Frage von Jens Litsche

Lieber Bobby,
gestatte mir bitte eine für mich wichtige Frage für deren kurzfristige Beantwortung ich sehr dankbar wäre.
Ich hatte bisher eine Bavaria 41 und möchte mir in Kürze eine Lagoon 410 für die Langfahrt kaufen.
Gibt es für Katamarane Lösungen hinsichtlich einer Windsteueranlage? Trotz aufmerksamer Beobachtung habe ich noch nie eine an einem Kat gesehen. Ich halte sie iedoch gerade für Langfahrt analog zu einer Monohull für sehr wichtig, damit man nicht immer wieder die Maschinen bemühen muss, damit der elektrische Autopilot genug Strom hat, um seine Arbeit zu verrichten.
Solarpanele werden zwar mit etwa 400 W am Heck montiert, aber deren Leistung wird erfahrungsgemäß bereits durch die anderen Verbraucher insbesondere Kühlung konsumiert.
Herzliche Grüße
Jens Litsche
Berlin


7.11.2015

Lieber Jens,

doch, sowas gibt es. Wir hatten bei unserem 14 Meter langen Katamaran THALASSA eine Windpilot-Windsteueranlage am Heck angebracht.

Dass Du noch keine gesehen hast, liegt daran, dass das Heck bei fast allen Katamaranen in der Praxis “verbaut” ist durch Beiboot, Gangway oder Badeleiter-Konstruktionen. Was man natürlich unterwegs auf hoher See alles dringend braucht .

Nein, Spaß beiseite, das hast Du offensichtlich noch nicht bedacht: Auf Langfahrt, und damit meine ich die “typische” Weltumsegelung , ist man höchstens 20 bis 25 Prozent der Reisedauer auf See, die restliche Zeit im Hafen, in der Marina oder vor Anker. Dort ist eine Windsteueranlage logischerweise überflüssig und blockiert bei Katamaranen den Platz für wichtigere Dinge - siehe oben.

Bei der Anschaffung meines Katamarans habe ich diese Fakten selbstverständlich schon gekannt, allerdings habe ich dem Wind-Steuerautomaten eine höhere, ja die höchste Priorität eingeräumt und bin zu folgender Lösung gelangt: Beiboot als Klappboot an die Reling, so bleibt das Heck zwischen den Rümpfen frei für eine Ruderanlage.

Nun hat man bei Katamaranen das Problem, dass ab “Wind von querab”, also Wind aus vorlicher Richtung, die Windfahne nicht mehr angeströmt wird. Genau genommen gilt das auch für Einrumpfboote, doch in erheblich höherem Maße für Katamarane auf Grund ihrer großen Breite. Selbst bei Einrumpfyachten wird “hoch am Wind” letzterer die Windfahne kaum ansprechen können, man gleicht dies aber dadurch aus, dass man die letzten Grade der Hoch-am-Wind-Performance nicht ausnützt, ja auch nicht ausnützen kann, weil die übliche Hochseedünung und auch das Oszillieren des Kurses unter Windsteuerung das Am-Wind-Vermögen der Yacht beeinträchtigt.

Beim Katamaran sind diese Möglichkeiten noch weniger gegeben, bei Wind von vorlicher als querab ist Schluss. Das bedeutet aber in der Praxis, so hatte ich es mir überlegt, dass die Windsteueranlage nur bei achterlichen Winden einwandfrei funktionieren kann. Das sah auch Peter Förthmann von der Firma Windpilot so , und deshalb wurde die Idee entwickelt - auf eine Windsteuerung wollte ich keinesfalls verzichten -, die mittschiffs am Heck angebrachte Anlage bei Kursen vorlicher als querab nicht mehr vom Wind bedienen zu lassen, sondern die Windfahnenhalterung statt von einer Windfahne, von einem elektrischen Pinnenpiloten mit eingebautem Kompass ansteuern zu lassen. Das hat den Vorteil, dass der Stromverbrauch der “Windsteuer-Anlage” zwar nicht bei Null wie bei der Windfahne, aber doch lediglich bei erträglichen ein bis zwei Ampere liegt. Die Kraft bezieht die Pendelanlage ja aus dem Fahrstrom.

Zum Vergleich: Der elektrische Ruderautomat zog bei unserem Katamaran je nach Seegang zwischen sieben und zehn Ampere. Selbstverständlich ist der Einsatz der elektrischen Anlage bequemer: Auf Kurs gehen und Knopf drücken, das ist alles.

Und so kam es, dass wir überwiegend den elektrischen Robertson benutzt haben. Als dieser auf Grund von Softwareproblemen ein paar Mal ausgestiegen ist, waren wir allerdings heilfroh, die Windpilot-Anlage einsatzbereit an Bord zu haben. Ein “Sonntagssegler” (nichts gegen diese!) kann sich gar nicht vorstellen, wie leicht sich Panik auf einer Langfahrt breitmacht, wenn der Ruderautomat aussteigt. Man kanns immer wieder nachlesen: “Mussten wir Rudergehen…”

Das wünsche ich Dir nicht ,

Bobby