Frage von Stephan Cerny

Hallo Herr Schenk, ich habe Ihre Artikel über den Parasailor mit großem Interesse gelesen.

Die meisten neuen Kats haben keine richtigen Achter- bzw. Backstagen, dazu ein Problem aus/mit einen KAT Handbuch. Im Handbuch einer Bahai 46 wird (vor diesem Hintergrund ?) ausrücklich davor gewarnt die Genua ohne Groß zu setzen. Zu Spinnaker bzw. Parasailor habe ich keine Passage gefunden, aber wegen der ähnlichen Lastverteilung dürfte ich dann den Parasailor/Spinnaker wohl auch nicht ohne Groß setzen. Dadurch würden aber der Handlingvorteil des Parasailors eliminiert.
Ein befragter Verkäufer (eines anderen Katherstellers) meinte, ich könne den Parasailor ohne Groß fahren, sollte dann aber Dirk und Großschot fest durchsetzen.
Wie ist das bei Ihrem Kat und was halten Sie von der Thematik, sollte man das Handbuch hier ignorieren, sind die Handbücher übervorsichtig ?
Der Hintergrund der Anweisung ist mir sowieso nicht ganz klar. Abgesehen davon, dass man generell das Rigg gleichmäsig belasten sollte, dürfte doch einem Segeln nur mit Parasailor, Groß oder Genua bei moderaten Windverhältnissen nichts im Wege stehen.

Sie schrieben zum Parasailor, dass sie Ihn eines Nachts stehen hatten, als sie von über 40kn Wind überrascht wurden, wie reagieren Sie in einer solchen Situation, erst Schoten fliegen lassen dann bergen ?
Vielen Dank und viele Grüße
Stephan


18.1.2010

Hallo Herr Cerny,

ich kann dies nur für meinen Fall beantworten. Ich gehe davon aus, dass auf meinem Kat das Rigg einen Spi auch ohne Groß “aushalten” muss. Jedenfalls hab ich auf dem Katamaran THALASSA, einer Priviliege 465, über viele Jahre hinweg keine gegenteilige Beobachtungen gemacht. Auch die Werft hat mir diesbezüglich keine Hinweise gegeben.

Im übrigen ist zu bedenken, dass das gesetzte Groß einen Gegenzug zum Zug eines Spinnakers, der Genua, des Gennackers oder des Parasails erzeugen kann, aber nicht immer muss! Letzteres ist immer dann der Fall, wenn der Großbaum die Tendenz zum Steigen hat. Gut, letzteres kann man mit einem Baumniederholer (oder auch teilweise mit dem Bullenstander) weitgehend verhindern. Aber das hätte unsinnigerweise die Konsequenz, dass letztlich der Rohrkicker, oder was auch gerade als Baumniederholer verwendet wird, den Mast hält.

Besonders auf Vorwindkursen wird also das Groß jedenfalls nicht ständig dem Spinnaker einen adäquaten Gegenzug entgegensetzen. Das gilt vor allem bei böigen Wetterverhältnissen und entsprechender Dünung.

Was nicht allgemein bekannt ist: Vorwindkurse eignen sich besonders gut, das Groß bequem, also ohne dass die Yacht stampft, zu reffen oder niederzuholen. Denn beim Rollen wird es immer Momente geben, wo die Mastrutscher nicht unter Zug stehen, und das Groß geduldig zu diesen Zeitpunkten Stück für Stück heruntergeholt werden kann. In diesem Zeitpunkten, auch wenn sie nur kurz sind, übt das Groß gar keinen nennenswerten Zug auf den Masttopp aus, sodass jeglicher Gegenzug entfällt.

Wenn eine Werft es für notwendig hält, zusätzlich zum Vorsegel das Groß zwingend zu setzen, dann stünde ich dem Rigg skeptisch gegenüber.

Der von Ihnen zitierte Verkäufer hat sicher nicht unrecht, wenn er empfiehlt, vorsichtshalber Dirk und Großschot fest durchzusetzen (was ja eigentlich selbstverständlich ist). Denn dadurch wird ein zuverlässigerer Gegenzug aufgebaut als über das gesetzte Groß.

Die Schot zum Bergen des Parasailors fliegen lassen, gilt für alle Fälle. Denn nur dann wird sich ohne weiteres der Bergeschlauch über den Parasailor ziehen lassen - bei viel, aber auch bei wenig Wind.

Mit freundlichen Grüßen

Bobby