Frage von Holger Schweizer:
Dear OM Bobby Schenk,
zuallererst mal drei Komplimente für
die hervorragende, professionell webpage
die Schwerpunktinfos zum Thema Amateurfunk und Segeln
last, but not least, die Empfehlung fuer Mare
Die Kolumne “Fragen und Antworten” verleitet natuerlich dazu Fragen zu
stellen ….
Doch zuvor zunaechst mal unsere Rahmenbedingungen:
30 Jahre Segeln, 95% Jolle, 5% Dickschiff
von der Statur her eher Einstein als Schwarzenegger
unser Alu-Eigenbau (Reinke 13M) ist zu 75% fertig
Kuttertakelung
Reviere werden die Westküste Kanadas und Suedamerikas sein
Fluss- und Fjordfahrten werden einen hohen Anteil haben
Konstruktive Auslegung und Ausbau unseres Schiffes:
- sicheres Transportmittel von A nach B - solide "Arbeitsplattform" fuer NaturbeobachtungenWenn wir den Anker lichten sind wir zusammen 120 Jahre alt
Und jetzt die Fragen:
- Rigg
Wegen der vorgesehenen Verwendung moechten wir eine Selbstwendefock
fahren. Die Qual der Wahl besteht zwischen:
baumloser Selbstwendefock
Baumfock
balancierter Baumfock (z.BV. “Trekker” )
Die konventionellen Argumente gegen eine Baumfock (schlechter Stand,
Knochenbrecher) kennen wir. Gibt es jemanden, der es wirklich selbst
schon probiert und verglichen hat….auf was muss man achten (wir
werden natuerlich vor endgueltiger Entscheidung probechartern..)
Die noetigen Beschlaege sind alle eingeschweisst, dehalb koennen wir
relativ spaet entscheiden.
….
Das waere unser Beitrag zum Fragenforum, vielleicht ist`s fuer den
einen oder anderen Segler ebenso interessant.
Besten Dank, Beste Gruesse und viel Erfolg mit dem neuen Cat !
DG8SFU Holger Schweizer & XYL
Dear Om Holger Schweizer,
die Antwort auf diese Frage fällt mir leicht:
Bevor wir vor vielen Jahren auf Weltumsegelung “gingen”, hatten wir auf unserer 10-Meter slupgetakelten Yacht eine Baumfock, nebst dazugehörendem Baum. Hab ich mich zuvor auf dem Chiemsee noch gelegentlich gefreut, dass niemand bei einer Wende die Schoten bedienen musste, stellte sich nach der ersten Begeisterung für das neue Schiff die Frage, für was die Baumfock eigentlich gut ist.
Denn meistens fuhren wir ja gar nicht die Fock, sondern die Genua - selbstverständlich, wegen der größeren Segelfläche, ohne Baum. Na ja, dachte ich, auf dem Meer wird ne Menge Wind sein, da wirst Du die Genua eben nicht mehr so viel fahren.
Das war natürlich falsch. Denn, wie jeder Praktiker weiß, beginnt man bei wenig Wind mit den größten Lappen, also Groß und Genua oder sonst ein Schönwettersegel, und dann wird mit zunehmenden Wind allmählich die Segelfläche verkleinert. Nachdem hierbei der Segeldruckpunkt nach vorne wandert, wäre es auf den meisten Segelschiffen falsch, zuerst Segelfläche vorne wegzunehmen, sondern man refft zuerst das Groß, und nimmt erst viel später allmählich von der Vorsegelfläche weg oder verkleinert die. Das heißt, der Einsatzbereich für eine kleine Fock, und das ist bei einer Baumfock immer der Fall, ist vergleichsweise gering.
Sicher, bei einer Wende braucht man keine Schoten bedienen, dafür ist aber beim Segelbergen- und Setzen der Baum zu bändigen. Das waren auch unsere Erfahrungen auf der Weltumsegelung. Der Baum kam deshalb fast nie zum Einsatz. Selbst, wenn die Fock gesetzt wurde, war es letztlich bequemer, den Baum da zu lassen, wo er war, nämlich an der Reling.
Auf halbem Weg um die Welt, in Fiji, machte der Baum sich dann doch noch nützlich, als Wolfgang Hausner, ein geschickter Handwerker, aus dem Holz des Baumes feine Riemen fürs Beiboot zimmerte.
Auch auf anderen Yachten habe ich noch nie eine Baumfock, gleich welcher Art, vermisst. Auf meiner 15-Meter-Stahlyacht THALASSA II, kuttergetakelt, habe ich ebenfalls so einen Prügel auf dem Vorschiff nicht gebraucht. Im Gegenteil, die handliche, baumlose, Fock wurde gerade in den brüllenden Vierzigern zum Allroundsegel deshalb, weil Carla oder ich mit einer Hand, ohne Winsch, sie raufholen konnte. Ebenso schnell lag sie wieder an Deck, wenn sie nicht mehr gebraucht wurde.
Mein Resümee: Eine Baumfock ist nicht nur den Stauraum nicht wert, sondern geht im Weg um, macht den Arbeitsplatz “Vorschiff” gefährlicher. Auf den schlechteren Segelstand kommt es deshalb bei dieser Frage gar nicht mehr an.
Mast- und Schotbruch
und 73
Bobby Schenk. DK8CL
