Vorwort: Peter Höbel ist zur Zeit mit seiner PANDAREA, einer 12-Meter-Stahlyacht, auf Weltumsegelung. Sein letztes E-Mail über Kurzwelle (!)kam aus Pukhet. Dieser überaus sachkundige Bericht kommt also aus der Praxis und zwar von einem erfahrenen Segler, dem Kommunikation von seiner Yacht aus Lebensstil und Vergnügen auf Langfahrt ist:

Alles über moderne Kommunikation auf der Fahrten-Yacht:

Mails & More - wir chirpen uns einen mit PACTOR

Ein preiswertes e-mail-System an Bord gewinnt immer mehr Freunde

Von unten, vom Kartentisch her tönt ein leises aber durchdringendes “chirp, chirp,chirp” ins Cockpit hoch. Haustiere an Bord? Weit gefehlt. Was da vor sich hin piepst ist “Pactor”, neues Mitglied in der Welt der Yacht-Kommunikation. An einem kleinen silbergrauen Kästchen flackern und blinken zwei Dutzend farbige Lämpchen. Vorbei ist die Zeit, da man auf mühsam zu verstehender Funkgespräche angewiesen war, für die zu den unmöglichsten Zeiten pünklich bereit sein mußte. Vorbei die Zeite, da sichere Kommunikation nur etwas für die Supereichen war. Selbst auf hoher See spuckt das kleine Wunderwerk der Technik über den Laptop-Bildschirm e-mails aus aller Welt aus - und zwar dann wenn der Skipper sie will, zum Nulltarif. Ist das nichts?

Der Wunsch von seegehenden Schiffen aus in Verbindung zu anderen Schiffen oder zum Land zu treten ist so alt wie Schiffahrt. Aus wirtschaftlichen, militärischen und privaten Gründen und natürlich im Seenotfall. Feuer- und Rauchsignale, Flaggensignale, Licht- und Schallzeichen gibt es seit Urzeiten bis heute.

Mit Mikrofon und Morsetaste Mit Erfindung der drahtlosen Telegrafie wurde der Tastfunk im Morsecode zum Standard für sichere Kommunikation auf grosse Distanzen. Später revolutionierte Sprechfunk in AM (Amplitudenmodulation) den Bedienkommfort, denn man mußte nicht mehr morsen können, wenngleich die Bedienung der Röhrengeräte noch kompliziert und der Energiebedarf sehr groß war.

Heute ist SSB (Singelsideband, also Einseitenband) stand der Technik, das im Prinzip höhere Reichweiten mit geringerer Sendeleistung und eine besser Ausnutzung der immer voller werdenen Hochfrequenzbänder zulässt. Auch wurden die Geräte mit Transistoren und integrierten Schaltkreisen immer kleiner und können promblemlos von zwölf Volt Batterien betrieben werden. Im Nahbereich nutzt man Ultrakurzwelle (UKW, VHF) in Frequenzmodukation (FM). Für den Betrieb einer Seefunkstelle ist als Befähigungsnachweis ein allgemeines Sprechfunkzeugnis bzw. künftig ein GOC* nötig.

Telefon und Fax aus dem All Parallel dazu wird seit einigen Jahren auch die die Satelitenkommunikation vorangetrieben. Die älteren Inmarsat A und B sind ausschließlich für kommerzielle Nutzung (etwa auf großen Schiffen oder Fernsehübertragungen) vorgesehen. Inmarsat- M und seit etwa vier Jahren Mini-M sind für Telefonie, Fax und Datenverkehr auch für Yachten interessant. Inmarsat-C ist für reinen Datenverkehr (eingeschränkt Fax per Weitervermittlung durch Erdfunkstellen) und Notfunk . Inmarsat nutzt vier hoch fliegende geostationäre Sateliten. Hoch fliegend geostationär bedeutet für die Praxis: Viel sendeenergie und präzise nachgeführte Antennen sind nötig. Neu im Orbit ist Iridium für Telefonie (Datenverkehr läuft noch recht langsam), aber das Sytem ist ja mit den üblichen Kinderkrankheiten noch im Aufbau. Weltweite Abdeckung besonders in abgelegenen Seegebieten des Pazifik ist noch nicht sicher und die Finanzprobleme der vielleicht zu optimistischen Betreiber lassen erst mal zur Vorsicht raten. Iridium nutzt ein Netz von niedrig umlaufenden Satelitemn (“LEOs), die mit weniger Sendeenergie erreicht werden und - vergleichbar einem GPS-Gerät

  • mit einer simplen kurzen Antenne auskommen. Lediglich frei Sicht ist erforderlich. Dann gibt es noch eine weitere neue e-mail-Option, ORBCOMM LEO, mit zur Zeit nur einem Gerät auf dem Markt, einem GPS von Magellan (GSC 100), in den das Kommunikationsfeature engebaut ist. Die Nutzung ist etwas umständlich, weil beispielsweise Nachrichten von Land einem Vermittler per Telefon zur Weiterleitung diktiert werden müssen. ORBCOMM ist momentan nur in USA, Kanada, Argentinien und dem karibischen Raum anwendbar.

Nur zur Vollständigkeit: Im küstennahen Bereich können natürlich - wie überall an Land- auch Cellular-Telefone (vulgo: Handys) eingesetzt werden.

Für Satelitenfunk gilt: Teuer. Preise zwischen 5.000 bis 8.000 Mark plus Einbaukosten. Im Regelfalle Monatsgebühren um 20 bis 60 Dollar plus Minutenpreise für die Übertragung von zwischen drei und fünf US-Dollar müssen zur Zeit** noch kalkuliert werde, wenngleich die Preise durch heftigen Wettbewerb der Syteme und der Provider (wie beim GSM) ins Rutschen geraten und auch in verschiedenen Ländern höchst unterschiedlich sind. Es lohnt sich durchaus, die Bedingungen von Providern wie der Deutschen Telekomm mit der holländischen “Station 12” (Vormals Schevening Radio) oder den amerikanischen Riesen AT&T, COMSAT (USA) und anderen zu vergleichen. Am einfachsten ist es hierfür, im Intenet zu stöbern. Für Iridium lassen sich vorhandene GSM-Verträge (z.B. Mannesmann D2) zum Satelitenroaming erweitern. Vorteil: In Landnähe wird bei Netzabdeckung automatisch kostengünstiger “terrestrisch” verbunden.

Systeme für jeden Geldbeutel Vielfältige Möglichkeiten also für den modernen Segler mit dicker Brieftasche. Für die Systementscheidung abzuwägen sind die technische Möglichkeiten an Bord (Platz, Stromversorgung), Aufwand in Installation und Bedienung (Fachkenntnisse, Lizenzen, Genehmigungen), Systempreis, laufende Kosten und Nutzungsentgelte, Sicherheit der Verbindung und Verfügbarkeit des Systems je Seegebieten und Ausbreitungsbedingungen. Außerdem hat er vorsichtige Segel-Mensch ja immer ein Paar Hosenträger zum Gürtel - sprich unabhängig voneinander funktionierende Systeme als Backup. Nachfolgende Übersicht zeigt die Hauptunterschiede aller auf Yachten einsetzbaren seriösen Kommunikationsmittel (also ohne Inmarsat A und B einerseits oder dem ziemlich nutzlosen CB-Funk andererseits).

Alle modernen Kommunikationseinrichtungen für Fahrtensegler als Übersicht

System benötigt Kosten Vor- / Nachteil Betrieb Verfügbarkeit Seenot Inmarsat M Satelitengerät Antennen-Dom Computer Drucker Geräte teuer monatliche Grundgebühr hohe Minutenpreise etwa 3 bis 5 US$ (Tendenz günstiger) Anrufer zahlt direkter Zugang zu normalen Telef. und Fax-Geräten weltweit Internetzugang abhörsicher Guter Service (Wetter, Medico) Antenne groß hoherStromverbrauch einfache Bedienung keine Lizenz stets verfügbar weltweite Abdeckung (außer Polkappen und kleine Gebiete im Ostpazifik) muß einen der 4 geostationären Sateliten finden und “verfolgen” evtl.Problem bei Seegang nicht im GMDSS* kann nicht von anderen Schiffen und Küstefunkstellen mitgehört werden keine “Netze” ** Inmarsat Mini-M wie M kleinen Dom Hoher Gerätepreis ca. 8.000 DM sonst wie M Antenne deutlich kleiner und leichter als M-Dom wie M wegen kleinerer Antenne empfindlicher bei starken Schiffsbewegungen sonst wie M nicht im GMDSS* kann nicht von anderen Schiffen und Küstefunkstellen mitgehört werden keine “Netze” ** Inmarsat C wie M sehr kleine Antenne Gerät mittlere Preislage ca. 5.000DM Preis per Datenmenge relativ teuer Mobilfunkstelle zahlt immer kein Voice-Telefon Fax nur indirekt Kombi mit GPS und GMDSS umständlich, prinzipiell GOC* nötig Abdeckung wie M Verbindung stabiler, weil Antene nicht nachgeführt wird Voll GMDSS* codierte Notrufe: +Schiffskennung +Notfallart +GPS-Standort +Navtex-Medlungen Iridum Handgerät (Einbaugerät mit Seenotfeature ist geplant) optional: Außenantenne ext.Stromversorg. Geräte mittlere Preisklasse um 4.000 DM Monatsgebühr hohe Minutenpreise ähnlich Inmarsat 3min Minimumcharge Mobilfunkstelle zahlt immer Kombi mit GSM, SMS, Pager keine aufwändige Nachführantenne, Dtenfunk im Aufbau (slow) Kinderkrankheiten Unsicher finanzschwacher Anbieter einfach sehr mobil keine Ausbildung keine Lizenz

zum Nur-Telefonieren ideal

einfache Bedienung keine Lizenz Provideranbingung nötig noch keine vollständige weltweite Abdeckung, besonders Seegebiete fehlen noch findet einen der 64 LEOs automatisch, kein Tracen nicht im GMDSS* kann nicht von anderen Schiffen und Küstefunkstellen mitgehört werden keine “Netze” ** ORBCOM Kombigerät mit GPS optional: Außenantenne Stromversorgung Geräte preisgünstig (ca.1.000 US$, aber z.Zt. nur in USA z.B. WESTMARINE) Monatsgebühr ziemlich hohe Übertragungspreise nach Datenmenge (pro Buchstabe 1US Cent) Mobilfunkstelle zahlt immer Komination mit GPS keine aufwändige Nachführantenne Neu im Markt: m.E. primär für USA und Karibik-Markt sehr mobil keine Ausbildung keine Lizenz umständliches Handling am Gerät und per Operator nicht weltweit verfügbar (Einsatz:USA, Canada) wenig befahrene Seegebiete fehlen (Pazifik!) ähnlich wie Iridium findet einen der z.ZT.28 von 36 LEOs automatisch kein Antenne-Nachführen nicht im GMDSS* kann nicht von anderen Schiffen und Küstefunkstellen mitgehört werden keine “Netze” ** SSBSeefunk zugelassener HF-Transeiver Antennentuner Stabantenne o.angepasstes Achterstag Geräte preiswert Installation aufwändig Betrieb kostenlos Telefonvermittlung teuer über Küstenfunkstellen weit verbreitet (nahezu auf jeder Yacht) kein Provider nötig weltweit Schiffe Küstenfunkstellen Meteo, Medico offen mithörbar nicht einfach nötig: allgemeines Sprechfunkzeugnis f.d. Seefunkdienst weltweite Abdeckung Störungen möglich sehr unterschiedliche physikalische Ausbreitungsbedingungen Notverkehr alter Art, koordinierter Rettereinsatz ist mithörbar Seefunk-Netze SSBSeefunk im GMDSS* wie oben plus DSC-Controller plus GPS meist komplette neue Anlage nötig DSC noch unverhältnismäsßig teue, alte Transeiver nicht nachrüstbar wie oben plus Selectivrufe (also stumme Hörwache) nicht einfach Zusatzausbildung GOC* zwingend erforderlich wie oben aber etwas sicherere Verbindungen durch Frequenz-Scanning Voll GMDSS* Hörwache auf Schiffen/Land codierte Notrufe +Schiffskennung +Notfallart +GPS-Standort keine Netze SSBAmateurfunk (“HAM-Radio”) jede Art HF-Transeiver Antennentuner Stabantenne o.angepasstes Achterstag Zusatzgeräte (Endstufe) Geräte preiswert Installation aufwändig

geringe Monatsgebühr Betrieb kostenlos weit verbreitet vielfältige Aktivitäten offen mithörbar keine kommerz. Nutzung erlaubt kein"Drittverkehr” kompliziert umfangreiche Prüfung Amateurfunklizez Klasse 1 bzw. B. zwingend nötig Verbindungen mit nichtlizensierten illegal und strafbar prinzipiell wie Seefunk aber durch höhere erlaubte Sendeleistungen theoretisch bessere Bedingungen nicht im GMDSS* Notverkehr nicht vorgesehen

weitläufige Ham-Netze

Pactor (grundsätzlich) SSB-Funkgerät (mit Zubehör) Computer, Software Pactor-Controller Kosten für Controller zwischen 500 und 1.500DM je nach Leistungsfähigkeit Grundsätzliche Bedingungen je Benutzergruppe wie im Sprechfunk Fehlerfreie Übertragung je nach Gruppe folgende Bedingungen Bedienung stes relativ umständlich,für alle Gruppen gleich normale HF-Bedingungen aber geringere Feldstärken nötig nicht im GMDSS* Verkehr kann von Rettern nicht mitgelesen werden HAM Pactor 1 Ausrüstung wie oben plus alte, einfache Controller schon um ca.500 DM langsame Übertragung im offenen Klartext Amatuerfunklizenz normale HF-Bedingungen

nicht im GMDSS* Notverkehr nicht vorgesehen weitläufige Ham-Netze HAM Pactor 2 Ausrüstung wie oben plus aufwändigere neue Controller bis ca.1.500 DM schnelle Binär-Übertragung relativ sicher gegen mitlesen Amatuerfunklizenz normale HF-Bedingungen aber geringere Feldstärken nötig wie oben Pactor via Pin Oakoder Globe Wireless Ausrüstung wie Seefunk aber spezieller Controller der Anbieter nötig plus Computer Controller mit Programm teuer hohe Jahresgebühr dafür dann z.ZT. keine weiteren Übermittlungskosten Controller für kein anderes System nutzbar echt codiert = abhörsicher Bilder möglich keine Lizenz nötig normale HF-Bedingungen nicht weltweit verfügbar Semi-Profess. Ops wie oben keine Netze Not-Mails werden evtl. weitergeleitet Pactor via Sailmail Ausrüstung wie Seefunk plus beliebiger Pactor-Controller plus Computer wie Ham-Pactor niedrige Jahresgrundgebühr keine weiteren Kosten weil einzige billige Alternative zwischen Ham und Profi-Sys sehr überlaufen keine Lizenz nötig normale HF-Bedingungen lange Wartezeiten auf wenige freie Frequenzen wie oben keine Netze Not-Mails werden vielleicht weitergeleitet Pactor via Bern Radio gleiche Ausrüstung wie Seefunk plus beliebiger Pactor-Controller plus Computer wie Ham-Pactor monatliche Grundgebühr mittlere Kosten per Datenmenge (günstiger als Sat) codiert abhörsicher Bilder möglich keine Lizenz nötig normale HF-Bedingungen viele Frequenzen professionelle Abwicklung wie oben keine Netze Not-Mails werden an RCC weitergeleitet

Zusammenstellung von Peter Höbel nach bestem Wissen aber ohne Gewähr, wird bei neuen Erkenntnissen ergänz. Nicht alle Links getestet. Hinweise und Korrektoren bitte an pandarea@gmx.net . Stand 12/1999 COPYRIGHT 1999 by Peter Höbel Edition PANDAREA

*GMDSS Global Maritime Distress and Safety System, weltweiter neuer Seenot-Standard (GOC=General Operators Certificate) ** Gemeint sind die bei Blauwasserseglern beliebten offenen Funknetze für Wetter, Sicherheit und Klatsch zwischen Yachten

Eine Vielzahl anderer Betriebsmöglichkeiten, alte oder solche für Spezialisten (Amtor, Sitor, Clover, SSTV, RTTY usw.) und Facetten, fallen bei dieser Betrachtung unter den Tisch. Ich arbeite auf der PANDAREA neben SSB- und VHF-Seefunk für Kontakt mit nichtlizensierten Yachties auch auf SSB- und CW, VHF-, UHF- Amateurfunk und neuerdings natürlich immer mehr auf Pactor 2 mit e-mail. Zu dieser relativ neuen, sich rapide entwickelnden Betriebstechnik Pactor kommen in jüngster Zeit die meisten Fragen interessierter Segler, deshalb nachfolgen etwas ausführlicher worum es dabei geht.

Computer, Controller und Co. Eine Grundidee ist, auf den meisten Yachten ohnehin gängige Komponenten zu verwenden: Zumeist ist ein leistungsfähiger SSB-Transceiver mit Tuner und Antenne und ein Laptop bei Fahrtenseglern bereits vorhanden. Dann wird lediglich als Bindeglied ein Controller benötigt. Es gibt unterschiedlich leistungsfähige Controller. Der meines Erachtens beste auf dem Mark ist derzeit ein deutsches Gerät aus Hanau, der SCSPTC II für rund 1.400 DM. Die SCS-Leute haben Pactor entwickelt. Billigere Kisten (amerikanischer Herkunft, z.B. KAM) sind bereits für den halben Preis oder darunter zu bekommen. Für “KüFust-” (Küstenfunkstelle)oder Sail Mail Anwender ist davon abzuraten, weil ein geringer qualifizierter Funker damit

KW und Pactor YAESU FT 757-GX mit SCS PTC II Controller seit einem Jahr an Bord der PANDAREA noch mehr Abstimmungsprobleme haben, als ohnehin schon. Zwar ist auch der PTC II gewöhnungsbedürftig, übernimmt aber fast alle Vorgänge automatisch, wenn die richtige Software eingesetzt wird. Ich erinnere mich allerdings an einen Segler, der sechs Wochen verzweifelte Versuche unternahm, bis er die erste mail erfolgreich abgesetzt hat. Auch ich war weit von “plug and play” entfernt. Das Handbuch von SCS ist wenig hilfreich. Es ist zu umfangreich und kompliziert selbst für fachkundige Anwender. Wenn einer die Uhrzeit erfahren will muß er schließlich nicht wissen, wie man das Uhrwerk zerlegt und wieder zusammensetzt…

Hauptproblem ist, die Sendefrequenz ganz exakt zu treffen, sonst hört man zwar das charakteristische Chirp-Chirp, aber ein Link kommt nicht zustande. Paktor 1 kann jeder mitlesen. Paktor 2 ist wesentlich schneller und weil binär “verschlüsselt” (nicht mitlesbar, aber nicht im Sinne des Gesetztes “codiert”…). Es arbeitet fehlerfrei. Vereinfacht beschrieben: Es wird immer ein Datenpaket gesendet und vom Empfänger wieder zurückgeschickt und beim Absender nochmals verglichen. Erst wenn der Vergleich Fehlerfreiheit meldet, kommt die Freigabe für das nächste Datenpaket. Faszinierend dabei ist, daß für sichere Übertragungen lediglich Feldstärken benötig werden, die im oder knapp über dem Rauschen liegen - wie weiland bei der Telegraphie. Sprechfunk würde man unter diesen Bedingungen nicht mehr verstehen können.

Software aus dem Internet Die beste Software heißt “Airmail” stammt von einem amerikanischen Funkamateuer und unglaublich einfach zu bedienen. Das schönste dabei: es ist kostenlos aus dem Internet herunterzuladen. Es läuft unter Windows (mindestens Win 95) (also nix für Mac) und benötigt einen gängigen PC oder Laptop mindestens 486, besser natürlich schneller. Das tandardmäßig zum SCSPTC II aus Hanau mitgelieferte Terminalprogramm läuft unter Dumm-DOS und taugt nur für den Müll. Das ebenfalls kostenlos, sehr komfortable, leicht verständliche und mit erstklassiger Helpfunktion versehenen deutsche Programm JVCOM 32 kann man ebenfalls mit dem PTC II einsetzen. Es ist allerdings weniger für e-mail als für Faxe geeignet. Man kann damit ohne weitere Modems erstklassige Wetterfaxe empfangen und sogar eigene Funk-Bilder (SSTV) senden.

Wenn - ja wenn man für all diese schönen Spielereien eine gültige nationale Amateurfunklizenz hat. (Hast Du eine..?) Schummeln, wie bei einigen Wetter-QSOs oder berüchtigten Schwarz-Funk-Yachtie-Netzen im Pazifik läuft hier nicht. Die Rufzeichen sind Schlüssel für den Zugang zu den Mailboxen und werden von den Betreibern, überprüft. Schlaumeier, die’s trotzdem gemacht haben und zum Beispiel mit falschen Panama-Calls gesendet haben, sind der Gemeinde bekannt. Und natürlich sind schriftlich gespeicherte Beweise für illegale Aktivitäten die später von einschlägigen Behörden immer mal wieder gerne in Sachen Bußgeldbescheid verwendet werden, von anderer Qualität, als das flüchtig gesprochene Wort.

Mails & More Womit wir bei der Betriebstechnik wären. Man schreibt zunächst wie gewohnt per PC den Text wie bei jedem anderen e-mail Programm auch. Dann sucht man aus der Tabelle den Ausbreitungsbedingungen entsprechende passende Paktor-Mailbox (“MBO”) heraus, stellt den Transeiver auf die Frequenz plus oder Minus Shift (je nach USB oder LSB) lauscht, ob das Band frei ist (!) und drückt die Airmail-Starttaste. Ein chirpendes Geräusch ertönt und wenn wir Glück haben erwischt uns der Scanner der MBO. Wir checken ein. Normalerweise heißt uns in der Box willkommen und speichert uns als User. Manche MBOs, die stark frequentiert sind, haben 30 oder 60 Minuten tägliches Zeitlimit, damit alle mal dran kommen. Ich bevorzuge weniger stark nachgefragte MBOs und schreibe dem Operator zu Beginn immer erst ein paar freundliche persönliche Zeilen. Erstens finde ich, das gehört sich so, wenn die Leute schon ehrenamtlich und kostenlos solche Dienste anbieten. Und zweitens, wenn man sich kennengelernt hat, kann man auch gelegentlich aufkommende Problemefälle einfach lösen.

Das Programm läßt einen wählen, ob zuerst neue gespeicherte Post ausgelesen oder die eigenen Texte gesendet werden sollen. In der Box wird der Text empfangen , zwischengespeichert und dann per Internet manchmal über verschlungene Wege weiterversandt. Retour geht das analog. Manche MBOs bieten sogar “Bulletins” an, die automatisch bei jedem Checkin aufgelistet werden. Die gewünschten Themen aind einzeln abrufen. Sie reichen von aktuellen Sturmwarnungen über Funkausbreitung bis zu Antennen und Weltraum-Infos oder unterschiedlichsten Diskussionsforen.

Nebenstehend Muster der Bulletin-Liste eines Tages mit einer Fülle von Themen von HS0AC in Bangkok

NUMBER TS SIZE TO FROM AT FILED(Z) SUBJECT

142956 BN 8017 PACTOR TU5EX WW 1201/1552 TU5EX fwd log. 142954 BN 5673 PACTOR VE2FK WW 1130/2346 PTCnet Dec 01/99 142953 BN 4315 FUNKWX DL9ZEA WW 1201/0902 RadioWX-Calendar 01Dec. 142952 BN 4449 PACTOR VK5RQ WW 1128/0327 VK5RQ OP-28.11.99-DITO 142949 BN 4594 FUNKWX DL9ZEA WW 1128/1011 RadioWX-Calendar 28Nov. 142939 BN 8399 ALL EA1IW AMSAT 1123/1908 142938 BN 8102 ALL EA1IW AMSAT 1122/1404 INTERNATIONAL SPACE STN 142937 BN 5395 NEWS KD2BD AMSAT 1130/2252 * SpaceNews 01-Nov-99 * 142934 BN 3973 ALL EA1IW AMSAT 1122/1404 SPACE SHUTTLE STATUS RPRT 142933 BN 8341 ALL CT2GWY AMSAT 1128/1744 INT. SPACE STATION RRPT 142932 BN 7257 ALL EA1IW AMSAT 1126/1229 ISS STATUS REPORT #46 142916 BN 18698 PACTOR DF7ML WW 1201/0456 MBOlist NA (99 Dec.4/5) 142915 BN 16442 PACTOR DF7ML WW 1201/0450 MBOlist EU (99 Dec.1/5) 142914 B 1453 EMV DM2BLE HS0AC 1202/1430 Wi.-D.TA33-JRv.HyGain 142913 B 1426 EMV DM2BLE HS0AC 1202/1428 Wi.-D.CL33M-v.Mosley 142912 B 2805 EMV DM2BLE HS0AC 1201/2131 Wi.-D.CB-Ant.fuer 10-80m 142911 B 2492 DARC DL4KCK HS0AC 1202/1353 andere Laender,… 142910 B 3403 DARC DL0DL HS0AC 1202/1232 Ergänzung DL-RS Nr.39/99 142908 B 4756 DARC DJ4QG HS0AC 1202/1149 Der “Tag des Amateurfunks” 142907 B 1711 EMV DM2BLE HS0AC 1201/2041 Wi.-D.X7-CushCraft 142906 B 8303 DARC DL0DL HS0AC 1202/0627 DL-Rundspruch Nr. 39/99 142897 B 1237 EMV DM2BLE HS0AC 1201/2021 Wi.-D.Angelrutenb.f.10m 142895 B 1650 DARC DF5AA HS0AC 1201/1703 Frage zur Selbsterklaerung 142894 B 1298 EMV DM2BLE HS0AC 1201/2017 Wi-D.G3LDO-Doppel-D-Beam 142893 B 1153 DARC DJ2HH HS0AC 1201/1832 re dd6ou HSM 142873 BN 5284 NEWS DL1ZAV THA 1202/1003 * SpaceNews 29-Nov-99 * 142872 BN 1675 WX HS0AC MM 1202/1002 Cycl.Indian OCEAN 02Dec08:0 142871 BN 2073 WX HS0AC MM 1202/1001 Cycl.Pacific OCEAN 02Dec08:0

[MID: 1358_DL2MAS Received Via: HS0AC Date: 1999/12/03 00:17:06]

Sicherheitskopie im Cybercafe Es soll nicht verschwiegen werden, daß auch gelegentlich mal eine mail auf Nimmerwiedersehen im Orkus verschwindet. Für den cleveren Yachties empfiehlt es sich, eine landgestütze Sicherung einzubauen. Ich habe zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen und das so gelöst: Um eine feste edress zu haben, damit die mail-Partner nicht ständig mit meinen wechselnden Seegebieten neue edressen brauchen, habe ich bei einem der kostenlosen Provider eine ständige edress eingerichtet. Bei mir ist das gmx.net (oder gmx.de) in Deutschland. “Hotmail” oder “yahoo” oder kommerzielle Provider wie aol oder Compuserve gehen natürlich auch. Von dort habe ich als Mini-Schneeballsystem drei Weiterleitungsadressen eingerichtet: Von der 1.Adresse gehen zwei Weitrleitungen auf zwei unterschiedliche MBOs, die ich je nach Funkausbreitungbedingugen per Pactor2 abfragen kann. Die dritte geht als Backup an eine gmx-mailbox zurück. Diese gmx.box speichert 30 Tage und ich checke sie bei Landgängen regelmässig von Cybercafes aus. Mails, die schon kenne werden überblättert oder gleich gelöscht, Gelegentlich taucht doch mal eine auf, die mir per Funk durch die Lappen gegangen ist (siehe Gründe weiter unten).

Ich sende zur Zeit aus dem indischen Ozean über VK7PU, Phil in Tasmanien (Australien) und HS0AC, Rudolf in Bangkok (Thailand). Im Pazifik, von Panama bis französisch Polynesien hatte ich ueber zwei verschiedene US-amerikanische Relais gearbeitet, dann über VK2AGE in Melbourne (Australien). Die gewünschte Umleitung zu anderen MBOs in dem weltumspannenden Geflecht kann ich von jedem Internetcafe aus ändern, meine Korrespondenzpartner bekommen das in der Regel gar nicht mit. Müssen sie auch nicht. Es funktioniert. Im Schnitt gehen bei mir täglich sechs bis acht mails in die Luft.

Wissen und beachten müssen die Nutzer zuhause für den Mailverkehr einige technische Einschränkungen:

  • Übermittelt wird nur PLAIN TEXT. Keine HTML-Formate, keine Dateien, keine Attaches. Texte, die “verbotene” Elemente enthalten, werden von den meisten MBOs automatisch gelöscht, ohne dass der Absender dies erfährt. Dumm gelaufen…
  • Möglichst nicht die Reply-Funktion verwenden, weil der Text sonst in der falschen (weil vielleicht schon nicht mehr aktuellen) Relaisstation landen kann. Ausserdem senden Yachties oft in wechselnden Cyber- oder Internetcafes.
  • Falls Reply ausnahmsweise doch funktioniert, nicht den ursprünlichen Text mit zurückquoten. Das wird manchmal auch komplett gelöscht, zumindest aber nicht gerne gesehen, weil die Hams ihre Boxen nicht zumüllen lassen wollen.
  • Möglichst auf deutsche Umlaute, scharfe “s”, Akzente, Anführungszeichen und andere Sonderzeichen verzichten, weil die verst'fcmmelt werden (Re: =?ISO-8859-1?B?R3L832U=?= zur Arafura See) stand neulich im Betreff der mail eines Segelfreundes an mich. Schlau bin ich daraus nicht geworden, zum Glück kannte ich aber den Absender zwecks Rückfrage. Fehlerfreie Übermittlung bei Pactor bezieht sich auf die Signale, nicht auf die Texte.
MMM102 - Grey Mice - 99NOV15

R:991115/0731z @:ZS5S.ZAF.AF [AfricaLink] #:322145

A message of interest to hams operating Maritime Mobile.

Following MM's are operating on digi modes but their data has

expired or is insufficient/incomplete to be included in the

CMM bulletin.

 DATE,  CALL,   NAME,   VESSEL,      QTH,        Home MBO/xxx, rprt by

 -----------------------------------------------------------------------

 OCT31, 6W7ENN, Karl,   MANA,        Turkey,         -,          ZS5S

        a self confessed pirate as per bulletin SEP15!

 OCT12, AA1MQ,  Kathy,  COPASETIC,   FL,             N0ZO/---,   WG3G

 NOV12, AA4MW,  Mike,   ICHI,        Mooloolaba ,    VK2AGE/-,   WG3G

 NOV14, AB6CS,  Jay,    SKYWAVE,     Vanuatu,        VK2AGE/---, ZS5S

 SEP25, DK1TU,  Harald, AIDA,        Noumea,         ZL1MA/akl,  DK1TU

 OCT28, DL1HTU, Heidi,  EARLY BIRD,  Cyprus,         OE4XBU/dur, DL1HTU

 OCT17, DL1XAC, Carlos, MARIELLE BOLTEN, PAN cnl>AUS,N0ZO/lee,   ZS5S

 JUL25, DL2KAI, Thomas, NOVEMBER,    Panama,         -/-,        ZS5S

 NOV12, DL4FDB, Uschi,  VAMOS,       T'dad vis DEU,  WG3G/pos,   WG3G

 OCT24, DL4MDJ, Udo,    MAPEMA,      Trinidad,       KB6YNO/sju, KB6YNO

 SEP25, DL6OBI, Klaus-D.CHEZ NOUS,   Tonga,          VK2AGE/akl, ZS5S

 OCT17, DL7AAO, Heiko,  HEIKON,      Canary Isl.,    KB6YNO/sju, KB6YNO

 NOV12, DL8BHM, Heiner, DOERTITA,    Trinidad,       WG3G/pos,   WG3G

 OCT30, EL0BF,  Jim,    CHAMPAGNE,   NZL,            VK2AGE/---, ZS5S

...

OCT19, HP1XSL, Stefan, BELLADONNA,  > Tonga,        VK2AGE,---, ZS5S

...             (possibly operating illegally)

...

 SEP25, KD7ATE, -,      -,           -,              VK2DW/-,    VK2DW

                (possibly operating illegally)

This bulletin is issued on the 15th of each month.

Please send additional details to ZS5S @ ZS5S.ZAF.AF or

via E-Mail:  zs5s@iafrica.com

BV and 73 de Joost, ZS5S

- end -

[MID: MMM_102 Received Via: HS0AC Date: 1999/11/20 02:46:01]

Bulletin-Beispiel: Stark gekürzte Liste der Leitstation ZS5S /Afrika.

Der guten Ordnung halber sei die Rechtslage erwähnt. Auf Schiffen unter deutscher Flagge, egal wo auf der Welt, ist uneingeschränkt das deutsche Amateurfunk- gesetz gültig (Pactor wie Sprechfunk). Grundsätzlich ist Pactor über Amateurfunk transparent. Jeder kann etwa die Nutzer der letzten 24 Stunden jederzeit auflisten. Eine Leitstation in Südafrika veröffentlicht alle 14 Tage “chirpende MM-Stationen” und eine “graue Liste” in “Bulletins”.

Diese Öffentlichkeit ist logisch, da die Amateurfunkgesetze weltweit ( also nicht nur in Deutschland) kommerzielle Nutzung und verschlüsseln ausdrücklich verbieten, sogar unter Strafe stellen. Zulässig sind streng genommen nur Botschaften mit privatem und (funk-)technischem Inhalt im Klartext von lizensierten Funkamateueren an lizensierte Funkamateure. Unzweideutig ist auch: Das deutsche Amateurfunkgesetzt verbietet die technische Verbindung zwischen Amateurfunkgeräten und öffentlichen fernmeldetechnischen Einrichtungen. Mailboxen in Deutschland kommen daher als Internet-Gate nicht in Frage. Deshalb läuft der Internet-Traffic nur über Boxen in Nordamerika, Australien und Asien. In diesen Ländern ist “Phone-Patch” , also die Ankopplung von Amateurfunkgeräten an Fernmeldeanlagen,erlaubt. Weiterleitung von Nachrichten ist mit Einschränkungen auch für deutsche Amateure möglich - sagen die Juristen. Es gibt eine geduldete Praxis an der Grenze deutscher Legalität: Der hochfrequente Teil der Übermittlung, also Funk muß zwischen lizensierten Funkamateuren, beispielsweise Schiff-“Phonepatch-Land” laufen. Dort kann die Landstation mails ins Internet einspeisen und weitersenden. Begründung: Ebensogut könnte der empfangendeFunkamateur diese mail ja auch ausdrucken, in einen frankierten Umschlag stecken und weiterschicken. Dieser Weg hat dann mit Amateurfunk nichts mehr zu tun. Klar?

Für Nichtlizenzinhaber bleiben drei Alternativen in unterschiedlicher Qualität und Preislage. Die gute alte “Küstenfunkstelle” Bern Radio in der Schweiz und PinOak USA bieten Pactor-Service kommerziell und Sail Mail in den USA semiprofessionell an. Andere - auch öffentliche - Funkstellen, die vergleichbare Dienste anbieten, sind mir nicht bekannt.

  • Bern Radio setzt ein gültiges Schiffsrufzeichen mit angemeldeter Seefunkstelle (und gültigem Betriebszeugnis des Funkers versteht sich) voraus und kosten neben 50 Fränkli monatlicher Grundgebuehr ganz grob einen Franken für etwa zwei Schreibmaschinenzeilen. Also teuer, aber immer noch biller als Satelitenfunk.
  • Pin Oak Digital (ca. 300 US Dollar Jahresgebuehr und Uebermittlungspreise nach Datenmenge) und Globe Wireless machens nicht ganz so formell, wie eine amtliche Küstenfunkstelle, decken aber mit erreichbaren Relaisstationen nicht die ganze Welt ab und vor allen Dingen: Man muß deren Pactor Controller und Programm erwerben. Die Gerätschaft ist dann zu nichts anderem zu gebrauchen. Dafür bekommt man aber Wetterkarten und kann sogar Farbbilder senden.
  • Die einzige billige und lizenzfreie Alternative für den Budget-Yachtie heißt Sailmail und ist mehr oder weniger eine amerikanische One-Man-Show, die von Firmen wie WEST MARINE und Icom gesponsert wird. Kosten: 200 USD pro Jahr als Grundgebuehr und sonst nix mehr. Man braucht keine Lizenz, weil halblegal auf den Marinebändern georgelt wird. Ein Schiffs**rufzeichen (vier Buchstaben), falls nicht vorhanden, wird notfalls erfunden. Keiner kontrolliert’s. Entsprechend “ausbaufähig” ist der Service. Ungefähr tausend Yachties warten oft tagelang, bis sie eine kleine mail auf eine der wenigen frei Frequenz quetschen können. Aber Fahrtensegler haben ja bekanntlich Zeit…

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