**Frage von Otto Richter wegen Umbau eines Sextanten auf “Vollsichtspiegel”

Hallo Herr Schenk,
vor Jahren habe ich mir einen (gebrauchten) Freiberger Sextanten (Baujahr 1981) gekauft. Nicht etwa weil ich ihn brauche, sondern weil mich die Navigation mit den “himmlischen Körpern” interessiert und fasziniert! (Wer braucht als Chartersegler im Küstenbereich mit GPS und vielleicht bald Galileo Astronavigation wenn er die Augen offenhält und sich nicht blind auf die ausgespuckten Zahlen verläßt.)
Mein “Spielzeug” ist (leider) ein Halbsichtsextant und in Ihrer Homepage und in Ihrem Buch “Astronavigation ohne Formeln - praxisnah” empfehlen Sie Vollsichtsextanten. In der Beschreibung meines Sextanten steht (geschwärzt aber noch lesbar): “Spiegel und Filter sind mit denen der Firma Plath, Hamburg austauschbar.”
Ich frage mich nun ob es sinnvoll ist, den Halbsicht- gegen einen Vollsichtspiegel zu wechseln. Gegen den Tausch spricht aus meiner Sicht vor allem der Grundsatz “never change a winning team” (bei meinen ersten Versuchen - Mittagsbreiten in der Bucht von Fethiye - lag ich nie mehr als 3 sm daneben); der Wechsel würde ja Justierarbeiten erfordern die für einen Ungeübten sicher etwas mühsam sind, Geduld erfordern und womöglich auch einiges “verschlimmbessern”. Andererseits sind Messungen mit einem Vollsichtspiegel - vor allem bei ungünstigen Bedingungen - sicher einfacher und geben damit auch bessere Ergebnisse - was befriedigender ist aber für mich sicher nicht lebensnotwendig!
Vielleicht können Sie mir einen Rat geben.
Viele Grüße
rio - Otto Richter**


Nein, einen
Umbau würde ich mir sparen. Zwar wäre dieser vielleicht möglich, wenn Sie einen
Vollsichtspiegel mit einer Halterung, die auf Ihren Freiberger-Sextanten passt,
bekämen. Auch die entsprechende Justierung der Spiegelschrauben bekämmen Sie
sicher mit entsprechend viel Messerei hin, eine genaue Anweisung fänden Sie
in meinem Buch [Astronavigation
Ohne Formeln praxisnah, 15.Auflage](https://www.amazon.de/Astronavigation-Formeln-praxisnah-Bobby-Schenk/dp/3768802590/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1536337922&sr=8-1&keywords=astronavigation). Aber der Gewinn für Sie wäre der Aufwand nicht wert. Sie haben schon recht: “Never change a winning Team…”

Der Halbsichtspiegel hat sich nämlich seit Jahrhunderten bewährt und bei Ihren gelegentlichen Sonnenmessungen (die Sterne - mit Verlaub - sind eh für einen Anfänger zu schwierig, wohlgemerkt nicht zum Berechnen, sondern zum Messen) kommen Sie mit ein wenig Übung ganz gut zurecht, wie Sie schreiben.

Zum besseren Verständnis für die weiteren Leser: Bei dem früher, auch in der Berufsschifffahrt nahezu ausschließlich genutzten Halbspiegel (Foto rechts)hat man das Gestirn im Spiegel auf den unverspiegelten Horizont gesetzt, Zwei Bilder, das Bild von der Sonne im Spiegel und der unverspiegelte Horizont, gleichzeitig benutzt wurden. Es ist leicht einzusehen, dass eben der Horizont so nicht über die gesamte Bildbreite als Strich ging, während das Gestirn auch nur auf der einen sichtbaren Bildhälfte zu sehen war. Es bedurfte also einiger Phantasie, die Sonne auf(!) den Horizont zu setzen. Beim Vollsichtspiegel (ein Spiegel, der auch lichtchtdurchlässig ist) hat man dagegen den Horizont über die gesamte Bildbreite und die Sonne, je nach Bogen, ebenfalls auf dem gesamten Bild. Der Vollsichtspiegel macht also das Messen erheblich einfacher. Aber nicht unbedingt genauer! Deshalb empfehle ich einen Vollsichtspiegel, allerdings nur bei einer Neuanschaffung. Zumal der Vollsichtsextant nicht teurer sein dürfte.

Viele Grüße

Bobby Schenk