Frage von Christoph Hökezum zweiten Anker
Moin.moin lieber Bobby Schenk,
ich bin schon seit vielen Jahren ein großer Fan von Ihnen und Ihrer Bücher und Seminare.Gestern habe ich mal wieder Ihr “Ankerbuch"zur Nachtlektüre zur Hand genommen und dabei ist mir eine Frage in den Sinn gekommen .Ich besitze eine Amel 54 mit zwei Ankern am Bug.Bisher habe ich fast immer nur mit einem Anker gearbeitet.Aber meine Ankerzeiten steigen erfreulicherweise und somit möchte ich Ihren Tipp vor zwei Ankern zu liegen bald beherzigen.Allerdings habe ich geplant nachdem ich den 1.Anker eingefahren habe,den 2.Anker in 40 Grad auf Höhe des 1.Ankers abzuwerfen und ebenso einzufahren.Ich glaube das mal so irgendwo gelesen zu haben .Halten Sie das für falsch ? In Ihrem Buch gibt es keinen Hinweis auf dieses Manöver. Sollten Sie das Manöver für falsch halten , frage ich mich was soll dann mein zweiter Anker am Bug ?
Danke fürs lesen und Antworten und Ihnen und Ihrer Frau wünsche ich Lebensfreude und Gesundheit!
Mit freundlichen Grüßen Ihr Christoph Höke, SY SAM III

da haben Sie ja eine prima Yacht, wie man schon an Ihrer Ausrüstung sieht. Leide haben Sie nicht geschrieben, ob der zweite Anker an einer separaten Kette bedefstigt ist, denn bei der Größe Ihre Yacht und bei dieser Werft gehe ich davon aus, dass zumindest der Hauptanker mit Kette geliefert wurde.
Ich bin ein Freund vom Ankern mit zwei Ankern. Nicht, dass meine Yacht dann exakt an zwei Punkten hängen würde, denn wie Sie sicher schon beobachtet haben, schwojt eine Yacht und im Falles von zwei Ankern wird die Yacht mal an dem einen, mal an dem anderen Ankergeschirr zurren. Der unschätzbare Vorteil von zwei Ankern liegt in der Tatsache, dass Sie eine zweite Verteidigungslinie gegen schlechtes Wetter haben werden. Schliert der eine Anker oder - unwahrscheinlich - bricht die Ankerkette, hängt die Yacht immer noch an dem zweiten Anker.

Deshalb ist es auch gleichgültig, ob die Anker, wie auf der Abbildung aus meinem Buch ANKERN in einem Winkel von 30 Grad oder 40 Grad oder auch 60 Grad ausgebracht sind. So genau bringen Sie es ohnehin nicht hin. Wenn Sie zwei Anker mit Kette (Foto) haben, dann werden Sie, wie Sie ja schreiben, zunächst den ersten Anker einfahren (bitte mit Maschine voll zurück!) und dann den zweiten. Wobei Sie sicher schon daran gedacht haben, dass Sie in Ihrer Manövrierfähigkeit ziemlich eingeschränkt sind. Aber, wenn Sie dem ersten Anker genügend Kette für den Moment geben, werden Sie mit der Maschine mit etwas Geduld schon den rechten Punkt erwischen, um den zweiten Anker fallen zu lassen, denn Sie dann ebenfalls im Rückwärtsgang in den Grund fahren können.

Ich persönlich bevorzuge einen “Hauptanker”, selbstverständlich mit Kette und einen zweiten Anker mit Trosse. Der große Vorteil der Trosse in diesem Fall ist, dass ich den Anker mit dem Beiboot ausbringen kann, was mit Kette schlicht unmöglich wäre, denn deren Gewicht würde Ihr Beiboot unweigerlich immer wirder zur Yacht hinziehen, selbst, wenn sie einen Aussenborder benutzen.
Im übrigen würde ich gerne in Ihrer Nachbarschaft ankern, denn wer sich solche Gedanken ums Ankern macht, gar mit zwei Ankern ankert, wird mir wahrscheinlich nicht in meine Yacht bei schlechtem Wetter reintreiben.
Vielleicht treffen wir uns mal auf diese Weise
Ihr
Bobby Schenk
