Frage von Jochen Schlechtinger-Hoffmann

Lieber Bobby Schenk, auch ich trage mich mit dem Gedanken, auf meinem geplanten Langtörn einen Hand-Watermaker anzuschaffen, allerdings nicht als Notpack in der Rettungsinsel. Für ein Einbaugerät ist mein Schiff zu klein bzw. es ginge dringend benötigter Stauraum verloren. Die Idee, seinen Wasservorrat durch eine Entsazungsanlag zu strecken, finde ich faszinierend und könnte mir vorstellen, dass man quasi zur Körperertüchtigung (statt Hanteltraining oder so ähnlich) täglich eine halbe Stunde “Wasser macht”. Auch das Problem, dass solch ein Membran-Gerät ständig in Gebrauch sein soll, wäre so gelöst.

Allerdings habe ich von einem Verkäufer (!) solcher Anlagen gehört, dass Die Ausbeute nicht der Rede wert sei und den nicht geringen Kaufpreis nicht lohne. Vielmehr solle ich ein deutlich billigeres aufblasbares Kondensierungsgerät mitnehmen, das bei Sonneneinstrahlung die Luftfeuchtigkeit an den durchsichtigen Folienwänden kondensieren lässt. Ob dieser Händler aber jemals wie Sie diese Geräte auch ausprobiert hat, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Vielleicht ist aber auch der von Ihnen getesteter Hand-Watermaker einfach effektiver als das von dem Händler angebotene Gerät.
Daher meine Frage: Um welchen Hand-Watermaker handelt es sich bei dem von Ihnen getesteten Gerät, und was halten Sie von dem Kondensierungs-Modell?
Vielen Dank schon jetzt und Mast- und Schotbruch
Jochen Schlechtinger-Hoffmann


Lieber Herr Schlechtinger-Hoffmann,

ja, theoretisch sind Ihre Überlegungen durchaus nachvollziehbar. Aber, wie es so oft im Leben ist, die Praxis würde ganz schnell Ihre Überlegungen in das Reich der Träume verweisen.

Eine kleine Einmaleins-Rechnung zeigt dies schon auf: In den Tropen sollte man ca drei Liter Flüssigkeit pro Tag aufnehmen. So wie sie mir schreiben, gehe ich mal davon aus, dass Sie ihren Flüssigkeitshaushalt im wesentlichen mit Trinkwasser abdecken wollen.

Wir haben, wie schon öfters darauf hingewiesen, so einen Hand-Watermaler in der Praxis, also in einer Rettungsinsel, unter guten Wetterbedingungen einmal ausprobiert und dabei festgestellt, dass man ca 10 bis 15 Minuten pumpen muss, um einen Trinkbecher mit Wasser voll zu kriegen. Nebenbei: Es war körperlich nicht sehr anstrengend.

Wenn wir diesen praktischen Wert zu Grunde legen, dann ergibt die Rechnung, dass Sie für einen Liter Wasser rund eine Stunde pumpen müssen. Macht zusammen also drei Stunden Arbeit, um ihren Flüssigkeitshaushalt abzudecken. Das gleiche könnten Sie auf einer Atlantiküberquerung aber auch mittels zweier 30-Liter-Kanister voller Süßwasser von den Kanaren erreichen. Stauraum? Geht kaum verloren, denn die können Sie ja irgendwie auf dem Kajütdach befestigen, wie es übrigens die meisten amerikanischen Langfahrtsegler mit ihren (zahlreichen) Trinkwasser - und Dieselkanistern handhaben!

Gut, da hab ich den Gesichtspunkt der Körperertüchtigung noch nicht berücksichtigt. Aber, bedenken Sie, dass die Produktion von Süßwasser mittels eines Handwatermakers allenfalls ihre Handmuskulatur beansprucht und auch das in sehr einseitiger Weise, was letztlich doch nichts für ihr körperliches Wohlergehen bringt. Im übrigen brauchen Sie sich auf Langfahrt da keine Sorgen machen, dass Ihr Körper versauert, denn als Einhandsegler, das verspreche ich Ihnen, sind sie körperlich auf hoher See ganz gut ausgelastet. Und wenn Sie sich sorgen, dass Ihr Körper zu wenig beansprucht ist, dann kümmern Sie sich doch penibel um Ihren Segeltrimm mit den nötigen Segelmanövern. Das ist ein erheblich besseres Training als den Watermaker zu bedienen.

Die Marke dieses von uns benutzten Gerätes war übrigens PUR und ich wäre froh, wenn ich so ein Ding im Notfall in der Rettungsinsel finden würde. Denn es würde mich vor dem Verdursten leicht bewahren, wie wir festgestellt haben.

Allergrößte Zweifel habe ich allerdings, ob ich dieses Ziel mit dem von Ihnen erwähnten “Kondensierunggerät” erreichen könnte. Sie haben den Namen des Gerätes nicht erwähnt, doch nehme ich an, dass es sich um so “Plastiktüten” handelt, die man um die Rettungsinsel schwimmen lassen kann, und die mit Hilfe der Sonnenstrahlen Kondenswasser an der Unterseite der Plastikfolie produzieren. Früher, als es noch keine kleinen Watermaker mit Osmose-Technik gegeben hatte, waren solche Geräte im Handel, ich habe sie allerdings schon lange nicht mehr gesehen. Das Prinzip können Sie aber zum Beispiel in heißen Gegenden in Nordafrika erleben, wo Äcker weiträumig mit Plastiktüten bedeckt werden. An der Unterseite der Plastikfolien kondensiert Luftfeuchtigkeit unter der Sonnenstrahlung und tropft dann ab in den Boden. Die Ausbeute an Wasser ist bei diesen preiswerten “Kondensierungsgeräten” nur deshalb nennenswert, weil hier die praktisch immer scheinende Sonne den ganzen Tag über auf das Plastik brennen kann.

Im Klartext: “Geräte” dieser Art wären für Ihre Zwecke ganz und gar ungeeignet. Erstens ist deren Produktion auch unter günstigsten Bedingungen im Vergleich mit der Ausbeute eines Hand-Watermakers geradezu lächerlich und zweitens können sie an Bord eines Segelschiffes, das sich ja auf Lang- Fahrt(!), kaum eingesetzt werden. Wollen Sie in der Flaute beidrehen und diese Tüten um ihr Schiff herum schwimmen lassen, um die Fahrt am Abend, wenn die Sonne keine Kraft mehr hat, fortzusetzen?

Meine Meinung über die Sachkenntnis des von Ihnen genannten Verkäufers verrate ich Ihnen nicht, aber Sie können sich diese ja denken.

Mast- und Schotbruch!

Bobby Schenk