Frage von Kalypsosz:
Sehr geehrter Herr Schenk,
vielleicht ist es Ihnen möglich, mir meine Fragen im o.a. Bereich zu
beantworten oder sie an jemanden weiterzuleiten, der sich mit dieser Technik
auskennt.
Im Lehrbuch zum Sporthochseeschifferschein KUMM/LÜBBERS/SCHULTZ:
Sporthochseeschifferschein, Delius Klasing, Auflage 1994, S. 226/227 und
Aufgabe S. 230, ist eine verschlüsselte Analyse nach Analyseschlüssel FM46
und FM 45 zu entschlüsseln und in eine Bordwetterkarte zu übertragen. Welches
Ordnungsschema/Ordnungssysstem liegt der Verschlüsselten Analyse bei der
Aussendung zugrunde, zeilenweise, spaltenweise, Druckwerte und zugeordnete
Längen- und Breitengrade, Frontenangaben und -verlauf?
Wie sind die Daten in eine Bordwetterkarte zu übertragen, einzuordnen?
Weiter, welche Sender strahlen derartige Meldungen heute noch aus, für welche
Seegebiete und auf welchen Frequenzen/Kanälen?
Welche Bedeutung hat diese Technik heute noch für den normalen Chartertörn
mit den üblichen Standardausrüstungen auf derartigen Segelyachten in
funktechnischer Hinsicht, maximal Kurzwellenempfänger?
Für Antwort und mögliche Hilfestellungen schon einmal vorab herzlichen Dank!
Hallo,
FM 45 und FM 46 waren einmal sehr patente Wetterschlüssel. Der “Erfinder” der Idee, FM 46 auf Yachten zu verwenden, war der Österreicher Rudi Wagner, der mit einem BOB-Katamaran (Sperrholz!) in den frühen sechziger Jahren über den Atlantik “gewandert” ist und dabei Wettermeldungen per FM 46 empfangen hat. Er beschreibt seine Methode ausführlich in dem äußerst liebenswerten Buch “Weit, weit voraus liegt Antigua”, wonach man die Antiquariate durchforsten sollte.
Der Trick Wagners war es, die gemorsten Sendungen mit einem Tonbandgerät aufzunehmen, um sie dann mit halber, oder noch langsamerer Geschwindigkeit anzuspielen.
Wagner war ja kein Marinefunker, der 120 Zeichen pro Minute lesen konnte, sondern ein Bergsteiger aus Österreich. Aber ein cleverer. Nur mit diesem Kunstkniff war es ihm nämlich möglich, die Sendungen zu lesen, obwohl es sich bei den über Kurzwellen gesendeten Zeichen nur um Ziffern handelte.
Diese Zahlen wurden in Fünfergruppen übermittelt. Nach einem Schlüssel, der im Nautischen Funkdienst abgedruckt war, wurden so die verschiedenen Wettererscheinungen auf die Yacht gemorst. Um beispielsweise Isobaren rüberzubringen, wurden einfach einzelne Punkte auf der Erdoberfläche nach Länge und Breite gesendet. Für jeden Punkt war eine “Fünfergruppe” notwendig. Wenn man dann, sagen wir zehn, Positionen in einen Übersegler eingezeichnet hatte, wurden die Punkte verbunden und schon war, nicht die Wetterkarte, nein, eine einzige Isobare fertig.
Der Zeitaufwand war gewaltig: Mit mehreren Stunden mußte man schon rechnen, bis auf diese primitive Art eine Seekarte fertig war. Sie zu lesen, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, war dann wieder eine andere Sache. Dabei hätte eine einfache Message “4 bis Bft aus Norden” gereicht.
Heute werden diese Sendungen langsam rings um die Welt eingestellt, sie sind bedeutungslos geworden. Ein Notebook und ein Handy (in Küstennähe) sind ungleich(!!!) leistungsfähiger. Und wenn wir dann noch an die Satelliten zur Datenübetragung aus dem Internet rankommen, dann wäre der Bordmetereologe 100%ig zufreiden. Über Kurzwelle geht es auch, vor allem, wenn man eine Funkamateurs-Lizenz in der Tasche hat.
Ihr Bobby Schenk
