Frage von Peter Förster:
Lieber Herr Schenk,
Mit großer Freude 🤩 finde ich von Ihnen eine “marktpolarisierende” Aussage zu bestimmten Bootstypen!
Ich bin in dem bemitleidenswerten Zustand, mich hoffnungslos in eine Bavaria 390 Lagoon 💁♂️ verliebt zu haben. Nun würde ich mich freuen, Ihre Expertenmeinung zu hören/lesen.
Eine Bavaria 390 Lagoon erscheint uns deutlich solider gebaut, als die aktuelle Bavaria Linie und zudem perfekt für eine kleine Familie geschnitten: Große Achterkabine für Mama & Papa und jedem Kind seine eigene, kleine Vorschiffskabine. Abends kann man in der Plicht sitzen ohne die schlafenden Kinder zu stören, was bei den meisten Booten mit achtern zwei Kabinen zwangsläufig vorkommt. Die Vorschiffskojen mögen für große Erwachsene recht klein geschnitten sein, doch für kleine Kinder reicht der Platz bis weit ins nächste Jahrtausend hinein.
Der vierköpfigen Familie ist es egal, doch für den nicht motorbootfahrenden Wassersportler wichtig: Die Segelfläche beträgt 87qm, also gut betakelt für die meist leichtwindige, nördliche Adria. Angeboten wurden Rollgroß sowie Lazy-Jack Systeme, gut gefiel mir eine Variante mit Groß, Arbeitsfock für etwas mehr Wind und Genacker für den eher üblichen Adira-Hauch. Der Traveller liegt - sicher für die neugierigen Kinderhände - vor dem Niedergang.
Was erwarten wir: Meine Familie zunächst eher das Wohnboot, halt ein “Wohnwagen mit einem Pin oben drauf, direkt am Wasser gelegen”. - Für mich ein zu breit geschnittenes Boot mit viel Wohnkomfort und der Möglichkeit alle Ziele in der Adria - zumindest potentiell - ansteuern zu können.
Wenn dann mal die Bora zuschlagen sollte, einfaches Handling um meiner Familie und mir das Segeln von ihrer schönsten und nicht ausgerechnet härtesten Seite zu zeigen. Wenn es schlimm käme, wäre ich allein auf mich gestellt. Große Schläge müssen also noch vernünftigerweise auf die notwendige Erfahrung und Zustimmung aller Familienmitglieder warten, ein Auge immer auf die Berghänge gerichtet, ein Ohr dem Wetterempfänger gewidmet.
(Das Boot wurde 1999 tatsächlich gekauft: Link )
Lieber Herr Förster,
es bleibt dabei: Schiffe werden von Seeleuten gesegelt und nicht umgekehrt. Das heißt, wenn man das notwendige Einmaleins der Seemannschaft und die richtige Einstellung (und Ehrfurcht) zur See hat, ist das Schiff nicht gerade zweitrangig, aber doch nicht so wichtig, wie es gemeinhin eingeschätzt wird. Manche meinen offensichtlich, beim Kauf einer Yacht würde die Seemannschaft gleich mitgeliefert. In der YACHT hat sich vor vielen Jahren mal ein Leser damit gebrüstet, daß sein Schiff - das war knapp 8 Meter lang - “unbeschränkt seetüchtig” sei. Das ist natürlich blanker Unsinn, denn sowas gibt es nicht, wie gelegentlich Katastrophenberichte während der Winterstürme beweisen.
Sie scheinen mir die richtige Einstellung zu haben, vor allem bringen Sie auch genügend Ehrlichkeit auf, auch mal von einem schwimmenden Wohnwagen zu sprechen. Richtig, wir segeln ja mit solchen Yachten, weil wir das eigene Haus gleich mitnehmen. Eric Hiscock hat ebenfalls von seinen Yachten von einem “swimming Home” gesprochen.
Das wichtigste wird für Sie sein, Ihre Familie zu motivieren, das Ganze mitzumachen. Dabei spielt natürlich nach der Sicherheit die Bequemlichkeit, vor allem das Platzangebot eine große Rolle. Da liegen Sie bei der LAGOON 39 richtig.
Im übrigen stammt diese Yacht noch aus einer Zeit, wo man “auf Verdacht” gut bauen wollte, heute glaubt man zu wissen, wo man Gewicht sparen kann. Das kommt Ihnen jetzt zugute kommt, weil man bei den Wandstärken nicht gespart hat. Es handelt sich hierbei um ein robustes Schiff, das Ihnen wenig Ärger machen wird, vorausgesetzt, es ist einigermaßen in Schuß gepflegt. Mir ist eine LAGOON 39 bekannt, die - Baujahr 91 - sich bis vor kurzem (bevor sie von Kunden unter GPS-Einsatz zum Totalverlust auf Felsen geschmissen wurde) im Chartereinsatz außerordentlich bewährt hat und wegen des Wohnkomforts sehr geschätzt war. Man sollte derartige Erfahrungswerte nicht unterbewerten, denn Charterkunden gehen erfahrungsgemäß ziemlich rauh - und zwar zwanzig Wochen lang im Jahr - mit solchen Schiffen um, erwarten andererseits in großer Gruppe (wegen der Charterkosten) entsprechenden Wohnkomfort. Dagegen wäre die Yacht bei Ihnen mit Frau und zwei Kindern direkt unterbelegt. Auch die Raumeinteilung und ein unkompliziertes Rigg werden Ihnen exakt das bieten, was sie und Ihre Familie suchen, nämlich Freiheit auf dem Wasser!
Smooth Sailing
Bobby Schenk
