Frage von Ulrich Baußmann

Hallo Bobby,
mit Freude sehe ich Dein positives Statement zu einer weltumsegelnden Bavaria (Rück-Blickpunkte von der Interboot 2008), auch wenn es dabei um eine große 47er ging.
Ronald (“Ronnie”) Simm hat es mit einer Bavaria 36/2 vorgemacht (www.nautilus-on-tour.com) und ist völlig von Bavaria als geeignete Blauwasseryacht überzeugt, besonders was das Preis-Leistungs und -Raumverhältnis betrifft! Seiner Meinung nach, trifft man unterwegs mehr Blauwasser-Bavarias als Rassys (Rassies?).
Für diejenigen unter uns, die mit recht knappen Budget kalkulieren müssen (ich denke da an max. 50-80 TEUR für ein abfahrtstaugliches, entsprechend ausgerüstetes Blauwasserschiff), stellt sich die Frage immer wieder:

  • Rassy oder Najad (oder ähnliche “typische” Langfahrtyachten), dafür aber über 25/30 Jahre alt (HR 352 bzw. kleiner, z.B. 31er, gerne auch Contest 32,33,34, Contessa 32 - heutzutage bekommt mann ja kaum noch solchen Unterwasser-Schiffsplan) oder
  • Bavaria (oder Hanse, Bénéteau, Jeanneau, Dufour, etc.), dafür aber neuer, d.h. 5-10 Jahre alt (ich denke da u.a. an die aktuelle Bavaria 34)
  • oder dito aber sogar ganz neu, dafür nochmals eine Nummer kleiner (gar eine Bavaria 31? - viel Unterschied zur 34 ist nicht mehr, der Neupreis zwischen der B31, 34 und 38 differiert allerdings jeweils um rund 20 TEUR!!).

Ich möchte nicht eine neue Diskussion zur Langfahrttauglichkeit von Bavarias auslösen, dennoch, wie ist Deine Meinung zu dem “Abspecken” was die Länge betrifft (34er statt 38er bzw. gleich eine 31er). Ich rede über eine kleine Crew, d.h. ein Paar oder gar Einhand, mit gelegentlichen Gästen. Natürlich muss die Crew entsprechend tauglich sein.

Mit einer 31er Bavaria auf den Weltmeeren, wird spannend, oder? Seetauglichkeit (ok, bei der Contessa 32 muss man nicht darüber reden, ist aber sehr klein auf die Dauer…)? Andererseits hattest Du/hattet Ihr auch nicht viel anders angefangen.

Leider kann für o.g. Budget ein Kat eher in weite Ferne rücken…
Liebe Grüsse, vielleicht sehen wir uns in Hamburg!
Ulli


Hallo Ulli,

auch auf die Gefahr, dass ich mich wiederhole: Der Skipper segelt um die Welt - oder sonstwohin! Nicht das Schiff. Manchmal hab ich das Gefühl, dass meine Freunde und Mailisten sich ihre Vorstellungen vom richtigen Schiff - je nachdem, was sie sich gerade leisten können - nur von mir absegnen lassen wollen.

Hättest Du mich vor 30 Jahren gefragt, hätte ich den Sinn Deiner Frage gar nicht verstanden. Warum wohl?

Weil vor drei oder vier Jahrzehnten eine 31-Fuß-Weltumsegelyacht das Normalste auf den Passatrouten war. Meine Frau und ich sind mit einem 34-Fuß-Schiff (siehe Foto) fast vier Jahre auf Weltumsegelung gewesen, und auf den Ankerplätzen der Blauwassersegler konnte man unsere THALASSA meistens zu den größten, zu den längsten zählen. Neun-Meter-Yachten waren immer noch überdurchschnittlich lang. Die berühmte WANDERER III, mehrfache Weltumseglerin von Eric Hiscock, war genau 31 Fuß lang. Und die Neuseeländische BLACKROSE mit Ehepaar und kleinem Sohn David als Crew maß so um die acht Meter über Alles. Nicht länger war auch die deutsche ASTRONOTUS mit Otto und Helmut. Und dann war da noch eine kanadische Shark24, mit der ein Pärchen mit Kleinkind nach Australien gesegelt ist.

All die Leute haben nicht lange danach gefragt, ob ihr Schiff lang genug für eine Weltumsegelung ist, sondern sind halt losgefahren. Und nebenbei: Ohne GPS, ohne Krankenversicherung, ohne Schiffsversicherung, ohne Außenborder fürs Beiboot, oft ohne Radiogerät, ohne Sender sowieso, ohne jede Elektronik, manchmal ohne Maschine und meist ohne Geld.

Man könnte nun sagen, dass sich die Zeiten geändert haben. Die Zeiten vielleicht, die Menschen leider auch. Aber in keiner Weise hat sich das Meer geändert, das ist seit vielen zigtausend Jahren gleich geblieben. Also lassen sich hier durchaus noch die gleichen Maßstäbe anlegen wie vor vier Jahrzehnten oder noch früher. Etwas ist sogar besser geworden: Die Qualität der Schiffe. Ich wage beispielsweise zu behaupten, dass eine heutige Bavaria, genau dieses Beispiel wähle ich absichtlich, von der Qualität und Sicherheit höherwertig ist, als es damals viele Weltumsegelyachten waren. Schließlich liegen da einige Jahrzehnte dazwischen, in denen die Bootsbauer eine Menge dazugelernt haben, vor allem im Kunststoffbau.

Ich könnte jetzt auch jede Menge Beispiele aufzählen, wo viel größere Schiffe eine angestrebte Weltumsegelung abgebrochen haben. Nein, nicht die Schiffe waren es, die versagt haben, sondern die Skipper!

Aber, Ulli - tröstlich - mit Deiner zweifelnden Frage stehst Du nicht allein. Als uns auf unserer Fähnrich 34 in Tahiti Bernard Moitessier besuchte, meinte er mit leichter Bewunderung für unser Schiff: “Damit kannst Du auch um Kap Hoorn segeln!”

Das glaubte ich ihm nicht, schließlich war unsere THALASSA dafür zu klein!

Liebe Grüße

Bobby Schenk