Ob Regattasegler oder stolzer Besitzer einer Segelyacht, ob Chartersegler, Küstensegler oder Blauwassersegler, für jeden ist Kap Horn ein Synonym für gefährliche Seefahrt, für unberechenbare Stürme und Strömungen, für brutale See. Nicht ohne Grund liegt dort der größte Schiffsfriedhof der Welt.

Aber was ist dran an den vielen Gerüchten und zahlreichen Horrorgeschichten, wenn es um das Kap an der Südspitze Südamerikas geht?

Unzweifelhaft ist das legendäre Kap Horn und das Gewässer drum herum ein gefährliches, ja zurecht gefürchtetes Revier. Ob die in vielen Publikationen angegebene Zahl von 10.000 Todesopfern, die der Fels in der Seemannshistorie gefordert habe, richtig ist, weiß ich nicht. Aber seine immens hohe Gefährlichkeit hat er seit jeher unter Beweis gestellt.

Er ist das “Tor zur Hölle”, wie ihn der Verleger Stefan Krücken in seinem wirklich lesenswerten Bericht “Der letzte Kap Hoornier geht von Bord” über den großen Kapitän Hans Peter Jürgens, einen echten Kap Hornier, bezeichnet hat.

Das Kap Horn ist sicher schon seiner Lage wegen ein Begriff, denn bis Anfang des 20. Jahrhunderts, man stelle sich das plastisch vor, führte mangels Panama-Kanal der gesamte Welt-Berufsschiffsverkehr um diese felsige Insel.

Obwohl es immer schon einen zweiten Weg vom Atlantik in den Stillen Ozean gegeben hat, und das ist die Passage durch die Magellanstraße. Aus vielen Gründen aber spielte diese Seestraße nur eine untergeordnete Rolle; vor allem kann sie bei weitem nicht so bequem und schnell durchfahren werden, wie das bei günstigen Winden am Kap Horn der Fall ist. Und schon immer galt in der Geschäftswelt unumstößlich: „Zeit ist Geld!“

Sorry - no Cape Horn

Unendlich oft in meiner Segelkarriere bin ich mit dem Begriff “Kap Horn” konfrontiert worden. Schon auf den ersten Seemeilen im Golf von Lyon fragte ich, elektrisiert durch die damaligen Reportagen über Francis Chichester, den von uns sehr bewunderten Captain Malcom Horsley, ob er schon einmal um das Kap Horn gesegelt sei. Horsley, der bei seinen Chartergästen gern als „bester Käptn der Welt“ verehrt werden wollte, atmete tief durch, überlegte wohl, ob er uns einen Bären aufbinden solle, antwortete dann aber doch mit düsterem Blick: “Leider nein!“. Für uns unerfahrene Mitsegler klang das nach Bedauern, eine seemännische Pflichtaufgabe noch nicht erledigt zu haben. Nebenbei: Captain Horsly war später der Skipper auf der damals weltberühmten Yacht STORMVOGEL, mit der er, wohl als erster Segler, das Kap Horn an einem Nachmittag in beiden Richtungen passierte. Nur so zum Spaß!

Als wir auf unserer THALASSA II in England im Mast ein Radargerät installieren ließen und Zweifel bekamen wegen der Festigkeit und der Perforation des Großmasts, antwortete bei der Reklamation der Verkäufer gewandt: “Sie wollen ja doch nicht um Kap Horn segeln?”

Bernard Moitessier, Poet und Segelheld

Der erste Artikel, der mich in der YACHT förmlich faszinierte, war vor mehr als 50 Jahren ein Bericht von Bernard Moitessier über das Abwettern eines Sturms am Kap Horn. Daraus entstand das unnachahmliche Buch “Kap Horn, der logische Weg!”, welches uns unser ganzes Segelleben begleitete. Und es war maßgeblich dafür verantwortlich, dass wir später eine ähnliche Reise mit unserer THALASSA II unternahmen, nämlich von Tahiti direkt nach Argentinien, selbstverständlich um Kap Horn.

Zahllose Yachten haben schon versucht, das Kap Horn zu runden und es nicht geschafft, so dass sie aufgeben mussten. Der bekannte amerikanische Blauwassersegler Hal Roth beispielsweise scheiterte bei seinem ersten Versuch, das Kap Horn zu bezwingen, ebenfalls und gab auf - später schaffte er es mit seiner Segelyacht WHISPER doch noch.

Die französische Segelyacht DAMIEN kenterte eigenen Angaben zufolge nicht weniger als sechsmal in diesen Gewässern.

Todesfalle Kap Horn

Beim Sundowner in Westindien auf einer schweren, dickbauchigen Holzyacht passierte es: Während der drahtige Skipper an seinem Strohhalm den Alkohol saugte und von den Austral-Inseln südlich von Tahiti als dem echten Paradies schwärmte, deutete er auf den Teakdeck-Boden unter ihm und murmelte: „Diese Yacht ist stark, es ist die berühmte TZU HANG.“

Ich schauderte. Die TZU HANG? Der Skipper nickte. Ich fühlte mich unwohl auf diesem Schiff.

Denn das Schicksal dieser Ketsch, dieser 15 m langen Yacht aus schwerem Holz, kannte ich aus der Literatur. Miles Smeeton hatte damals sehr eindringlich in seinem Buch “Once is enough” beschrieben, wie diese mächtige Yacht beim Versuch, das Kap Horn zu umrunden, durchkenterte. Und einen Mann dabei verlor. „Einmal ist genug“ also folgerichtig der Titel seines Buches.

Der deutsche Weltumsegler Dr.Jörgen Mayer verschwand mit seiner 12-Meter-Sperrholzyacht bei dem Versuch, die Welt nonstop zu runden, in den brüllenden Vierzigern, möglicherweise am Kap Horn – wie wissen es nicht. Betrüger behaupteten, ihn in Südamerika gesehen zu haben. Tatsache ist, dass er sich von Australien aus am 2. Februar 1975 zum letzten Mal gemeldet hat.

An ein Kaffekränzchen in Tahiti auf einer Holzyacht denke ich nur mit tiefer Wehmut. Wir waren im November 2002 von Klaus Nölter und seiner Lebensgefährtin Johanna Michaelis auf ihre Yacht OLE HOOP eingeladen. Papierbilder durfte ich abfotografieren, um einen Eindruck von seiner generalüberholten Yacht zu bekommen. Die Ole HOOP sollte Kap Horn in beiden Richtungen umrunden. Nach einem kurzen Zwischenaufenthalt auf der Osterinsel verschwand die OLE HOOP mit ihrer Mannschaft vor Kap Horn für immer - siehe hier!

Als ich 1972 in Tahiti mein Ruder unter Wasser reparieren musste, tauchte mit mir der berühmte Franzose Bernard Moitessier, der vom Golden Globe-Race zurückgekommen war. Für dieses Rennen musste man einhand und nonstop um die Welt segeln. Moitessier, ein Philosoph unter Segel hatte Kap Horn bereits überrundet, als er sich entschloss nicht nach Norden (England) zu segeln, sondern er brach das Rennen ab, weil Europa ohnehin am Ende sei - das war vor 50 Jahren! Seinen Frieden, glaubte er ein paar tausend Seemeilen weiter zu finden, nämlich in Tahiti zu finden, wo wir ihn trafen.

Bernard war ein echter Lebenskünstler. Wer übrigens die Masten seiner 12-Meter-Stahlyacht JOSHUA genau anschaut, wird feststellen - nein, das kann nicht sein? - wird feststellen, dass diese weder aus Aluminium, noch aus formverleimtem Holz bestehen. Es sind Telegraphenmasten. “Ja, Bernard, wo hast Du denn Telefinmasten her? Er lächelte vor sich hin: “Die stehen ja überall rum!” Ein echter Moitessier eben! Alle mal gut für eineinhalbmal um den Globus? Für einen großen Moitessier schon.

Als er auf unserer Yacht THALASSA, ein 34-Fuß-Kunststoffkreuzer stand, meinte er in seinem schlechten englisch: „Schönes Boot, damit kannst Du um Kap Horn segeln.“ Hatte ich richtig gehört? Damals dachte ich: Nie und nimmer, nach all dem, was ich über das berüchtigte Kap Horn gehört hatte!

Und das berühmteste Beispiel einer versuchten Kaphorn-Passage ist eine, die wohl jeder von uns kennt. Sehr realistisch ist die Szene hinreißend dargestellt im Film “Die Meuterei auf der Bounty“ mit Marlon Brando, diesem Klassiker der Weltliteratur. Damals wurde jedem von uns erst so richtig bewusst, welcher Preis für eine verfehlte Passage am Kap Horn zu zahlen war: nämlich anstelle des Weitersegelns rund Kap Horn das Nach-„links“-abbiegen, um den viel weiteren Weg über das Kap der guten Hoffnung zu nehmen, ein paar tausend Seemeilen mehr!

Wie schwierig ist Kap Horn - es kommt drauf an!

Damit stellt sich nun die Frage, welche Route um Kap Horn die leichteste und welche die schwierigste ist. Ein Aufsatz zu diesem Thema vor vielen Jahrzehnten hat hier definitiv die Weichen - falsch - gestellt. Denn lapidar erklärte der Autor, sicher in bestem Gauben, die leichteste sei von West nach Ost mit den herrschenden Weststürmen, und die schwierigste, damit auch die gefährlichste der Weg von Ost nach West, weil gegen die brutalen Stürme und den bösartigen Seegang, gleichgültig, mit welchem Segelschiff, kaum anzukommen sei.

Es ist schon richtig, dass die Sturmhäufigkeit dort am Kap Horn eine der höchsten auf der ganzen Welt ist. Das ist aber nicht der Grund allein, warum die Passage ums berühmte Kap so problematisch ist.

Das Problem ist in dieser Gegend nicht die harten bis grausamen Stürmen bei Eiseskälte, sondern die Tatsache, dass der südlichste Punkt Südamerikas weit in die brüllenden Vierziger und Fourious Fifties jenseits der 50° Süd hineinragt, so dass sich der Seegang entlang dem 50.en südlichen Breitenparallel rund um die Erde ungestört durch Felsen oder Inseln über tausende Meilen aufbauen kann.

Als die erste deutsche Segelyacht das Kap Horn umrundete, haben deshalb viele unwidersprochen geschrieben, dass diese Passage etwas besonderes, schwieriges sei, weil sie auf der schwierigen Route, nämlich von Ost nach West, erfolgte.

Route der Weltrekorde

Das bringt uns zu einem entscheidenden Punkt in der Beurteilung von Kap Horn-Passagen:

Wie überall auf der Welt, herrscht am Kap Horn nicht für Monate die gleiche Wetterlage. Ganz im Gegenteil: Im Sommer, also im deutschen Winter, passiert es fast regelmäßig, dass der Wind einschläft oder nur noch ganz schwach weht. 2-3 Windstärken sind dann nicht unüblich, also bestes Segelwetter – bis das nächste Sturmtief heranrauscht. Fast regelmäßig wechseln so die Wetterlagen alle zwei bis drei Tage. Befindet man sich zum Beispiel in Porto Williams, das ist der südlichste Yachthafen der Welt, lässt es sich gut abwarten, bis ruhiges Wetter ist. Oft herrscht dann Flaute am Kap Horn, so dass es sich beim Runden von Kap Horn um nichts anderes als um einen Küstentörn in gemäßigten Zonen handelt.

Das erklärt auch, warum am Kap Horn schon alle möglichen Rekorde aufgestellt wurden: Passage mit einem Kajak (von einem Engländer zu Beginn des 20. Jahrhunderts) oder gar eine Schlauchbootfahrt um das Kap oder, das dürfte Weltrekord sein, schwimmend die Felsspitze zu passieren. Was man dazu braucht, ist lediglich die Geduld, eine solche Wetterlage abzuwarten.

Kap Horn heavy

Aber keine Frage, so eine Passage lässt sich nicht mit der Route der Rahsegler vergleichen, die aus dem offenen Atlantik an den Staaten Inseln vorbeikamen und dann nonstop weitersegeln mussten, um in Chile Salpeter abzuholen. Und dann die ganze Strecke zurück, meistens mit Rückenwind am Kp Horn vorbei, also dann die weniger schwierige Kap-Horn-Umrundung

Eines dieser Schiffe, war die Peking, die heute an der Pier in Hamburg liegt. Der Windjammer ist eine Viermast-Stahlbark und gehörte zu den berühmten Flying P-Linern der Reederei F. Laeisz. Wie drei Viertel der Segelschiffe dieser Reederei ab 1877 erhielt sie analog zum Spitznamen Pudel der Sophie Laeisz, Ehefrau von Carl Laeisz, einen mit „P“ beginnenden Namen. So wie auch die Preussen, die Padua oder die Pamir und die Passat, die wohl in einem Orkan gesunken ist, weil wahrscheinlich die Getreideladung in ihrem Bauch verrutscht ist. Sie hatte sicher ebenfalls so einen Laderaum, wie die Peking, sodass man sich leicht ausrechnen kann, welche Folge eine verrutschte Ladung für Folgen hat. Schwierig muss es gewesen sein, so ein riesiges 115 Meter langes Schiff - ohne Maschine wohlgemerkt - über die Weltmeere zu segeln. Und das in den Stürmen der südlichen Breiten. wo sie gelegentlich auch ihre Höchstgeschwindigkeit von 17 Knoten erreichen konnte. 34 mal umrundete der P-Liner Kap Hoorn und immer gings um Salpeter, der aus Chile geholt werden musste. Um welche Menge es dabei ging, erzählt der riesige Laderaum.

Obgleich die Bounty wesentlich kleiner als die Peking war, hatte sie natürlich mit den gleichen Schwierigkeiten wie die Peking zu kämpfen. Schlimmer noch, weil ihre Am-Wind-Eigenschaften sicher im Vergleich zur Peking armselig waren. Die für wesentlich kleiner Yachten relativ leicht erreichbaren schützenden Buchten in der Kap-Horn-Gegend wären für die Windjammer wegen deren armseligen Kreuzeigenschaften zu gefährlich und für die Bounty wahrscheinlich unbekannt gewesen.

Derartige Ausflugstörns aus einer geschützten Bucht oder aus dem Yachthafen zum Kap Horn sind schon deshalb nicht mit den Routen der Windjammer oder mit den Kursen von mutigen Yachtsmännern zum Beispiel während eines Einhand-nonstop-Rennens um die Welt zu vergleichen, weil jene keine Chance haben, das “richtige” Wetter abzuwarten. Der Rahsegler und der Regattasegler muss auf seinem Kurs zum Kap Horn das Wetter nehmen wie er es am Horn halt gerade antrifft. Unterwegs zum Kap hat er die Chance, seine Segelei nach dem wette auszurichten, am Kap selber muss er es nehmen, wie es ist. Das ist der Moment der Wahrheit, der bei “Kap Horn light” nicht existiert, oder der bei Zeitdruck die entsetzlichen Folgen wie im Fall TZU HANG führen kann, wenn mal zum Beispiel ein mörderischer Sturm mit Wellen bis zu 20 Metern Höhe herrscht.

Die Anfahrt über lange Strecken macht es schwierig

Der Seemann, der sich von weither auf der offenen See Kap Horn nähert, wird versuchen, mit Hilfe von Windkarten die Quadrate mir der geringsten Sturmhäufigkeit zu suchen und diese dann auf dem Weg zum Kap Horn zu durchqueren. Trotzdem wird er es vielleicht erleben, dass er die Südspitze Südamerikas nicht direkt anlaufen kann. Wir wurden mit unserer THALASSA II weit nach Süden abgetrieben, so dass wir gar südlich der Ramirez-Inseln rauskamen und von dort nach NE zum Kap Horn steuern mussten.

Aber dann am Kap Horn, da bist Du am „Tor zur Hölle“, wie es der tapfere Windjammerkapitän Hans Peter Jürgens beschrieb. Hier noch rumtricksen zu wollen, dafür ist es jetzt zu spät!

“Echte” Kaphorniers auf dem Passenger-Liner oder auf der Charteryacht

Dass mit einer gewissen Regelmäßigkeit am Kap Zeiten mit ruhiger Wetterlage herrschen, wird gelegentlich von Ausflugsschiffen, die gerade von der Antarktis kommen, genutzt, um die neugierigen und sensatsionsheischenden Touris ausweislich von Hunderten an sie verteilten Urkunden zu “echten” Kap Horniers zu ernennen.

Und selbstverständlich machen sich diesen Umstand auch Charterfirmen zu Nutze, die bei einem Ein-Wochen-Törn Zeit genug haben, eine gute Wetterlage abzuwarten, um ihren zahlenden Gästen von überall auf der Welt eine Passage am Kap Horn zu präsentieren und sie dann mit Medaillen, Wimpeln oder eben Urkunden auszuzeichnen.

Man kann also die Gefährlichkeit am Kap Horn durchaus in drei Schwierigkeitsgrade einordnen.

Zum Besuch des Kap Horns mit einem Passagier-Schiff bei gutem Wetter (wenig Wind, geringer Seegang) habe ich mich bereits geäußert. Als wir mal eine solche Passage erlebt haben, veranstalteten wir am Abend zuvor auf der Charteryacht in einer Bucht eine Grillparty; die Bucht war so geschützt, dass dies am Strand bei spiegelglattem Wasser und 6 km entfernt vom Kap Horn ohne weiteres möglich war.

Routen der Windjammer sind die Königsdisziplin

Die Passage mit den früheren Rahseglern war auf der Hinfahrt in den Pazifik bei schlechtem Wetter sicher die schwierigste, die man sich vorstellen kann – siehe Bounty. Die Segelschiffe, meist ohne Maschine, hatten kaum Möglichkeiten, zum Beispiel bei Flaute Wegstrecke zu gewinnen, es war ihnen auch zu gefährlich, schützende Buchten aufzusuchen, selbst wenn sie ihnen bekannt gewesen wären. Sie mussten vielmehr unbedingt diese Passage durchziehen, schon aus geschäftlichen Gründen. Schreckliche Schilderungen stammen aus dieser Zeit, wenn wieder einmal ein Mann aus dem Mast in das tobende Wasser gefallen war und dem Captain nichts weiter übrig blieb, als nach einer Anstandszeit von ein paar Stunden weiter zu segeln, ohne den Mann!

Somit lassen sich die Kap Horn-Umrundungen einteilen in die schwierigsten auf der offenen Strecke von West nach Ost und, nicht viel weniger schwierig, aber bei gutem Wetter machbar, die Passage vom Pazifik in den Atlantik, und, in keiner Weise vergleichbar mit den zuerst genannten: den Besuch des Kap Horns von einer schützenden Bucht aus bei gutem Wetter.

Erst neulich lief ein Film im Fernsehen, der zeigte, wie unter Ausnutzung des besten Wetters ein Passagierliner mit circa 300 Touristen zum Kap Horn dampfte, den staunenden Urlaubern zum Fotografieren Kap Horn aus nächster Nähe zeigte und ihnen dann großartige Urkunden aushändigte, wonach sich jetzt alle Passagiere stolz „Kap-Hornier” oder „Kap-Horniere” bezeichnen dürften.

Der Vergleich mit dem Mount Everest, dem Symbol beim Bergsteiegen schlechthin, so wie es Kap Horn in der Seefahrt ist, drängt sich auf. Auch von dort kommen ungute Bilder. Man sieht hunderte dichtgedrängte Bergsteiger, die in langen Schlangen versuchen, den Gipfel zu erklimmen. Auch wenn die Teilnehmer an diesen organisierten Touren wenigstens körperliche Höchstleistungen erbringen - dennoch leidet darunter die Ehrfurcht vor dem Berg.

Und die organisierten Ausflugstouren ums Kap Horn schmälern den hehren Ruf dieses legendären Felsens. Man gedenke besser mit großem Respekt der Berufssegler des 19. Jahrhunderts, die sich monatelang ohne Maschine Tausende von Meilen den Weg in die Südsee erkämpfen mussten. Oder auch an die tapferen Teilnehmer am Golden Globe Race, die sicherlich aufatmen, weil sie nur noch 7000 Seemeilen vor sich haben.

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