Frage von Felix Hero
Lieber Herr Schenk,
mit großem Interesse lese ich immer mal wieder in Ihrem Forum. Toll das es das gibt, vielen Dank. Fast alle meine Fragen fanden bisher nach mehr oder weniger langem Suchen ihre Antwort. Eine ist nach wie vor offen. Im Moment befindet sich meine Weltumseglungs-Planung noch in der finanziellen Machbarkeitsstudie. Eine wichtige Frage hierbei ist, wie groß soll das Schiff denn sein? Immer wieder kommt da der Gedanke an die Liegeplatz-Gebühren und die Frage, ob man mit einem großen Schiff, denn auch immer ein Platz findet….
Jetzt lese ich aber bei Ihnen, dass er Weltumsegler eigentlich gar nicht in einen Hafen einfährt, sondern meist vor Anker geht. Das hört sich ja super an, insofern ich dem Hafenflair auch gar nicht so viel abgewinnen kann. Nun meine Frage: Kann man das Schiff denn dann auch guten Gewissens alleine zurücklassen? Ich will ja was sehen von der Welt und natürlich an Land gehen, vielleicht sogar so weit, dass ich auch über Nacht gar nicht zurückkommen möchte an Bord.
Jetzt lese ich aber an anderer Stelle, dass z.B. eine Versicherung es als fahrlässsig einstuft, wenn ich keine Ankerwache halte und sich möglicherweise aus der Zahlpflicht befreit. Aber auch wenn ich an Bord bleibe, möchte ich ja nicht jede Nacht Ankerwache halten müssen.
Kurzum: Muss ich, wenn ich das Schiff alleine lassen möchte (und das will ich auf jeden Fall), dann nicht doch ständig einen Hafen anlaufen?Vielen Dank für Ihre Erfahrungen
Beste Grüße
Felix
Hallo Herr Hero,
wie groß eine Blauwasseryacht sein soll, ist eine beliebte Frage. Meine Antwort nach einigen Jahrzehten Erfahrung auf den verschiedensten Yachten und nach Beobachtung tausender Blauwassersegler lautet: So groß, wie Sie es sich gerade noch leisten konnen, jedoch keinesfalls größer als 14 oder 15 Meter.
Früher habens die Engländer auf die Formel gebracht: “So lang in Fuß wie Sie an Jahren alt sind”
Da ist ein Körnchen Wahrheit enthalten, denn je länger eine Yacht ist, umso bequemer ist sie zu segeln. Aber man muß relativieren. Noch vor ein paar Jahrzehnten ist eine Yacht nahezu ohne Elektronik und Technik ausgekommen - Watermaker waren genauso unbekannt wie Bugstrahlruder und ähnliches. So war ein Yacht leicht zu unterhalten und die Wartung beschränkte sich auf ganz gelegentliche Ölwechsel und neue Unterwasseranstriche. Heut ist es ganz anders. Yachten sind - trotz bester Vorsätze der Eigner zur Bescheidenheit - aufwendig mit Technik ausgestattet. Und die bedarf einer regelmäßigen, vor allem aber fachmännischen Wartung. Und dies an Orten, wo es schlicht und einfach weder Werften oder Fachpersonal gibt. Die Folge: Sie werden selbst zum Schraubenschlüssel greifen müssen. Und damit sind sie auf einer 50-Fuß-Yacht voll ausgelastet, sodass garantiert das Segelvergnügen zu kurz kommt. Die Konsequenz: Mannschaft oder sich selber dreckige Finger holen. Mit einer Mannschaft an Bord aber geben Sie das auf, was Sie eigetnlich beim Blauwassersegeln gesucht haben.
Deshalb meine Größenbegrenzung nach oben auf 14 oder höchsten 15 Meter über alles.

Zum Ankern: Obwohl die Anzahl der Marinas und Yachthäfen an den “Blauwasserstrassen” geradezu sprunghaft zunehmen, gibt es noch tausende von absolut geschützten Ankerplätzen, wo sie Ihre Yacht alleine und unbewacht zurücklassen können. Das ist nicht so, wie in Europa, speziell am Mittelmeer, wo man gelegentlich sogar abkassiert wird für das Vergnügen, eine Bucht mit hunderten eng schwojenden Yachten teilen zu müssen. In zahlreichen Buchten, vor allem in der Südsee teilen sie den Ankerplatz mit ganz wenigen, manchmal sogar gar keinen Yachten. Auch die Wetterverhältnisse sind dort gelegentlich so, dass sie keine Angst haben müssen, Ihre Yacht für ein paar Tage alleine zurückzulassen. Im übrigen ist die Kameradschaft unter den Langfahrtseglern meist so, dass Sie immer jemanden finden werden, der auf den sicheren Ankerplätzen zusätzlich ein Auge auf ihre Yacht wirft. Wir waren nahezu noch nie auf einem Platz, wo wir die Yacht bei einem Landausflug nicht für ein paar Tage zurückgelassen hätten. Sicher, es gibt auch andere Plätze, meist in Westindien oder eben in Europa. In Mindelo (Kapverden) beispielsweise würde ich meine Yacht nicht eine Sekunde aus den Augen lassen - nicht wegen des Wetters.
Ihre Bedenken bezüglich des Einwandes der “groben Fahrlässigkeit” sind, jedenfalls im Moment unbegründet. Ganz abgesehen davon, dass es schwer sein wird, für solche Reisen überhaupt eine Versicherung zu bekommen, ist es von Vorneherein nicht grob Fahrlässigkeit, eine Yacht unbemannt auf einem Ankerplatz für ein paar Tage zurück zu lassen. Man kann dies mit dem Parken eines Autos vergleichen, wo Sie ja auch nicht verpflichtet sind, ständig ein Auge drauf zu haben. Es kommt auf die umstände drauf an. Was anderes wäre es, wenn die Versicherungspolice eine entsprechende Klausel enthalten würde.

Beste Grüße
Bobby Schenk
