Das Steuersegel
Auf einem kürzlichen Segeltörn über die Sulu See nach Borneo hatte ich Gelegenheit mein
neues Steuersegel auszuprobieren. Es war eine Weiterentwicklung einer Idee, die ich schon auf meinem ersten Kat Taboo in den späten 60ziger Jahren verwendet hatte. Später übernahm ich das System auf Taboo III. Es war im Prinzip eine winzige Fock, angeschlagen an dem windseitigen Achterstag, ausgebaumt durch ein integriertes Bambusrohr und gegen den Wind angestellt. Von dem Bambusstab wird die Kraft über kleine Blöcke auf die Verbindungsstange zwischen den beiden Pinnen übertragen.
Für das neue System verwendete ich jetzt allerdings ein Windsurfsegel, das auf Grund der größeren Fläche und durchgehenden Latten mehr Kraft entwickelt. Allerdings musste es modifiziert werden um das leicht runde Vorliek gerade zu machen.
Wie arbeitet das System?
Auf einem raumen Kurs würde sich der Kat ohne Eingreifen immer höher in den Wind schrauben. Verkürzt man jetzt die Leine vom Steuersegel zu den Pinnen, man leitet also den Druck des Segels auf die Ruder um, gleichen sich bald die Kräfte aus und das Schiff hält den Kurs. Mit minimalen Veränderung der Leine lässt sich dann
jeder Kurs steuern von hart am Wind bis 30° von achtern.
Platt vor dem Wind kann das natürlich nicht klappen, aber da kommt der elektrische Autopilot zum Einsatz. Auf Taboo III genügt eine leichte Brise von fünf Knoten um den Kat problemlos am Kurs innerhalb von 5° zu halten. Um nicht jetzt jedes Mal für eine Kursänderung zur Belegklampe auf der Verbindungsstange ins achterliche Cockpit steigen zu müssen, habe ich einen der Blöcke nicht fix montiert, sondern mit einer Leine auf eine Winsch umgeleitet. So lässt sich eine Adjustierung, bei der es manchmal nur um einen Zentimeter geht, bequem durchführen. Besonders gut arbeitet das System bei stärkerem Wind und Welle schräg von achtern, was den Autopiloten zum Ächzen und Stöhnen bringen würde. Ein weiterer Vorteil, es verbraucht keinen Strom.
Nachwort für Segler und Segelerinnen, die den bemerkenswerten Menschen und Blauwassersegler näher kennenlernen wollen: Wolfgang Hausner, von dem wir noch alle etwas lernen können, nimmt auf seinen Törns zahlende Gäste mit - siehe www.Wolfgang-Hausner.com).

