Frage 384 - Welcher Sextant? Tuts auch ein billiger?

Sehr geehrter Herr Schenk,

Mein Name ist Michael Hettegger und ich wohne am Attersee in Österreich. Segeln gehört zu meinen Hobbys und vor allem die Navigation und zwar eher analog, bzw. interessiert mich alles wie die alten sogenannten Seebären navigiert haben.

Und so hat mir heuer meine Frau ein Buch über die Astronavigation geschenkt. Und sie werden staunen, sie hat ein Buch von Ihnen gefunden und zwar aus dem Jahre 1978. ASTRONAVIGATION von Bobby Schenk… Ein richtig tolles Buch, so gut und einfach erklärt wie sie es geschrieben haben. Ich lerne zur Zeit alleine und möchte mir hierzu einen Sextanten zulegen.

Daher mein Anliegen warum ich Ihnen schreibe.

  1. Welchen Sextanten würden Sie mir empfehlen? Es ist für mich eher ein Hobby und ich brauche ihn nicht für die Berufsschifffahrt. Mich interessiert einfach wie das geht. Und soweit ich den Buch schon entnommen habe, es gibt so viele Möglichkeiten. Nicht zuletzt ist es eine Erweiterung des Horizontes im wahrsten Sinne des Wortes.

  2. Und noch eine Frage zu den Tafeln? Wo bekomme ich aktuelle Daten bzw. Tafeln her, weil die in Ihrem Buch sind ja nicht mehr so ganz aktuell? Muss ich jedes Jahr eine neu H.O 249 kaufen oder kann man Daten zumindest für ein paar Jahre verwenden. Oder gibt es heutzutage im Internet aktuelle Daten und schöne Grüße.

Vielleicht können Sie mir dabei helfen und vielen Dank für dieses tolle Buch!


Besucher fragen, Bobby Schenk antwortet


Sehr geehrter Herr Hettegger,

Danke für die gute Beurteilung meines Buches. Das freut jeden Autor mehr als das Honorar in Euro. Aber jetzt zur Sache:

  1. Es ist ein verbreiteter Aberglaube, dass die Berufsschifffahrt was besseres zur Navigation benutzt als wir Sportschiffer. Geradezu dumm ist es, was ich im Internet (wo sonst?) lesen mußte, dass die richtigen “Profis” - gemeint waren die Berufsschiffer - den oder jenen Sextanten benutzen. Hier, wie in der Berufsschifffahrt geht es um nichts anderes, als die Bestimmung der Position, also die Antwort auf die Frage: “Wo bin ich?” Deshalb gelten nachfolgende Aussagen sowohl für uns Fahrtensegler als auch für die Offiziere auf dem Tanker oder dem Kriegsschiff.

Welcher Sextant? Ganz klar meine Empfehlung für Sie und für jeden, der sich mit der Positionsbestimmung mit Hilfe der Gestirn interessiert: Ein Metallsextant mit Vollsichtspiegel.

Alle Metallsextanten auf dem Markt reichen für die Astronavigation vollkommen aus.

Es mag ein alter Freiberger aus der damaligen DDR sein, ein preiswerter russischer Militärsextant (sie Foto), oder ein “edler” Bobby-Schenk-Sextant, oder sogar ein alter Sextant der Kaiserlichen Kriegsmarine, sie alle eignen sich bezüglich ihrer Genauigkeit zur Astronavigation - wenn es der Skipper beherrscht…

Sie können sich auch einen gebrauchten Sextanten bei Ebay besorgen - gibt es dort für ein paar hundert Euro - ,wenn der Sextant, egal wie alt er ist, unbeschädigt ist. Selbstverständlich stehen Ihnen keine Messmethoden zur Verfügung, um dies sicher festzustellen. Deshalb gilt für Sie: Wenn der zu kaufende Sextant mehr als die üblichen Gebrauchsspuren zeigt, Finger weg!

Ganz wichtig, speziell für Sie als Newcomer: Auf Grund meiner jahrzehntelangen Erfahrung beim Messen mit Sextanten muss dieser einen Vollsicht-Spiegel (siehe foto oben rechts!) haben. Mit einem solchen ist die Messung jedweden Gestirns viel leichter - und damit genauer -, als mit dem Halbsspiegel. Mit einem solchen ist die Messung jedweden Gestirns viel leichter - und damit genauer als mit einem bis 1970 üblichen Halbsichtspiegel. Lassen Sie sich gerade in dieser Frage keinen Unsinn erzählen: “Die Profis benutzen Halbsichtspiegel…” Und so!

Zubehör, ausser Fernglas mit drei- oder vierfacher Vergrößerung ist keines nötig. Höchsten eine Index-Schraube (nach Schenk - Ehre, wem…). Ansonsten ist das beste Zubehör für einen Sextanten immer noch ein geübter Navigator, der ihn führt.

Wenn Sie einen wirklich alten Sextanten erwerben, dann sollte er eine Trommel-Ablesung haben und nicht nur mit einem Nonius (rechts)ausgestattet sein. Er ist dann genauso präzise wie ein Sextant aus dem 21.Jahrhundert.

Sie werden sich fragen, ob nicht auch ein billiger Karton- oder ein Plastik-Sextant in Betracht zu ziehen ist. Davon rate ich Ihnen ab, weil diese Geräte, vor allem aus Plastik zwar zum Einsieg nicht ungeeignet sind, aber auf dem Markt in großer Zahl preiswerte Second-hand-Sextanten aus Metall zahllos zu finden sind. Erklärung hierfür: In der Berufsschiffahrt ist die Ausrüstungspflicht für Sextanten entfallen, so dass da viele Restbestände kursieren.

Es gibt unendlich viele Erfindungen zum Sextanten, die das Messer leichter oder genauer machen sollen. Sie sind immer überflüssig, zum Beispiel eine Uhr am Sextanten, ein Sternspreizglas, ein künstliche Horizont u.s.w. Alles ausprobiert, sie bringen dem Navigator garantiert keine Erleichterung oder Genauigkeitsverbesserung!

  1. Nautische Unterlagen:

Heute gibt es alles kostenlos im Internet, Die NO-Tafeln finden Sie zum Beispiel hier!

Band 2 und 3 der Pub.No249 (Gestirne allgemein) sind immerwährende. Band 1 (“selected Stars”) müssen Sie alle paar Jahre neu kaufen. Als Beginner brauchen Sie die aber nicht - vorerst.

Schöne Grüße und viel Erfolg beim Üben,
Bobby Schenk
https://www.bobbyschenk.de/quest/f384.html