Frage 380 - Kann Marinero bestimmen, wie Anlegemanöver geht?

Hallo Bobby,

Bei allen Katamaran-Skippertrainings in Kroatien haben mir die Lehrer eingebläut: kurz vor dem Steg aufstoppen - Luv-, dann Lee-Heckleinen übergeben und zurücknehmen - festmachen. Beide Motoren einkuppeln und Kat mit den beiden Heckleinen stabilisieren - erst jetzt die Murings übernehmen und am Bug fixieren. Crew und Marineros hören nur auf Skipperbefehle. So habe ich auch meine Crew instruiert.

Leider kennen die Marineros dieses Vorgehen nicht. Ob Luv oder Lee, ist ihnen egal - die Heckleine geben sie nicht zurück sondern stehen drauf und zwingen meinen Heckmann die Muring zu übernehmen, statt die Heckleine festzumachen.

Resultat: meine Crew ist überfordert, versteht die Welt nicht mehr und tut gar nichts - mir sind die Hände gebunden, den Kat ich nicht mehr manövrieren - Chaos perfekt.

Wie lege ich unter diesen Umständen ein perfektes Anlegemanöver hin?

Lieben Dank für eine wohlwollende Antwort

Jürg


Hallo Jörg,

ich kenne dieses Problem nur zu gut. Deshalb erkläre ich meiner Crew ausnahmslosvor jedem Anlegemanöver: “Der Marinero hat Euch nichts zu sagen, ich habe allein die Schiffsführung inne, und deshalb werden nur meine Anordnungen befolgt. Orders von Hafenangestellten, oder auch vielleicht gut gemeinte Ratschläge von diesen nervenden Manöverbeobachtern auf dem Steg (“der beste Kapitän steht immer an Land”), werden, wenn es sich um nette Menschen handelt, im besten Fall mit einem dankbaren Lächeln quittiert, aber keinesfalls befolgt.

Es sei denn, der Skipper bestätigt die Meinung der Hafenhelfer und gibt sie zum Beispiel mit: “Macht das so!” fei. Denn es ist nur Einer für die Unversehrtheit der Yacht und der Crew verantwortlich, und das ist der Skipper, in dem Fall besser genannt “Schiffsführer”. Die Charterfirma möchte ich sehen, bei denen eine Yacht am Ende des Urlaubs mit schweren Schäden und der Entschuldigung: “Der dumme Marinero hat mir das Manöver versaut, wir können nix dafür”, zurückgebracht wird.

Dies ist übrigens auch in der Grossschifffahrt so, wenn Lotsen, oft höchst erfahrene Kapitäne auf großer Fahrt das Schiff durch die enge Hafeneinfahrt steuern sollen. Letzteres ist nicht wortwörtlich zu nehmen, denn nicht der Lotse steuert, sondern allein der Kapitän bestimmt den Kurs und hat so die volle Verantwortung. Schiffsführer zu sein, ist also nicht nur ein angesehenes Ehrenamt, sondern eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe.

Nun wirst Du sagen, das sei ja alles ganz schön, aber in diesem Fall haben die Marineros halt nicht das Richtige gemacht, obwohl Du das denen wahrscheinlich zugerufen hast. Da hast Du eben Pech gehabt, und es wird Dir nichts anderes übrigbleiben, als das Manöver abzubrechen und einen eigenen Mann an geeigneter Stelle vor dem eigentlichen Hafenmanöver abzusetzen, der dann Eure Heckleinen in der Box wahrnimmt. Mit einem Katamaran und seinen zwei Maschinen dürfte es ein Leichtes sein, sein Heck so nahe an die Pier zu bringen, dass dann der Mann auf die Pier übersteigen (nicht springen!) kann. Karla und ich haben so das eigentliche Anlegemanöver auf an die 20 tausend Meilen mit unserem doch recht großen Katamaran nicht wenige Male vorbereitet.

Dass Marineros überhaupt auf die Idee kommen, sich sozusagen in die Schiffsführung einzumischen, liegt sicher daran, dass sie mit vielen ungeschulten Charterseglern fertig werden müssen und denen “helfen” wollen. Ein kurzes aufklärendes Gespräch mit der Marinaleitung wäre bei Deinem Fall sicher angebracht.

Hier kannst Du übrigens nachlesen, wie ein sehr erfahrener Skipper mit schwierigen Bedingungen, nämlich einer ungeschickten Marinera, fertig geworden ist.

Ich wünsche Dir immer gelungene Hafenmanöver!

Bobby