Aber es ist passiert. Mein Computer ist gecrasht. Das ist zwar nicht unbedingt ein Seemannschaftsthema, doch beim allgegenwärtigen Einzug von Notebooks auf Yachten, wird man, muss man, sich auch mit solchen Themen beschäftigen. Als Leidgeprüfter glaube ich, ein paar Ideen beisteuern zu können, wie man sich an Bord dann weiterhelfen kann. Denn immerhin hängen auf einer modernen Fahrtenyacht Seekarte, Wetterbericht, und neben sonstigem auch die Kommunikation mit der Außenwelt dran. Mindestens! Es gibt Leidgenossen, die es schlimmer getroffen hat, denen auch Datensicherung nicht alles wiedergebracht hat. So hat mir Peter Höbel, von dem auf diesen Seiten der bemerkenswerte Beitrag über die Kommunkationssystem auf Yachten stammt, zum Ende seiner Weltumsegelung nach dem Wiedererstarken meiner Online-Verbindung mitfühlsam gemailt:
…tut mir leid, daß Du Deine Daten verloren hast. Dieses Gefühl tiefer Hilflosigkeit kenne ich.Das ist mir vor wenigen Wochen ebenfalls so ergangen. Am letzten Segeltag,
- kaum zu glauben aber wahr – 50 Meter(!) vor dem Ziel sind mein Notebook und mein KW-Transeiver den Salzwassertod gestorben. Eine Grundsee und schwere Brecher von der Seite bei der Einfahrt in die Marina Ashkelon (Israel) haben reichlich Wasser durch alle Ritzen gepresst.Auch wenn ich das Schiff letztlich heil in die Marina bekommen habe hat mir die See doch noch eine Lektion erteilt: Der Törn ist nicht VOR sondern IM Hafen beendet…Programme habe ich inzwischen alle wieder, aber meine persönlichen Daten von der Reise, darunter viele noch ungesicherte digitale Fotos, der GPS-Plot auf NavTrek, die ganze e-mail-Korrespondenz und einige Texte sind unrettbar verloren.
Als mein Computer vor drei Wochen auf Tauchstation gegangen ist, war ich noch gar nicht so verzweifelt, denn brav hatte ich gelegentlich auf einen Streamer Backups gespielt, die jeweiligen Arbeiten auf CDs gebrannt, manchmal sogar ganze Laufwerke mit dem Brenner “gesichert”. Aber schon in der ersten Stunde nach dem Super-Gau machte sich absolute Verzweiflung breit. Mit Recht, denn ohne Übertreibung kann ich sagen, dass diese Havarie 14 Tage meines Lebens und viele Nerven gekostet hat.
Noch zuversichtlich hatte ich die Festplatten neu formatiert(!!!), aber dann kam der erste Schlag, von dem sich mein PC kaum mehr erholt hat: Die Windows95-Scheibe verlangte nach der Registriernummer, akzeptierte aber die Einzige, mit der ich je gearbeitet hatte, nicht. Dann irgendwann nach vielen Stunden mochte die CD meine Registrienummer. Ich möchte die sehr lange Story von Wutanfällen, tiefster Verzweiflung und Versagergefühlen sehr kurz halten, deshalb nur die “Highlights”:
Irgendwann hatte ich mal mit dem Programm Novavoot ein Backup-Band angelegt, das mich schließlich - einstweilen - rettete. Denn damit brachte ich den PC wieder zum Funktionieren. Leider war der Rechner damit erst auf dem Stand vom Dezember 77. Der weitere Einsatz von Bändern mit Novaback (nicht Novaboot) scheiterte meist mit irgendeiner Fehlermeldung nach einer Bandlaufzeit von 6 bis 8 Stunden.
Eine böse Erfahrung war, dass die Sicherung auf CDs (und ich bin tief überzeugt, dass die meisten unter uns gut schlafen, weil sie ja ebenfalls auf CDs zur Sicherung regelmässig “sichern”) gar nichts bringt. Denn ein einfaches Rücküberspielen von CD auf Platte hat die Programme noch lange nicht installiert(!). Heimtückischerweise laufen sie zwar meist zunächst, doch irgendwann kommen dann, wie Einschläge, die Fehlermeldungen “finde die XY-Datei nicht!” und so fort.
Gut, ich benutze keine Raubkopien, irgendwo hatte ich ja die Orginal-CDs. Aber damit gingen dann die Fehlschläge erst recht weiter: Man glaubt ja allmählich in einer solchen Situation, dass Computer doch denken können und der Teufel sich immer gemeinere Dinge ausdenkt: So meldete sich nach dem Installieren aller “großen” (Microsoft-)Programme mein für alle Programmierarbeiten so gutes und wichtiges Visual Basic am Ende (natürlich!) der Installation (natürlich, wie gemein!) mit “Registry-Fehler 164 - Registrierung abgebrochen”.
Also gings an die Registry mit Clean Sweep, Nuts and Bolts und so weiter, kurzum mit Reparaturprogrammen, die Höchstnoten bei Tests erzielt hatten, aber mit einer so versauten REGISTRY nichts anfangen konnten. Noch schlimmer: Nuts and Bolts hatte ich irgendwann aus dem Internet runtergeladen, aber die Ursprungs-Exe-Datei irgendwo auf meinen hundert CDs versteckt. Die aber hätte ich zur Neuinstallation (mit Passwort) gebraucht.
Auch Regclean (Freeware von Microsoft), mein sonstiges Hausmittelchen, konnte die REGISTRY nicht sauberputzen. Also nochmals Alles von vorne, inklusive Registriernummer-Problemchen von W95-Installationsdatei. Acht Tage im Leben eine Menschen sind ja nichts besonderes…
Die wichtigste Nabelschnur zum Hilferuf für viele Probleme und zur Programmerneuerung wäre Software von T-Online (meinem Provider) gewesen. Ich schmeiß nie was weg, aber diese CD war irgendwann im (echten) Papierkorb gelandet. Mit jeder Computer-Zeitschrift kriegt man ja so eine Online-CD - dachte ich! Also nachts zur nächsten Tankstelle, PC-Zeitung mit CD (T-ONLINE - Aufdruck) gekauft: Hübsch gemacht, die Software von T-Online, demonstrierte mit Filmchen wie einfach die Installation der T-Online-Software war - und endete mit dem Hinweis, dass man die Zugangs-Software in jedem T-Laden oder bei T-Online direkt bekommt - per Schneckenpost. Leider war und ist sie vergriffen.
Das sind dann die Moment, wo das Langzeitgedächtnis sämtliche Flüche und Schimpfworte hochspült, die man jemals in einem ganzen Leben geistig notiert hat.
Kurzum, heute sieht das Ergebnis so aus: Der PC läuft wieder mit vielen, nicht allen, Programmen. Meine Arbeiten an Büchern und Artikel, auch an dieser Homepage konnten alle von den CDs wieder hergestellt werden.
Viele Programme, alle ehrlich erworben, funktionieren nicht mehr einwandfrei, weil die Ursprungsdatei aus dem Internet oder das Passwort nicht mehr auffindbar ist.
Der bitterste Verlust und da setz ich noch Hoffnungen auf Sie, lieber Besucher (in): Alle meine E-Mails sind weg! Hunderte von interessanten Fragen, die ich meist noch beantworten hätte können. Die Korrespondenz mit der Werft. Alle E-Mail-Adressen (von Wolfgang Hausner und so fort) Und das heimtückische daran: Ich sehe den Datenwust vor mir im Explorer. Die Folders “NeuesBoot” u.s.w. erkenne ich wieder. In den Dateien ist auch was drin. Aber mein Outlook EXPRESS weigert sich, davon Notiz zu nehmen. Auch nicht mit Importieren… und so.
Die Erfahrung daraus:
- Das wichtigste ist ein Boot-Programm, mit dem der gesamte(!) Inhalt des Computers auf CD gebrannt werden kann. Im Katastrophenfall lässt sich dann der Notebook mit einer Diskette booten und dann mit den CDs bespielen. NOVASTOR bietet so was an. Nur(!) ein solches Programm gewährleistet die Möglichkeit, einen Computer wieder auf den Stand zu bringen, an dem die Sicherung durchgeführt worden ist. Für den Yachtgebrauch eignen sich hier externe CD-Brenner, die es in der Metro schon für 669.- DM gibt. Nachdem eine CD nur etwas über 600 MB fasst, wird man bei Datenmengen um die 2 GB (wohl der “Normal”-Fall) vier CDs brennen müssen. das sind (in der Praxis) also vier mal eine Dreiviertelstunde. Wem einmal aus dem PC der Crash-Teufel grinsend entgegengesprungen ist, weiß, dass solche drei Stunden bestinvestierte Zeit sind.
- Zwischen den totalen Abspeicherungen nach Ziffer 1 müssen die regelmäßigen Arbeitsdateien auf Diskette oder CDs gespeichert werden.
- Das gilt nicht(!) für Outlook-Dateien. Für die weiß ich im Moment keine Sicherungsmöglichkeiten außer Ziffer 1. Wenn ein Besucher hierzu ein Rezept hat, gebe ich es gerne weiter.
- Downloads aus dem Internet sind wertlos, wenn man nach Installierung des Programms die Ursprungsdatei verschmissen hat. Die Dateinamen - “ns9die.exe” sind meist so wenig aussagekräftig, dass man sie auf einer alten CD nicht mehr als das Super-Datei-Reperatur-Programm wieder erkennt. Also Download in ein Unterverzeichnis “Nuts_and_Bolts” mit “Begleit-Text”, indem auch das Passwort drin steht.
- Selbstgebrannte CDs müssen ordentlich beschriftet sein. Meine tragen meist den Vermerk “Backup 1.5.99”. Wie unsinnig(!)
- Dateien, die bei nächster Gelegenheit gesichert werden müssen, gleich in einen “Brenn-Ordner” kopieren!
Never change a winning team!
Für einen Computer gilt dies ganz besonders: Das wusste ich schon vorher: Niemals dran rühren, solange alles so gut funktioniert (immerhin seit 15 Jahren). Aber es hat mich halt gestört, dass ich für T-Online immer durch die altbackene Software durchmusste, um ins Internet zu kommen. Der Mann von der T-Online- Technik (ich kann das “Was kann ich für Sie tun?"-Geschmuse schon nicht mehr hören) meinte, das ginge nicht, weil Bill Gates….
Mit “na, ja, das müsste doch zu ändern sein, da brauch ich doch bloß einen C-Fos-Treiber installieren” begann dann das Unglück.
End-Erkenntnis: Mit Methode 1, und nur mit der, würde ich einem solchen Unglück nun einigermaßen gelassen entgegensehen.
Bobby Schenk
