
Wie das in einer Schule sein sollte, kommt als erster der Lehrer, der Mathematiklehrer Bernhard Witt, zu Wort. Auch, weil er - fast - die Hauptperson bei dieser Weltumsegelung ist, doch davon später. Bernhard, Jahrgang 1947, eigentlich gelernter Kriminalpolizist mit Abitur und Lehrerstudium, schreibt:
“Sebastian Pieters lernte ich 1996 in Kleve an der Konrad-Adenauer-Hauptschule als meinen Mathematik-Schüler kennen. Er war 15 Jahre alt, groß, fast zwei Meter lang, und sehr gut in diesem Fach - Note 1. Anscheinend erzählte ich übermeine Reise mit meinem Sperrholzschiff Kiwittnach Neuseeland, denn er hielt auch während seiner Lehre Kontakt zur Schule. Gemeinsam mit seinem Feund Malte machten wir eine Probefahrt mit der Kiwitt.

Meine Frau Petra (Holländerin - Bild) und ich hielten Sebastian einen ausführlichen Lichtbildervortrag mit Südseemusik und erzählten von unserer gemeinsamen Reise 1985 von Teneriffa über Panama, Marquesas, Tahiti, Samoa, Tonga nach Neuseeland. Petra hatte ich unterwegs in Spanien kennen gelernt und sie stieg kurzentschlossen in Teneriffa zu. Nun konnten wir uns bei den Wachen abwechseln und sie übernahm auch die Astronavigation. Dank an Bobby Schenk für das Buch “Navigation zum Ankommen”. Damit habe ich allein von Faro nach Madeira segelnd (noch mit Sextant) meine erste Insel genau gefunden.Von da an war Sebastian an das Langfahrtensegeln “verloren”. Wir trafen uns wöchentlich in der Schule und ich erzählte ihm alles, was ich über Schiffe und Langfahrtensegeln wusste. Eines Tages, er war ca. 20 Jahre alt, wollte er mit mir überlegen, wie er eine Weltumseglung konkret realisieren könnte und wir vereinbarten einen Termin bei mir zu Hause. Mir war klar, dass er noch Jahre arbeiten und sparen müsste, wenn er diesen Plan allein umsetzen wollte. Ich selbst hatte sieben Jahre gebraucht (Planung/Bootsbau). Meine Kiwitt war gut ausgerüstet (neue Rettungsinsel,Schlauchboot und Aussenborder).Da kam ich auf die Idee, ihm die Kiwitt zu leihen.
Nach einer Woche Überdenken und Rücksprache mit meiner Frau, machte ich ihm am Ende unserer gemeinsamen Überlegungen zur Umsetzung einer Weltumseglung diesen Vorschlag. Damit wurde das Vorhaben auf einmal realisierbar. Er wollte ein Jahr arbeiten , um sich Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen. Wir wollten in dieser Zeit im Sommer mit der Kiwitt segeln/trainieren und sie dann für die Weltumseglung klarmachen. Gemeinsame Segelreisen (Ijsselmeer/Nordsee) und unsere Reparaturarbeiten bestärkten mich in meiner Überzeugung, dass er als Schiffsführer verantwortungsbewusst, ruhig und überlegt handelt und seine Entscheidungen gut überdenkt. Wir hatten eine tolle Zeit. Er lernte sehr schnell, die Kiwitt sicher zu führen und konnte zudem prima kochen. Auf meinen Rat hin suchte und fand er übers Internet eine Begleiterin, die auch von solch einer Reise träumte. In Südfrankreich half ich noch mit, den Mast in Cap d”Agde an einer Brücke hochzuziehen, um Geld zu sparen. In Sete feierten wir dann am Kanal unter einer Brücke mit einer Flasche Wein Abschied. Nach jeder geschafften größeren Etappe stießen wir dann dann mit Sebastians Eltern zu Hause mit rotem Krimsekt an.Erstaunlich war, dass ich auch nach längeren Etappen fühlen und sagen konnte, wann die beiden ankommen. Sebastian hatte wohl alle Informationen wie ein Schwamm aufgenommen und ich hatte öfters das Gefühl, dass wir in bestimmten Situationen berechenbar gleich gehandelt hätten.Im Nachhinein bin ich froh, dass ich ihm mein Schiff geliehen habe. Die gemeinsame Rückfahrt durch den Rhein/Rhone-Kanal und im Galopp den Rhein abwärts verlief noch mal spannend, weil uns Hochwasser im Doubs aufhielt. Aber deswegen kam es nie zu Hektik oder Nervosität und wir genossen die Zwangswartezeit mit Erzählen und gutem Essen.Ich würde ihm jederzeit mein Schiff wieder leihen, weil er trotz seines jungen Alters ruhig und überlegt handelt, großes technisches Verständnis hat und die Fähigkeit besitzt, mit wenig Geld zu improvisieren. Zudem vermittelt er seinen Mitseglern das Gefühl von Souveränität und Sicherheit.Er hat die Kiwitt gut instand gehalten, eine gebrauchte Windsteueranlage eingebaut und in Thailand neue Segel und Sitzbezüge gekauft. Dabei waren sie so sparsam, dass nach der Reise sogar noch Geld übrig war.Für mich waren die drei Jahre ein ständiges Miterleben (die Reiseberichte ergeben zusammengeheftet ein Buch) und die Hunderte von Bildern begeisterten auch die Mitglieder des Segelvereins, wo Sebastian auf dem Opti anfing und die ihm und seiner Mitseglerin einen tollen Empfang bereiteten.Bernhard Witt"Ab Anfang nächsten Jahres werden wir hier auf dieser Webseite in loser Folge die gesamte Weltumsegelung des jungen Sebastian miterleben dürfen. Sie sticht weit heraus aus den üblichen Weltumrundungen mit Riesenyachten, mit Sponsoren, mit Technik ohne Ende, mit betreutem Segeln bei Rallies, mit Unterstützung durch Zeitschriften…Und sie begann mit einer Schnapsidee - hier klicken zum Weiterlesen
