Frage von Michael Blanke

Hallo Herr Schenk,

mit großem Interesse verfolgen wir Ihre Webseite mit den nützlichen Tipps. Vielen Dank für diesen Service! Zusammen mit den Informationen auf Ihrem Blauwasserseminar haben wir schon manche Fehlentscheidung vermieden.

Heute habe ich mal eine Frage zu Ihrer Meinung zur Länge von Festmachern, über die ich mit einem Stegnachbarn diskutiert habe.

Hintergrund: Unser Boot liegt derzeit in der Marina Rubicon auf den Kanaren im Süden der Insel Lanzarote. Durch die Nähe zu Fuerteventura herrscht dort manchmal ein beachtlicher Düseneffekt zwischen den Inseln, der auch die Marina nicht verschont. Nun meine Frage: Sollte man die Leinen dann etwas länger durchhängen lassen, damit das Boot bei Starkwind „arbeiten“ kann, oder lieber etwas dichter holen, damit es weniger stark einruckt? Oder spielt das in der Praxis gar keine Rolle und es ist so ziemlich egal?

Ihre Meinung dazu würde uns sehr interessieren.

Beste Grüße

Michael Blanke


2.7.2012

Hallo Herr Blanke,

leider läßt sich Ihre Frage nicht allgemein beantworten. Nur soviel: Als Grundausrüstung einer Fahrtenyacht sehe ich vier Festmacherleinen, mit jeweils der doppelten Schiffslänge an. Üblicherweise, wenn es die Verhältnisse am Steg zulassen, werden daraus Vorleine, Achterleine, Achterspring und Vorspring. Und wenn die Verhältnisses es zulassen, sollten diese (bei einem Einrumpfschiff) zum Fixieren der Yacht so ausgebracht werden, dass lediglich zwei oder drei Fender mittschiffs notwendig sind, um Schäden am Schiff zu vermeiden. Wenn eine Yacht von vorne bis hinten mit Fendern bepflastert ist, erkennt man den oder die Anfänger.

Wenn Sie Ihre Yacht längere Zeit allein lassen und Sie mit einem Düseneffekt rechnen müssen, dann würde ich die Leinen mit ihrer vollen Länge bemessen. Allerdings sollten sie (und die Fender) so ausgebracht werden, dass der Rumpf mit der Pier (Steg) auch dann keine Berührung hat, wenn beispielsweise eine oder zwei Leinen straff sind. Das ist in jedem Falle besser, als die Yacht mit kurzen Leinen zu fixieren. Zwar würde das Einrucken dadurch minimiert oder vermieden werden, andererseits könnte die Zugbelastung auf Leinen oder Klampen - zum Beispiel durch ein vorbeibrausendes Motorboot - erheblich vergößert werden. Entscheidend dürfte nicht der Wind sein, sondern der dadurch entstehende Schwell. Wie Sie auf dem untenstehenden Foto erkennen können, hat die Yacht nur deshalb Schwierigkeiten, weil der Seegang oder Schwell, nicht aber der Wind heftig ist.

Aber, wie gesagt, es kommt auf den Einzelfall an: Wir haben uns schon in Marinas aufgehalten, da hätten Bindfaden gereicht, um die Yacht Monate unbeaufsichtigt zu lassen. In anderen Marinas (zum Beispiel in Gibraltar) war der Aufenthalt wegen des schweren Schwells und der Strömung nahezu unerrträglich und nur mit Hilfe von zahlreichen Leinen (nicht nur die vier genannten) ist es uns gelungen, das Schiff vor Beschädigungen zu bewahren. Der Liegeplatz unten ist übrigens vollkommen ungeeignet und die Mannschaft täte gut daran, Leine zu ziehen, also abzuhauen, bevor der Rumpf mit hochgeschleuderten Fenden gegen die Kaimauer kracht.

Mit freundlichen Grüßen

Bobby Schenk