Frage von Gerhard H. (Name der Redaktion bekannt)

Guten Tag Herr Schenk,
Ich wollte Sie um einen kurzen Rat zu einer geeigneten Passat-Besegelung fragen.

Ich kaufe mir gerade eine Vancouver 34  (Langkieler, 7,5 to, Kuttergetakelt,
Rollanlage für den Klüver und Stagreiter für die Fock) und will damit in 2009 über
den Atlantik segeln (vielleicht auch noch ein bißchen weiter).

Als Passat-Besegelung will ich 2 gleich große Klüver (je 30 qm) (sind hochgeschnitten
bei dem Boot) mit 2 Spi-Bäumen ausbaumen, bei mehr Wind 2 Stagfocks (je 13 qm) ausbaumen.

Meine Fragen in diesem Zusammenhang sind:

a)       Sollte ich den zweiten Klüver für die Rollanlage kaufen und dann in der
         zweiten Nut der Rollanlage fahren, oder wäre es besser, einen z.B.
         freifliegenden Klüver zu benutzen, den ich unabhängig von der Rollanlage setze?

b)       Sind für die beiden Spi-Bäume auch 2 Schienen am Mast notwendig / sinnvoll,
         oder kann man die Bäume auch auf einer Schiene fahren?

c)       Macht es Sinn, bei mehr Wind 2 Stagfocks bzw. Sturmfocks auszubaumen,
         oder erzielt man das gleiche Ergebnis damit, daß man einen der Klüver wegnimmt?

d)       Sind aus Ihrer Erfahrung die Klüver mit je 30 qm groß genug für das Boot,
         oder benötige ich die Genua(s) mit 40 qm?

Vielen herzlichen Dank für Ihre Mühe und beste Grüße,

Ihr Gerhard H.

da haben Sie sich ja für ein vernünftiges Schiff entschieden! Zu Ihren Fragen

a) Ich würde an Ihrer Stelle den zweiten Klüver in einer eigenen (zweiten) Nut der Rollanlage fahren. Wir haben das einmal auf einer Atlantiküberquerung ausprobiert - siehe Foto unten - und waren mit dieser Lösung recht zufrieden. Ein Vorteil dieser Lösung ist auch, dass Sie dann den Klüver (eigentlich sind es ja zwei) auf einem Bug segeln können, wobei der eine auf dem Anderen - schadlos - aufliegen könnte.

Von einem frei fliegenden Klüver rate ich ab. Ich hatte diese Version auf einem 34-Fuß-Kreuzer gefahren und das hat mich bei etwas mehr Wind körperlich ganz schön geschlaucht.

b) Für beide Klüver sind nicht unbedingt zwei Schienen erforderlich. Voraussetzung ist natürlich, dass die eine Schiene für diese “Doppel-Belastung” ausreichend dimensioniert ist.

c) Nach meiner Erfahrung macht es keinen Sinn, bei zunehmenden Wind zwei kleinere Klüver zu fahren. In diesem Fall erzielen Sie das gleiche Segelergebnis, wenn Sie das eine der beiden Standard-Passatsegel, also in Ihrem Fall einen Klüver, wegnehmen.

d) Ich rate Ihnen zu größeren Passatsegeln (Klüver). Meine praktische Erfahrung - und die vieler anderer Weltumsegler - ist, dass vor dem Wind, wo ja der scheinbare Wind naturgemäß sehr schwach ist, die Segelfläche oftmals zu klein gewählt ist. Zum Beispiel hat der deutsche Weltumsegler-Pionier Ernst-Jürgen Koch oft geklagt, dass seine Vorsegel auf Vorwindkurs zu klein gewählt waren. In Ihrem Falle sollte man sich also für die 40qm-Klüver entscheiden.

Sie werden diese Vorsegelkombination auf Vorwind-Kurs sicher bis 6 Windstärken fahren können. Und mit einem Klüver bis acht Beaufort, wobei diese unsymetrische Besegelung von einer guten Windsteueranlage ohne weiteres zu steuern ist.

Darüber brauchen sie dann keine Segel mehr.

Beste Grüße

Bobby Schenk