Frage von Carsten
Hallo Herr Schenk, Vielen Dank fuer Ihre Tips auf Ihrer Seite. Ich wuerde mich über ein update zum Thema Hundertausend Mark Fahrtenboot freuen und zwar aus 2 Gruenden: A) wir haben jetzt den EURO und ich habe nach monatelangem Bootssuche das Gefuehl das 50.000 Euro nicht mehr viel Wert sind obwohl der Gebrauchtmarkt voll ist und Charterschiffe auf den Markt draengen. B)Sie haben eigentlich recht mit der Idee eine guenstige 38 Bavaria oder Benetaeu zu kaufen und entsprechend umzuruesten ABER ich habe ein ungutes Gefuehl bei: Kurzkiel, Balanceruder und duennen Bordwaenden. Es ist halt Schade das keine etwas schwerere fahrtenschiffe mehr gebaut werden die ja kaum mehr kosten wuerden als ein Cruiser Racer. C) Also sieht man sich 20-30 Jhre alte schwere Schiffe an, die dann immer noch mit 60.000 angeboten und vielleicht mit 40.000 verkauft werden. Auch alte Amel werden bei ueber 100.000 EUR gehandelt. D) Ich habe einige Boote jetzt gesehen mit Kurzkiel nach dem Auflaufen und 2 neue Luffen denen das Ruderblatt abgebrochen ist...... Der Markt ist riesig aber nach meinem Gefühl leider nicht fuer einigermasssen sichere / schwere Schiffe. Viel Gruesse Carsten
Hallo Carsten,
da täuschen Sie sich aber! Selbstverständlich gibt es auf dem riesigen Gebrauchtboot-Markt praktisch jedes Schiff, das Sie suchen. Vor allem in dem erwähnten Preissegment. Klar, es wird ein wenig eng, wenn man sich von vorneherein auf einen ganz bestimmten Typ zu einem ganz bestimmten Preis einengt.

Aber grundsätzlich gibt es alles, was die Schiffsbauindustrie, kleiner Werften oder auch Bastler jemals hergestellt haben. Schiffe verschwinden nicht so einfach in der Schrottpresse wie Autos. Es liegt an Ihnen als Käufer, aus einem vielleicht äußerlich heruntergekommenen Boot etwas zu machen. Dafür haben Sie aber auch alle Trümpfe heut in der Hand.
Einer Tatsache sollten Sie sich heute bewusst sein. Gebrauchtboote sind bei der Schwemme auf dem Markt praktisch nicht mehr zu verkaufen. Das heißt, Sie als Käufer können praktisch den Preis diktieren.
Wenn Sie ein “ungutes” Gefühl bei sogenannten “modernen” Yachtkonstruktionen haben, sollten Sie mal Ihre Gefühle überdenken. Ich bin auch kein Freund dieser Konstruktionen, aber zwischenzeitlich haben zigtausend solcher Schiffe über viele Jahre hinweg bewiesen, dass sie ebenfalls seetüchtig sind. Jedenfalls mindestens genauso sicher wie die (auch von mir) viel genannten Langkieler. Mal ehrlich, wie viele Fälle gibt es denn, in denen ein Kurzkieler in brenzliche Situationen oder gar in Unglücksfälle geraten ist, wo ein Langkieler keine Schwierigkeiten bekommen hätte.

Vor allem eines: Wenn Sie mal die großen Reisen vergangener Tage zum Beispiele vor dem zweiten Weltkrieg vor ihrem geistigen Auge Revue passieren lassen, werden sie feststellen, dass diese Törns mit Yachten unternommen wurden, die von vielen heute als gefährlich seeuntüchtig beurteilt werden hätten können. Nicht die Boote machen die großen Törns, sondern die Seeleute.
Auch das müssen Sie berücksichtigen: Wenn eine Yacht drei oder vier Jahrzehnte ohne strukturelle Schäden überlebt hat, deutet diese Tatsache ja darauf hin, dass es sich um ein tüchtiges Schiff handelt. Denn schon von der Statistik her ist es äußerst unwahrscheinlich, dass es nur in gutem Wetter rumgesegelt ist.
Das einzige, auf was ich bei einem altem Kunststoffschiff achten würde, wäre die Wahrscheinlichkeit der Osmose. Wenn eine Yacht nämlich davon befallen ist (Verkäufer sagen gern: “Nur ein paar Bläschen an der Wasserlinie!”), dann können Sie häufig die Hälfte des Kaufpreises einrechnen, das Schiff in einen technisch einwandfreien Zustand zu bringen. Also: Hände weg, Sachverständigen vor allem zu dieser Frage beiziehen.
Mast- und Schotbruch
wünscht Bobby Schenk

