Frage von Armin Vicoler
Guten Tag Herr Schenk
Ich habe beim wiederholten Durchstöbern Ihrer interessanten Homepage gesehen, dass Sie den ersten Parasailor mit ca. 200 m2 gefahren sind, und den Parasailor 2 ebenfalls mit Ihrer Privilège nur noch mit 150 m2. Mir wurde der Parasailor für unsere 50er (14t, 138 m2 am Wind) ) mit 188 m2 offeriert, was mich, abgesehen vom “umwerfenden Preis”, sehr abschreckt. Wir werden wie die meisten Fahrtensegler nur zu zweit unterwegs sein, und ich suche ein Segel, das zwar bei wenig Wind schon steht und uns dann mit wenigen Knoten vorantreibt, auf raumen Kursen aber vor allem einen grossen Windbereich abdeckt (Passatregionen, Böen). Auch wenn ein Parasailor Wind bis 25 Knoten und Böen darüber vertragen kann, möchte ich nicht in die Situation geraten, ein Monstersegel von 188 m2 dann - und ev. noch nachts - bergen zu müssen, weil es ev. Weiter auffrischt. Ich hatte meine Anforderungen angegeben, glaube aber eher, dass in meinem Fall die grösstmögliche Segelfläche - und damit vermutlich auch der grösstmögliche Preis ;-) - berechnet wurde.
Langer Rede kurzer Sinn: Warum haben Sie Sich beim zweiten Parasailor für ein kleineres Segel entschieden und waren Sie mit der Grösse zufrieden? Würde ein kleinerer Parasailor bei 2-3 Windstärken nichts mehr bringen (ein Roll-Geenaker wurde für unser Boot z.B. mit 149m2 berechnet, Spi 170m2)?
Ihre Meinung und Ihre Erfahrung zu diesem Thema würde mich sehr interessieren.
Beste Grüsse
Armin Vicoler
Guten Tag Herr Vicoler,

leider haben Sie mir drei wichtige Fakten nicht mitgeteilt, die bei der Beantwortung Ihrer Frage eine Rolle spielen könnte. Einerseits wäre wichtig zu wissen, ob es sich bei Ihrem 15-Meter-Schiff um einen Katamaran oder um ein Einrumpfschiff handelt, andererseits kommt es auch auf Ihre körperliche Kondition und Ihre Erfahrung im Umgang mit so einem großen Schiff an. Aber, ich versuch mal trotzdem, Ihnen eine praxisnahe Antwort zu geben:

Der Parasailor zeichnet sich nach meinen Erfahrungen durch hohe Effektivität und Gutmütigkeit auf einem Fahrtenschiff und durch ein vergleichsweise leichtes Handling aus. Dies gilt insbesondere auf einem Katamaran, wo der Parasailor ohne Bäume gefahren werden kann. Zwar lässt er sich auch auf einem Einrumpfschiff ohne Baum fahren, wie das Beispiel hier zeigt, doch wird das sicher bei sehr starken Rollbewegungen limitiert sein.

Der Parasailor zeichnet sich auch durch ein ausgeklügeltes Berge-und Setz-System, das den Umgang mit dieser gewaltigen Segelfläche sehr erleichtert, ja für kleine Mannschaften das Handling überhaupt erst möglich macht.
However
- Sie können zusammen mit Ihrer Frau das gewaltige Segel nicht kontrollieren, wenn Sie was falsch machen oder wenn Sie auf die Wahnsinnsidee kommen sollten, das Segel mit bloßen Händen statt über die Winsch zu bedienen. Meine Leidensgeschichte können Sie hier nachlesen. Und dabei spielt es dann keine Rolle, ob das Segel 150 oder 200 Quadratmeter hat, es wird immer schief gehen. Andererseits macht es in der korrekten Bedienung über die Winschen keinen wesentlichen Unterschied, ob sie das große oder das kleinere Segel benutzen.

Grundsätzlich wird das größere Segel eine etwas höhere Schiffsgeschwindigkeit - logisch - liefern, aber auch bei starkem Wind lebhafter sein und etwas weniger Wind vertragen.
Es gibt noch einen Unterschied zwischen den beiden Segeln, und der liegt, je nach Charakter der Crew - im psychologischen Bereich. Es macht stimmungsmäßig einen großen Unterschied aus, ob ich bei aufkommender Böe und steigender Nadel am Speedo vor mir eine pralle Segelwand von 150 Quadratmeter oder von 200 qm habe. Und so kann ich für mich sagen: “Ich hab mich mit dem kleineren Parasailor wohler gefühlt. Zudem habe ich den Eindruck gehabt, dass dieser bei sehr wenig Wind zwar stabiler gestanden ist, aber auch einen halben Konten oder etwas mehr an Schiffsgeschwindigkeit produziert hat.”
Fast hätte ich es vergessen: Auf einem Katamaran lässt es sich auf dem Vorschiff mangels starker Rollbewegungen besser arbeiten, den Parasailor kontrollierter bedienen als auf einem rollenden Einrumpfschiff bei achterlichen Winden und entsprechender Dünung.
Herzliche Grüße
Bobby Schenk
