Frage von Marcel Bertschi
Lieber Herr Kollege Schenk Die folgende Frage ist für Sie wohl eher dümmlich, die Anrede etwas gewagt. Aber - bis zum meiner Pensionierung vor einigen Jahren war ich Staatsanwalt, wie Sie ja auch. Im Gegensatz zu Ihnen bin ich aber seit Jahrzehnten nur Chartersegler, ganz im Gegensatz zu Ihnen. Dafür habe ich alle Ihre Bücher mit Interesse gelesen (und habe davon sehr profitiert) und bin dabei zur Einsicht gelangt, dass es Staatsanwälte weit bringen können, wenn sie nicht beim Beruf bleiben…
Nun zu meinem Problem: In wenigen Wochen werde ich erstmals auf den Seychellen segeln, mit einer Grosselterncrew, also mit munteren Greisen zwar, aber immerhin nicht mehr so wahnsinnig sportlich Menschen. Unsere Verchartererfirma - auch der “Seychelles Nautical Pilot” - weisen darauf hin, dass das An-Land-Gehen mit dem Dinghi bei den zumeist anzutreffenden brechenden Wellen nicht ganz ohne ist. Ich erhielt den folgenden Rat: Mit dem Dinghi (und einem Teil der Crew) auf das Ufer zufahren, dort das Landemanöver planen, wo die Wellen am niedrigsten sind. Aussenborder abstellen, Motor hochklappen, auf das Ufer zutreiben. Sobald man durch die brechenden Wellen durch ist und annimmt, auf dem Boden stehen zu können, links und rechts je ein Crewmitglied über Bord hüpfen lassen, die die Aufgabe haben, das Dinghi zu stabilisieren, bis die übrigen Crewmitglieder ausgestiegen sind. Dann das Beiboot um 180 ° drehen, in die brechenden Wellen hineinschieben, ins Dinge klettern, Aussenborder herabkippen, Motor starten und zum ankernden Kat tuckern den Rest der Crew holen.
Bei der Rückkehr ist umgekehrt vorzugehen, also das Dinghi vom Ufer ins Wasser tragen, einige Crewmitglieder einsteigen lassen, das Boot in die brechenden Wellen schieben, die beiden Crewmitglieder, die das Beiboot links und rechts stabilisiert haben, hüpfen nun (mehr oder weniger elegant) ins Dinghi; sobald das Wasser genügend tief ist, Aussenborder herabklappen und Motor starten, zum Kat fahren.
Da es also ziemlich nass sein wird, empfiehlt es sich, die Landkleider in wasserdichten Säcken zu transportieren.
Ist das so albern, dass Sie glauben, wir seien wirklich hoffnungslose Stümper, könnte dieses Prozedere zumindest theoretisch tauglich sein oder haben Sie aufgrund Ihrer reichen Erfahrung noch Verbesserungsvorschläge? Oder soll man, sofern die Gischt zu gross ist, lieber vor Anker bleiben und sich dort des Segelurlaubs erfreuen?
Eine Antwort würde mich freuen!
Mit kollegialen Grüssen
Marcel Bertschi
Lieber Kollege Bertschi,

selten eine so gute und realitätsnahe Beschreibung eines Landgang-Manövers gelesen. Ja, da ist alles richtig gewichtet!
Zusätzlich: Ich denke, dass Sie an solchen Landeplätzen keine spezielle “Landkleidung” brauchen werden. In der Strand-Bar wird man Sie auch mit nassen Shorts akzeptieren. Was ich aber in solchen Fällen immer dabei hab: Eine Flasche Süßwasser und ein frisches Handtuch im Plastiksack. Denn mit Ihren Salzhänden sollten Sie keinen Fotoapparat (oder ähnliches) anschließend berühren! Oder Sie können sich damit den Sand von den Füßen waschen etc etc
Ich kenne die Seyschellen nicht, stell mir aber vor, dass nicht alle Landeplätze so nass wie beschrieben sind. Wenn ja, sollten Sie andere Crews bei der Landung beobachten. Denn, wenn die Dünung zu hoch wird, besteht die Gefahr, dass sich das Beiboot in der Dünung überschlägt und dann ist der Urlaubsspaß - vor allem bei den Damen (Frisur!) garantiert dahin. In diesem Fall ist es sicher besser, den Urlaub vom Boot aus - eventuell schnorchelnd oder schwimmend zum Land - zu genießen.


Das Problem wird sein, dass Sie nur in Gruppen an Land können. Denn für einen einzelnen wird das Beiboot der Charteryacht - praktisch immer ein Schlauchboot - zu schwer sein, vor allem mit dem (schweren) Außenborder, um es nach oben auf den Strand aus der Brandungszone zu bringen. Hier wären nach unten abklappbare Räder, wie es sie in den USA als Zubehör zu Schlauchbooten gibt, von großem Vorteil.

Wolfgang Hausner, der regelmäßig zahlende Gäste mitnimmt, hatte sich schon vor Jahren für diese Lösung entschieden. Wer Wolfgang kennt, der weiß, dass er nicht gerne von anderen Menschen abhängig ist. So war für ihn nur eine Beibootlösung denkbar, mit der allein in der Lage war, sein Schlauchboot den Strand raufzuziehen (Bild). Ohne eine solche Lösung, ist ein Landgang alleine oder zu zweit an Stränden mit Brandung oder in Tidengeässern nur schwer möglich.
Schönen Urlaub! Bobby Schenk

