**Frage von Manfred H. zum Segeln mit Katamaranen als “gelernter” Monosegler?
Sehr geehrter Herr Schenk,
ich habe viel Erfahrung mit dem Mono 43 Fuß und ca. 6 Wochen Segelerfahrung auf Cats der Größen 37 43 Ft. Nun haben wir für Mai/Juni einen 44 Fuß Catamaran gechartert, ab Göcek. Meine Mitsegler haben Jollenerfahrung auf den bayrischen Seen. Um einen entspannten Törn zu gewährleisten stelle ich mir oft und Ihnen als erfahrenen Cat-Besitzer die Frage: Soll ich den Cat als Skipper fahren ohne ein Crewmitglied zu haben, dass sich ebenfalls halbwegs auf dem Meer und mit Cats auskennt ? Bei Schönwettersegeln geht das alles, aber was passiert bei Starkwind und Anlegemanöver in Häfen ? Ist es nicht besser einen zweiten Mann zu haben der sich ebenso auskennt, eventuell noch besser im Umgang mit Cats ist ?
Was würden Sie mir in einer solchen Situation empfehlen ? Ich tendiere immer stärker zu einem lokalen Skipper, den wir mitnehmen und von ihm lernen.
Mit freundlichen Grüßen
Manfred H.**
Besucher fragen, Bobby Schenk antwortet
Sehr geehrter Herr H.,
Eins vorweg: Es ist sicher richtig, wie Sie an das Unternehmen “Urlaubscharter mit Kat” herangehen, aber Sie machen sich zu viel Gedanken. Das Segeln mit einem Katamaran, und - das ist wichtig - ich spreche hier von einem Fahrtenkatamaran unterscheidet sich nicht wesentlich vom Segeln mit einem Fahrten-Mono. Und mit Letzterem haben Sie ja genügend Erfahrung. Das gilt auch für das Vehalten bei schwerem Wetter.
So, wie Sie Ihre Segelerfahrung einschätzen, würden Sie das Ganze vermutlich schon mal defensiv angehen, was im Hinblick auf die Sicherheit immer von Vorteil ist.
Ein paar Grundweisheiten, die sie sicher vom Lesen einschlägiger Lektüre her gewiß schon kennen, sollten Sie (und werden Sie) berücksichtigen: Katamarane sind raumschots schneller als Einrumpfschiffe und sie gehen, das ist konstruktionsbedingt nicht so geschmeidig durch den Wind wie eine gut getrimmte Einrumpfyacht. Aber dieses Problem ist in der Praxis keines, denn Sie werden halt, statt zu wenden, “rund achtern” gehen, also halsen. Sie gehören jetzt sicher nicht zu den Anfänger-Seglern, die den Kopf schütteln und jammern, dass Halsen doch sooo gefährlich ist. Abgesichert durch einen gut durchgesetzten und so lange wie möglich stehen gelassenen Bullenstander, bedeutet eine Halse, egal bei welchem Wetter, viel, viel weniger Stress. Es ist doch ganz einfach: Kurs raumschots - Bullenstander durchsetzen - rund achtern - Kurs raumschots - Bullenstander umsetzen - fertig!
Und bei wirklich schlechtem Wetter? Wie beim Mono: Segel verkürzen, vielleicht das Groß wegnehmen und notfalls vor dem Wind ablaufen!
Bei Hafenmanövern unter Maschine dagegen sollten Sie sich etwas umstellen und schlicht und einfach das Ruder außer acht lassen. Grundsätzlich werden zum Manövrieren beide Maschinen benutzt ohne am Rad herumzudrehen! Geht einfacher als mit dem Mono! Das Eindampfen in eine Leine (Vorspring, Achterspring) werden Sie häufiger anwenden als bei einem Mono, den man schon mal leichter per Hand vom Steg wegschieben kann.
Auch den Wind sollten Sie mehr in Ihre Überlegungen mit einbeziehen als bei einem Mono, denn Katamarane bieten bauartbedingt erheblich mehr Windfang. Das allein kann Hafenmanöver gegenüber Monos erschweren.
Als Karla und ich vom Einrumpfer umgestiegen sind, haben wir nicht mehr als obige Punkte berücksichtigt und sind damit 20 Tausend Meilen weit (Türkei - Malaysien) gecruist und haben nur beste Erfahrungen auf unserem 15-Meter-Fahrtenkat gemacht.
Trotzdem: Ihre Idee mit dem Skippermitnehmen ist nicht schlecht, denn immer kann man von anderen, gerade im lockeren Urlaub, wenn man nicht vom strengen Fahrplan getrieben ist, lernen. In Ihrem Fall muss der fremde Skipper allerdings Erfahrungen mit Katamaranen haben, sonst können Sie diesem gar nichts abschauen.
Schönen Urlaub!
Bobby Schenk

