbelastung.
Nutze die Maschine konsequent, wenn es sich lohnt. Viele erfahrene Blauwassersegler haben sich eine einfache Regel gesetzt: Immer dann den Motor starten, wenn der Speed unter Segel unter drei Knoten fällt. Du wirst sehen – genau das wird die vorherrschende Situation auf Deinem Törn sein.
Überprüfe Tank, Schläuche und Filter gründlich vor Abfahrt. Es hängt davon ab, wie gut frühere Eigner die Tanks gepflegt haben. Ein „Black Death“ (Dieselpest) ist zwar selten, aber ich selbst habe das auch mal unterschätzt. Die Maschine hat zwar schon 2500 Stunden auf dem Buckel, sollte aber – sofern gewartet – in Ordnung sein. Den Lebenslauf des Motors, soweit vorhanden, sorgfältig prüfen!
In jedem Fall schadet es nicht, wenn Ihr ein paar Kanister Diesel auf Eurem großen Schiff transportiert. Zum Mitnehmen von Proviant für das leibliche Wohl brauch ich Dir - so viel ich weiß, einem leidenschaftlichen Koch und Liebhaber edler Tropfen - nur einen einzigen Ratschlag geben: Laß Deinen Thermomix zuhause.
Der wichtigste Punkt ist bereits erfüllt: Du hast einen guten Mitsegler dabei. Einhand durchs Mittelmeer zu segeln, wäre absolut unverantwortlich. Dass ihr Zwei eine vollwertige Crew bildet, erfordert allerdings eine eiserne Disziplin. “Vater und Sohn” könnte von Haus aus problematisch sein. Ich gehe davon aus, dass Du der Skipper bist – also auch alleinverantwortlich. Deshalb musst Du den Törn auch führen. Vergiss Sprüche wie: „Wir einigen uns schon wegen der Nachtwachen.“ Erstelle stattdessen eine schriftliche Wacheinteilung und pinne sie in der Pantry oder beim Navitisch an!
Stelle sicher, dass die Toiletten einwandfrei funktionieren. Es sollte verboten sein, bei Nacht oder bei Einhandwache an der Reling zu pinkeln.
Halte Dich unbedingt fern von Flüchtlingsbooten (vor allem in der Ägäis/nahe Griechenland) und informiere in einem solchen Fall umgehend die Küstenwache. Denn gegen ein vollbesetztes Schiff hast Du keine Chance, gefahrlos die Flüchlinge zu unterstüzten. Mit einem Hilferuf an ein Rettungsboot hast Du auch rechtlich Deine Pflicht erfüllt.
Mast-und Schotbruch und Smooth Sailing
Bobby

