Frage von Eugen Heuer:

Hallo Bobby Schenk, gerade kommen wir von einem schönen Kroatien Törn zurück. Wir waren mit einer Bavaria 44 unterwegs. An einem der Abende hat es im Schiff unheimlich und endlos geknistert. Ich erinnerte mich an den BR-Schein Törn, der schon viele Jahre zurückliegt. Der Ausbilder erzählte uns damals, daß es sich hierbei um statische Entladungen handelt würde. Ein Crew-Mitglied des diesjährigen Törns meinte, daß dieses nicht sein könnte und führte dieses auf Spannungen im GFK zurück. Wir konnten uns nicht einigen. Was ist denn nun wirklich die Ursache?? Interresant ist auch, daß es nicht an allen Tagen und auch nicht gleichstark auftritt. Danke für Ihre Antwort. Eugen Heuer


Hallo Herr Heuer,

es gibt wohl keinen Fahrtensegler, der sich über dieses Phänomen nicht schon mal Gedanken gemacht hat. Hat die Werft gepfuscht? Bröselt das Glas zwischen den Fasern? Erst, wenn nach einem Jahr mit dem neuen Schiff noch nichts passiert ist, schiebt man den Verdacht auf kleine Tierchen, Mikroorganismen, Plankton, im Seewasser.

Tatsächlich ist die Ursache praktisch nie am Boot zu suchen. Es sind kleine lebende Organismen, die sich elektrisch entladen, möglicherweise erst, wenn sie mit einem anderen Gegenstand “zusammenprallen” und so ihre Ladung übertragen können. Es kann durchaus die GFK-Bordwand sein, die für den Spannungsabbau sorgt - und dabei knistert. Das mach sie auch schön sichtbar, gelegentlich jedenfalls. Zum Beispiel in der Schiffs-Toilette. Zunächst ist man verblüfft, wenn man es nachts da rausleuchten sieht. Schon häufiger kann man die Mikroorganismen zu Myriaden beobachten, wenn man in stockfinstrer Nacht auf Wache ist, das Schiff unter vollen Segeln dahinbraust und man achteraus blickt. Das Heckwasser sieht aus wie ein weißer Teppich, je nach Geschwindigkeit hundert Meter lang. Eine “Milchstraße” im Wasser.

Noch romantischer machen die Tierchen sich bemerkbar, wenn der Rudergänger auf Nachtwache bei wenig Wind zunächst einmal ein hohes Pfeifen vernimmt, nach kurzer Ratlosigkeit in seinem Erfahrungsschatz kramt und dann zu dem richtigen Schluss kommt: Um uns herum, irgendwo in der Dunkelheit sind Delphine. Und dann sieht er sie auch schon. Und zwar an ihren Leucht-Spuren. Man muss es erlebt haben, sonst glaubt man es nicht: Überall, wo die unsichtbaren Delphinkörper rumschießen, hinterlassen sie helle Lichtschweife. Es sieht aus, als ob eine unsichtbare Hand unter dem Schnauben der Delphine weiße Pinselstriche ins schwarze Meer zeichnet. Nach ein paar Sekunden verlöschen die Spuren und die Yacht dümpelt wieder allein durch die Nacht.

Es sind dies Phänomene, die nicht immer vorkommen, ja eher selten sind. Ich hab das Gefühl, dass früher, vor ein paar Jahrzehnten, solche Erscheinungen an der Tagesordnung waren, während man heute, und zwar gleichgültig auf welchem Ozean, sie nur noch selten beobachtet. Ich denke nicht, dass dies mit der Meeresverschmutzung zu tun hat, sondern eher mit den Wassertemperaturen und den Zugbahnen der Fischschwärme. Vielleicht sind letztere auch nur Wirkung, nicht Ursache für diese romantische Schauspiel!

Mit freundlichen Grüssen

Ihr Bobby Schenk